Mittwoch, 27. Februar 2013

Orinoco Delta Trip Day 2

24. Februar 2013 - Orinoco Delta

Der Menschliche Selbsterhaltungstrieb ist sehr gross. Nur so kann ich es mir erklären, dass Sarah fisch isst. Sarah ist sonst nie Fisch. Und noch weniger geht sie sie selber Angeln. Unser Abendessen fingen wir uns heute mal wieder selber. Leider bissen die Moskitos uns mehr, wie die Piranas unsere Köder. Das ist eigentlich auch okay, denn in genau diesem Fluss haben wir gestern uns erfrischt und ich finde den Gedanken nur bedingt beruhigend, dass wir jetzt nicht allzuweit vom Badeort Piranas aus dem Wasser ziehen. Nach gut 3 Stunden haben wir dann unsere 6 Gefangen, was doch ein gutes Menü ergibt. 

Den Fisch zuhause abgeliefert, stürzen wir uns wieder ins Boot, folgen dem schmalen Fluss bis zum nächst grösseren, schiessen durch das Labyrinth und erreichen nach einer Schwindelerregenden Fahrt ein Dorf am Flussrand. Die Häuser bestehen mehr oder weniger nur aus einer überdachung direkt am Strand. Dahinter beginnt der Wald. Als wir anlegen stürmen uns bereits die Kinder entgegen um uns zu umzingeln. Wir haben keine Geschenke dabei, aber das wollen sie gar nicht. Sie interessieren sich viel mehr für die Fremden, die soeben in ihr Dorf gekommen sind. 

Alexis hat mit dem Dorf einen Deal geschlossen. Wenn sie uns rumführen, dürfen sie dafür selbstgemachte Arbeitsgeräte aus dem Dorf verkaufen. Das klingt fair und niemand fühlt sich gestresst, jeder lächelt, egal ob alt oder jung. Apropos Alexis, der ist soeben mehr oder weniger aus dem Nichts aufgetaucht. Er hatte seine Geschäfte erledigt und ist nun hier um mit uns zu sein und uns persönlich alles zu zeigen. Ein guter Mensch.

Als die Kids meine Kamera entdecken, sind sie sofort Feuer und Flamme dafür und jeder will sich selbst auf dem kleinen Display sehen. Die Bilder die ich davon trage zeigen glückliche Kinder, welche ein ueschwertes Leben am Flussufer geniessen, täglich zur Schule gehen und trotzdem den Bezug zu ihren Wurzeln nicht verloren haben, was auch der Inhalt des Kochtopfes zeigt - RIESENMADEN. Hundete davon und die Kinder können es kaum erwarten von der Delikatesse zu naschen, die ihre Eltern morgens im Wald gesammelt haben. 

Als Freddy plötzlich mit so einer Made auftaucht, weiss ich genau, was der Mann vor hat. Er hat mich bereits zu moffoziellen Bootsanbinder erhoben und auch steuern durfte ich bereits. Deswegen gehe ich davon aus, dass ich auch der erste bin, der eine Made probieren darf. 5 CM lang ist das Ding... ich überlege nicht gross und schwupp habe ich sie im Mund. Das problem ist nicht der Geschmack, der sich als erstaundlich gut herausstellt, nein, es ist die konsistenz, dieser glibbrige Körper, der mir durch die Zähne gleitet, aber sich beim besten willen nicht beissen lässt. Ich kaufe gut 5 Minuten darauf rum und spüre, wie mir alles hochkommt, ehe ich es schaffe und das Ding auf dem Weg in meinen Magen ist. Für die Kinder und das Dorf ist das nichts spezielles, sie essen es jeden Tag. Aber den Blick unserer Crew habe ich auf sicher. Uff. 

Wir geniessen die Zeit und spielen mit den Kindern, Hunden, schwatzen mit den Eltern und stellen fest, dass auch hier die Kinder früh verheiratet werden. Die Mädchen haben alle wunderschöne Gesichter. Ich glaub das ist der Ort wo die nächste Miss Venezuela herkommt. Wir verhandeln noch mit der Grossmutter des Dorfes und kaufen ihr 2 kleine Körbe ab. Auch hier hilft ein Lächeln beim Verhandeln. Wir grinsen sie so lange an, bis sie nicht mehr anders kann und uns einen guten Preis macht. 

Das war eine intensive Erfahrung. Gerne wäre ich länger im Dorf geblieben, aber dann hätte ich wohl mehr von den Fiechern essen müssen. Da ziehe ich die Piranas vor und der Abendliche Schwum im Sonnenuntergang. Was werde ich nur tun, wenn ich all diese Dinge nicht mehr machen kann? Irgendwann muss ich ja mal nach Hause... Inzwischen falle ich schon in ein Tief, wenn ich mal 2 Tage nichts zu tun habe ^^. Ich habe mich in den Regenwald verliebt und in dass, was in ihm lebt. Mensch wie Tier. Das gleiche denken wohl die Moskitos und lassen mir gänzlich in Ruhe, während sie die Utta und Sarah bei lebendigem Leibe verspeisen. 

























Dienstag, 26. Februar 2013

Orinoco Delta Trip Day 1


23. Februar 2013 - Puerto Ordaz (Ciudad Guyana) - Orinoco Delta


Uff, das war eine kurze Nacht. Sarah und Utta freuen sich sehr über meinen Spontanentscheid und ruck-zuck ist alles im Auto verstaut und los gehts. Wolf, oder eben "Lobo" fährt uns mit seinem Jeep in ein kleines Fischerdorf, in dem wir ein Bötchen ins Camp nehmen werden. Plötzlich springt auch noch Alexis zusammen mit seinem Kumpel Edgar, einem Wauru Indianer in den Wagen. Er wird einen Kumpel in der Nähe besuchen. So teilen wir uns die Fahrt. 

Unterwegs jedoch passiert etwas spezielles. Ueber den Coroni Fluss gibt es an dieser Stelle eine Brücke und wir nehmen eine Autofähre. Alexis ist so erpicht darauf uns alles zu zeigen, dass wir aus dem Auto jucken und das Pier in Augenschein nehmen, während Lobo wartet, bis wir mit der Ueberfahrt dran sind. Neben einigen Fischern und grossen Frachtschiffen entdeckt Alexis ein Schiff mit der Guayana-Flagge gehieft. Kurz nachgefragt ist es ein Handelsschiff, das die 12 Stunden Flussaufwärts von Guyana bis hier her schipperte. Auf unsere Frage, ob sie auch Pasagiere mitnehmen, antworteten sie etwas zögerlich, bejaten jedoch, dass wir für 20 Dollar mitfahren könnten. Das finde ich grad etwas krass, denn ich habe mir desöfteren überlegt, nach Guyana zu reisen, bevor ich nach Venezuela kam. Doch es erschien mir alles sehr kompliziert und aufwändig, wofür ich nicht in Stimmung war und jetzt liegt mir hier die Möglichkeit zu Füssen. Puerto Ordaz - Georgetown direkt. Das steht so nicht im Lonely Planet :D Und hätte ich nicht mein Gepäck bei Lobo deponiert, sonst wäre ich hier und jetzt wohl aufs Schiff gegangen. 

Aber so gehts weiter in den Jungle. Ist ja auch gut, oder? ^^ In dem kleinen, Namenlosen Hafenstädchen werden wir auf ein Holzboot geladen, das sogleich mit halsbrecherischem Speed davondüest. Sarah hats nicht so mit dem Wasser und den Moskitos, die sie bereits hier anfangen aufzufressen. Dazu kommt noch die Böse, graue Regenwolke über uns, die sich promt zu erleichtern beginnt. So hart, wie ich auch bin, bei dem Tempo fühlen sich Regentropfen wie Peitschenschläge an und wir verstecken uns unter einer Dicken Plastikplane und lachen uns kaputt über die Situation in der wir uns befinden. Nach einem kurzen Snack in einem Wauru-Ort ging es richtung Ziel. Man spürt, dass die Lokals hier nicht oft Touristen sehen und entsprechend uns ihr faszinierendes Lachen wie ein Geschenk entgegenwerfen. 

Die Orinoco Queen erwartet uns am Ende eines schmalen Seitenarmes, tief im Regenwald des Deltas. Aus 100 Prozent natürlichen Materialien haben passionierte Seelen durch ihre Bungalows hier ein Paradies geschaffen, dass ich so noch selten gesehen habe. So tief in der Wildniss habe ich mich noch selten geühlt, auch dadurch, dass vor meinem Balkönchen andauernd Riesenschmetterlinge und Tukane vorbeifliegen. Wow, hier kann ich echt abschalten. Ich denke etwas über meine Zukunft nach und das erinnert mich knallhart an den Fakt, dass meine Universität noch nicht auf meine Bewerbung reagiert hat. Ich habe mich für den Studiengang Tourismus beworben, die Antwort steht jedoch noch aus. 

Später Nachmittags nimmt uns Freddy, unser Experte mit auf eine Bootsexkursion. Als ob diese Wälder am Flussufer und der Fluss selbst nicht schon schön genug sind, sehen wir Tukane, Papageien, Affen und als Highlight, etwas mir persönlich neues: Flussdelfine planschen um unser Boot in einem kleinen Seitenarm des Flusses und auf dem Rückweg entdecken wir eine Baby-Anaconda, die gemütlich auf einem Baum ihr nickerchen macht. WOW, was für ein Ort. Ich hatte ja erst die Befürchtung, dass dies mit der Erfahrung im Pantanal zu ähnlich wird - doch es hat sienen ganz eigenen Charme, der durch die nächtliche Kakophonie ihren perfekten Soundtrack kriegt. Ich habe auf meinem Balkon eine Kerze angezündet und Utta und ich schauen den Fireflys beim Glühen zu und reden über Gott und die Welt. 



















Glücksfall Alexis

22. Februar 2013 - Puerto Ordaz (Ciudad Guyana)

Ciudad Guayana wurde im Jahr 1961 als ein Projekt der Corporación Venezolana de Guayana gegründet, indem die beiden Städte zu beiden Seiten des Caroní Flusses, nämlich San Félix und Puerto Ordaz vereinigt wurden. Das zog Industrie in die Stadt und machte sie zum wichtigen Dreh- und Angelpunkt der Gegend, weil über sie die in der Gegend hergestellte Produkte über den Atlantik verschifft werden können. 

Warum das Lobo hier her zog, weiss ich nicht. Trotzdem bin ich froh, dass der deutsche Abenteurer es getan hat. Auch dass er seine Posada eröffnet hat, in der ich untergekommen bin. Ich bin zwar noch total durchgefroren von der langen Busfahrt, trotzdem hören ich Wolfgangs Geschichten nur zu gerne zu. Wie er mit dem Ruderboot den McKenzie herunter gepadelt ist oder den Rio Negro bezwungen hat, das alles ohne spezielle Ausrüstung. Seine Reise endete an der Grenze zu Brasilien, als diese mit ihrer Bürokratie seinen Willen gebrochen haben. 

Ich treffe ebenfalls auf Alexis, seinen jungen Sidekick, der die Aufgabe hat, diese Bruchbude hier wieder zum Laufen zu bringen. Er offeriert mir nach kurzem Gespräch bereits kostenlose Unterkunft, sollte ich ihm bei seiner Aufgabe helfen. Allgemein spüre ich, dass die beiden nicht viel Besuch haben und sich über meine Anwesenheit freuen. Ich bin jedoch im Moment in einer Phase, in der ich mich für nichts Entscheiden kann. So gut das Angebot auch klingt, irgendwie will ich doch weiter reisen. 

Gegen Abend treffen zwei Mädels aus Deutschland ein. Von Alexis erst als 65 und 55 Jährige Schweizer Frauen angekündigt, entpuppten sich als 30 und 35 Deutsche. Alexis und ich hatten bereits unsere Pläne geschmiedet, die ebenfalls einige Biere beeinhalteten und so wurden die zwei Schnurstrax integriert. Sie wussten wohl kaum, auf was sie sich eingelassen hatten, als wir in eine Shoppingmall fuhren. Wow, das war sogar für mich eindrücklich, denn sowas habe ich seit laaangem nicht mehr gesehen. Während Sarah unter Alexi's wachsamem Auge ihre Besorgungen machte oder Utta, die blonde Promoterin aus Cottbus, ihrer Shoppingsucht abhilfe verschaffte, gönnten Alexis und einen ausgiebigen Blick aufs übergrosse Bikiniposter an der Wand und kippten dabei Bier um Bier und stellten fest, dass wir das Heu auf der selben Bühne haben.


Alexis kommt ursprünglich aus Guyana und hatte schon Früh mit dem Tode seiner Mutte rzu kämpfen. Mit 12 verliess er die Grossmutter, die ihn Grosszog und machte von da an sein eigenes Ding und sollte erst mit 20 zu ihr zurückkehren. Er nutzte die Möglichkeit, welche die Regierung Chavez einführte und ging zur Venezuelanischen Armee. Nach Erfüllung des Dienstes nach 3 Jahren wurde er als Dank entlöhnt und er erhielt die Venezuelansiche Staatsbürgerschaft, die ihm erlaubte, in seiner neuen Heimat zu arbeiten. Wie so viele junge Latinos, hat es ihn in den Tourismus verschlagen, auch angezogen von der Chance, ein aktives Sexualleben zu haben, mit seinen Lieblingsfrauen, den Weissen. Dazu steht er gegenüber mir auch offen, ohne später den Respekt gegenüber unseren zwei Frauen all zu fest zu verlieren und zu offensiv zu werden. Und wenn er es mal getan hat, habe ich ihn in nem Männergespräch daran ermahnt, wie man mit Europäerinnenn umzugehen hat. 

Später am Abend setzte er uns wieder in ein Taxi und wir fuhren in ein Restaurant, bei dem uns die Augen rausfallen würden. Alexis lag nicht falsch, denn für uns Mittelklassebürger ist es nicht alltäglich, in ein 5 Sterne Hotelresort reinzufahren. Ich frage mich, was er vor hat, das können wir uns doch niemals leisten. Doch ein Blick in die karte lehrt mich besseres. Alexis erklärt leicht angeschwippst, dass dieser Ort früher ein Touristenhotel gewesen war, jetzt aber vom Staate angeeignet wurde und hauptsächlich von Politikern bewohnt ist. Das Restaurant jedoch ist öffentlich und der wohl beste Geheimtipp der Stadt mit den Günstigsten Preisen, die ich bisher in Venezuela gesehen habe - für ein Sternerestaurand. Danke Chavez!

Schon den ganzen Tag sprechen die Mädels über ihren Trip ins Orinoco-Delta. Sie haben ihn über Alexis gebucht. Ich will ja eigentlich Indianer sehen. Als Alexis dass erfährt, macht er einige Telefonate und bestägit mir, dass wir auf diesem Trip den Stamm der Wauru besuchen werden. Im Stillschweigen bietet er mir den Trip für 100 Dollar an (statt deren 120 Euro). Ich lasse mich nicht zweimal bitten, denn wann hat man schon die Chance einen Indianerstamm zu besuchen. Klar geht es dabei nicht um die in isolation lebenden aus dem Amazonas, aber so eine Expedition kann sich ein Normalsterblicher auch nicht leisten. 

Somit habe ich einige meiner Sorgen vergessen können, dank der Hilfe von Jenny daheim und Alexis. Mal wieder gilt das ungeschriebene Gesetz von: Irgendwas geht immer. Denn der Tag ist erst zu Ende, wenn man ihn zu Ende gelebt hat. 




Motivation, wo bist du?!

21. Februar 2013 - Santa Elena - Puerto Ortez

Das grosse Problem daran, keine Motivation zu haben, ist, dass man in einem tollen Gebiet dieser Welt sein kann trotzdem kaum aus dem Zimmer kommt. Ich habe es heute bevorzugt, mit meinen Liebsten zu schreiben, erneut Filme zu gucken (Django ist fantastisch und zurecht für die Oscars nominiert). Gegen Mittag bekomme ich sogar noch das Spiel des FC Basel gegen Dniepr in der Europa League rein. Uff spüre ich da Anzeichen von Heimweh?

Ich reagiere und kaufe mir die erste Fahrkarte raus nach Puerto Ortez, einem Teil von Ciudad Guyana, von wo aus ich mehr Möglichkeiten habe. Wer weiss, vielleicht motiviert mich ja noch etwas. Jedoch ist mein Budget sehr klein und mein Wille es zu erhöhen nicht existent. Klar könnte ich mich noch irgend einer Tour anschliessen, aber einfach nur um beschäftigt zu sein, viel Geld in die Hand  nehmen? Wenn, dann möchte ich Tief in den Amazonas oder irgendwo an den Strand. Mal schauen.

Gegen Abend kommen meine Polnischen Kolleginnen zurück von ihrem Roraima Tripp. Einerseits sagt mir dass, dass ich jetzt doch schon 5 Tage hier war und zweitens sehe ich den Schmerz in ihren Gesichtern, als sie aus dem Wagen steigen. Das zeigt mir, dass es immerhin die richtige Entscheidung gewesen war, den Trip nicht durchzuziehen. Denn diese Leute waren alle fit wie'n Turnschuh. Lustig, dass die eine fleissig mit dem Guide Händchen hält, der dafür bekannt ist, Touristen abzuschleppen. So verspüre ich auch dort keine Lust gross zu kommunizieren, zeige aber Toleranz und nehme mit ihnen den Bus richtung Puerto Ordaz, der mal wieder ne Tiefkühltruhe ist. Die Anzeige sinkt in der Nacht gegen 7 Grad Celsius. Ausser mein Thermoshirt trage ich so ziemlich alles, was ich gerade bei mir habe und spüre, wie meine Füsse langsam einfrieren. 

Sonntag, 24. Februar 2013

Roraima Trek Day 2

20. Februar 2013 - Roraima Camp 1 - Santa Elena



Es war eine wunderschöne Nacht. Der Wolken sind verschwunden und haben den Sternenhimmel Preis, von dem Orion mir mal wieder bester Freund war. Der Mond dagegen schien mit voller Kraft auf die Tepuis, wie die Indianer sie nennen und auf einmal sind die Berge so mystisch, wie sie in meiner Fantasie immer waren. 

Ich geniesse jede Minute, die ich hier im Camp noch bin. Denn auf dem Weg zum Fluss, musste ich mir eingestehen, dass meine Knie nicht besser, sondern eher noch schlechter bereit sind wie gestern. Ich setze stecke meinen Kopf ins Wasser und nehme einen Herzhaften Schluck von dem Kühlen, erfrischenden Wasser. Wie wenige Orte auf der Welt es gibt, wo man das Wasser aus der Leitung trinken kann und noch weniger, wo man es direkt aus der Natur seinen Durst löschen kann. Dann setze ich mich auf einen Stein und mache zum ersten Mal seit Nepal wieder Sonnenyoga. Ich erhoffte mir, dadurch meine Umwelt noch stärker aufzunehmen. Ich denke, es hat funktioniert, frühstück mochte ich jedenfalls keines. 

Ich teilte Ricky meinen Entscheid mit und er begrüsste ihn. Dann verabschiedete ich mich von der Gruppe, während Juri mir noch einen Rubel in die Hand drückte. "Dein erster Schritt zur Reise nach Russland". Dann ging es zurück, den gleichen Weg, den wir gestern gekommen waren. Uff, das ist hart. Wie in Trance renne ich den Berg hoch. Umso schneller ich am Ziel bin, umso weniger lang muss ich den Schmerz ertragen. Ich überlege, ob ich es nicht doch hätte versuchen sollen. Als sich 10 Minuten später eine 5x3 cm Blase am Fuss dazugesellt, erledigte sich das Thema. 

Als wäre es nicht schon genug, durfte ich auch noch meinen Transport zurück selber bezahlen. Eigentlich hätte heute eine Gruppe vom berg kommen sollen. Der Fahrer behauptete jedoch, dass das nicht stimme. ich glaube ihm zwar nicht, habe aber nicht die Nerven zu diskutieren und bezahle. Ich will nur noch zurück ins Hotel.

Wie es mir geht? Ich würde sagen, es kommt dem Wort "verschissen" sehr nahe. Obwohl mir klar ist, dass ich nichts dafür kann, ausser vielleicht, das ich in meiner Vergangenheit Sport getrieben habe und das auch gerne machte. Nachdem ich mich dem Sauftourismus abgeschrieben habe, weil ich viel lieber in der Natur bin, Berge besteige, kleine Expeditionen und Touren mache, bleibt mir das von nun an verwehrt. Wie es sich anfühlt? Kakke. Denn es heisst auch für daheim, dass es keinen Sport gibt sondern Arztbesuch und Behandlung. Wer weiss, realistisch gesehen kann so ein Knorpelproblem für immer sein. Tolle Aussichten. 

Eines aber darf ich bei all dem nicht vergessen. Währe ich später in meinem Leben auf Reisen gegangen, hätte ich das vielleicht von Anfang an gehabt und wäre nie so weit gekommen. Daran muss ich mich festhalten. 

Wohin es jetzt geht? Ich weiss es nicht. Ich habe noch gut 15 Tage in diesem Land, bevor mein Flieger geht. Jedoch kann ich dass, was ich will nicht tun und das was ich nicht tun will, werd ich auch nicht tun. Daher bin ich ratlos und weiss nicht wohin. Meine Motivation ist auf dem Tiefpunkt und meine Lust mich zu bewegen gleich null. 




Roreima Trek Day 1

19. Februar 2013 - Santa Elena - Roraima Camp 1

Wenn man in ein Land kommt, in dem man noch nie war, dann spielt der erste Eindruck eine grosse Rolle. Oftmals formt dieser einem die Landkarte, der man später folgt. Von Venezuela weiss ich nicht viel. Im westen hört man von Hugo Chavez, dem linken Präsidenten, der gerade Eben nach langer Krebstherapie bei Famiilie Castro nach Caracas zurückkehrte. Was einem ebenso auffällt, ist die Wunderschöne Hügellandschaft, die man von der Strasse her an und an überblicken kann, wie sie daliegt, majestätisch und schön, wie die Frauen. Im Gegensatz zu anderen Ländern kostet ärztliche fürsorge grundsätzlich nichts und der Sport wird gefördert. Das schlägt sich im Gesundheitsbewusstsein nieder. Eindrücklich und vorbildlich. 

Unser Jeep fährt zügig über die Strasse und biegt nach gut einer Stunde links ab. Mit mir im Wagen sind 4 Russen, 2 Japaner und ein Deutsches Rentnerpaar. Das ist unsere Gruppe, mit der wir den Roraima, den mächtigsten aller Tafelberge besteigen werden. Während die Russen bereits die ersten Bier trinken und mir auffällt, dass die Frauen keine BH's tragen und ihre Shirts ein hauch von Nichts sind, legen Gerd und Lydia, die beiden Deutschen gleich mal ein Tempo vor, dass ich von ihnen nicht erwartet hätte. Beide 70, sausen die erste Steigung hinauf, das kann ich nur hinterher sehen. Ich habe meinen grossen Rucksack dabei. Darin etwas Kleidung zum wechseln, Schockoriegel, Siegesbier, Schlafsack und Isomatte. 

Bereits auf dem ersten Hügel kann man in der Ferne die Berge sehen. Roraima in der Mitte mit seinem Bruderberg auf der linken Seite. Diese Gegend bildet das Dreiländereck zwischen Brasilien, Venezuela und Guyana. Unser Guide, Ricky, ist übrigens aus Georgetown, Guyana. 53 und fit wie ein Turnschuh. Er überholt die Deutschen um ihnen zu sagen, dass es noch weit ist. Wir sind ja auch erst 10 Minuten unterwegs. Weitergehts den Hügel hinunter... Doch dann, oh-ou... ich spüre meine Knie. 

Das darf doch nicht war sein. Da laufe ich Machu Pichu, Renne Favelas auf und ab, durch den wilden Jungle Brasiliens... nichts. Und hier - auf dem letzten grossen Ding, dass ich auf meiner Reise tun will - beim erfüllen eines Traumes - habe ich nach 10 Minuten schon Schmerzen, dass ich schreien könnte. Ricky sieht es mir an und fragt ob alles i.o. sei. Auf spanisch, damits niemand sonst versteht, erkläre ich ihm mein Problem und er schaut mich mit grossen Augen an. Er hätte von den Russen erwartet, dass sie Abstürzen oder ein Herzinfakt der Deutschen aber DAS nicht. Nun gut. Ich beisse mich durch und schaffe es auf die nächste Ebene. Dort gehts mehrheitlich eben voran und das kriege ich hin. Ich beisse durch. Erstaundlicherweise bin ich von allen der fitteste und während andere schnaufen, laufe ich mit meiner Raucherlunge seelenruhig dran vorbei. Wenn nur die Knie nicht währen. 

Abends im Camp kommt mir die Frage in den Kopf, wie zum Teufel ich das schaffen soll. Wenns gut geht, aber nur wenns wirklich gut geht, schaffe ich es nach oben. Dann sind meine Knie aber so am Arsch, dass ich vor dem Abstieg, den ich von hier aus sehen kann, richtig angst kriege, weil ich weiss, dass ich ihn nicht in angemessener Zeit und nur unter grossen Schmerzen schaffen werde. Ich trinke darauf mit meinen neuen Russischen freunden, die inzwischen aufgetaut sind und wir haben eine gute Zeit, in der wir auf die Freundschaft trinken. Juri und Tatjana sind verheiratet, genauso wie Alex und Romina, sind sie tolle Menschen, richtige Russen und ich kann Schritt halten, während die andern damit nicht viel anfangen können. 

Nun, was bleibt ist das Zelt, dessen Eingang ich offen lasse, weil ich möglichst viel von Roreima sehen möchte. Dieser Berg fasziniert mich so unglaublich mit seiner emensen Schönheit. Bereits hier unten gibt es Pflanzen, die ich so noch nie gesehen habe, so fremd vom allem, was es sonst zu geben scheint. Ich will nicht zurück während Rentner und verwirrte Japaner und Betrunkne Russen den Berg besteigen und in sein isoliertes, einzigartiges Oekossystem eintreten, das so sensibel ist, dass man sogar seine Schokolade in Plastiktüten macht, um sie nachher mitzunehmen, während ich vielleicht bereits nach Hause muss. 








Samstag, 23. Februar 2013

The Human Money Machine

18. Februar 2013 - Santa Elena

Nun, als erstes bin ich heute morgen früh zurück an die Grenze gefahren. Von Erik weiss ich, dass ich die Grenze bis ins nächste Dorf überschreiten darf, ohne das ganze Zoll-Prozedere nochmals zu machen und der Gefahr wegen fehlender Gelbfieber-Impfung und Touristenzettel nicht mehr reinzukommen. Ich muss endlich an Geld kommen. Dort soll es nämlich drei Bankomaten der Bank of Brazil haben. Gesagt getan. Es war wirklich kein Problem, die grenze zu überschreiben, nochmals am Beamten vorbei, der die Autos beim Aufsetzen auf der Bodenwelle beobachtet usw... doch leider gab mir keiner der Automaten Geld. Die EC-Karte zeigt es mir als gesperrt an und die Kreditkarte wird nicht erkannt. Ich krieg langsam Vögel hier. Also ab zurück nach Venezuela, ich hab genug von Brasilien. Das Land des Zuckerhuts und des Fussballs gehört nämlich einzig und allein Jenny und mir. Ich möchte keine andere Erinnerung an es haben, wie die unsere. Somit ist das Thema günstig Geld abheben für mich erst mal gestorben. 

Doch da habe ich die Rechnung ohne Erik gemacht. Er schlägt mir vor, ich könne ja einen Bankübertrag machen und er zahlt mir das Geld bar aus. The Human Money Machine quasi. Das klingt super. Zwar krieg ich nicht ganz den guten Tarif wie auf der Strasse, aber es ist trotzdem fair und zig mal besser, als würde ich in einer Venezuelanischen Stadt in eine Bank gehen. Ich muss genau berechnen, wieviel ich brauche, denn zurückwechseln in Euros oder Dolar ist nur mit riesen Verlust verbunden. Schon eine  komische Situation. Trotzdem - dank Erik muss ich nicht hungern und hab mir sogar ein zwei Bier gegönnt. 

Etwas anders hat er noch getan, der Erik. Klar, profitiert er davon, aber er hat mich überzäugt, einen meiner Träume zu realisieren und die Tafelberge von Roraima zu besteigen. Ein 6 Tagestrek ist es. Ihr wisst ja, wie es um meine Knie steht. Aber hier zu sein, fühlt sich an wie in Aguas Calientes zu stehen und nicht auf den Machu Pichu zu steigen. Ich bin sichtlich nervös. Morgen geht es los. Ich habe zwar alles, was ich brauche, aber eben, der Zustand meiner Knie ist mal so, mal so. Es kann gut kommen aber auch total in die Hose gehen. Das gute ist, ich bin im Kopf darauf vorbereitet, ja ich bin bereit. Ich will dieses Abtenteuer - und wenn es mein Letztes ist. 

Freitag, 22. Februar 2013

Rumba Carneval mit Edgar

17. Februar 2013 - Santa Elena

Da sitzen die Ula, Christina und ich gemütlich beim Feierabendbier, wo auf einmal Kellner Alberto drei weitere Bier auf den Tisch stellt und auf den unscheinbaren Mann in der Ecke zeigt. Wir bedanken uns mit einem lauten *Gracias, Senior!" und schon sass Edgar bei uns. Wie sind wir blos in diese Situation gekommen? Wer sind wir überhaupt und eigentlich wollte ich doch Fernsehtag machen. 

Na gut, in die Glotze gestarrt habe ich schon mächtig. Heute war für mich Pausentag. Ich guckte mir Filme auf dem Laptop an, hörte Musik, las und spielte Videospiele. Ich genoss die Vorzüge eines Einzelzimmers, welches ich nur fürs Abendessen verlies. Und genau da haben sie mich erwischt, diese beiden Mädels aus Polen. Sichtlich nervös darüber in Venezuela zu sein, brabbelten sie mich voll. Das gute war, sie zahlten das Bier. Und dann kam eben Edgar. Lustigerweise komplettierte der Peruaner, aus Iquitos stammend, der mit seinen grauen Haaren etwas weises an sich hatt, unsere Gruppe perfekt und wir gehen ineinander auf. 

Edgar war es dann auch, der uns mit auf die Kirmis zog. Eigentlich sollte es ja Carneval sein, es fühlte sich aber mehr an wie der gute alte Jahrmarkt daheim. Ueberall wurde Süsszeug verkauft und Edgar konnte es nicht lassen und die Mädchen mussten alles kosten. Ich amüsierte mich prächtig und hatte gegen das stets neue Bier in meiner Hand nichts einzuwenden, sowar es Edgar war, der es bezahlte. So zogen wir übern rummel, wurden blauer und blauer. Doch wir schienen die einzigen zu sein. Die Venezuelaner liessen sich von der Ambiance und der Sängerin auf der Bühne nicht wirklich anstecken. Was Edgar dafür ansteckte, war aus versehen die Zuckerwatte eines Kindes - die zum Glück nur mässig brannte. 

Ich nehme an dem Abend die Venezuelaner als Charaktervolle und fröhliche Menschen auf, wenn auch etwas schwierig zu grossen Emotionen zu bewegen. Gut das lag vielleicht auch daran, dass sie Sängerin einfach trotzt allem Körpereinsatz keinen Tin traf. Aber hübsch war sie. Venezuela ist ja für seine Beautyqueens bekannt. Wer weiss, vielleicht haben wir ja ein Sternchen gesehen - aber singen sollte sie nicht. 

Es wurde später und später. Um 3 Uhr dann war Schluss und alle gingen nach Hause. So auch wir. Ein lustiger Abend ging zu Ende mit Menschen sie sich nie Wiedersehen werden. Das Austauschen der Nummern oder Facebook ging bei all dem Trubel promt vergessen.