Freitag, 30. Dezember 2011

Ein (Auf-) geschlagen

21. Dezember - 31. Dezember 2011 - Downtown Untersiggenthal

"Lukas, du bist zurück, ich muss dich unbedingt sehen!" lautet der Tenor. Ich frage: "Wann?" "Nächsten Mittwoch?" Aber heute ist doch Mittwoch. Ich habe mir tatsächlich eine Agenda anlegen müssen. Mann glaubt auch kaum, wie schwierig es ist, sich dann an diese zu halten. Dieses Aufbringen von der Freude, geplant auf einen bestimmten Moment - Das ist ungewohnt, habe ich die letzten Monate die Spontanität gelebt.

Was ist Anders? Die Veränderungen stecken in den Details. Mir fällt auf, dass da drüben ein neues Haus steht. Die Anne ist mit dem Jens zusammen. Meine Lieblingsbeiz hat zugemacht. Die Menschen die ich Liebe haben weiter gelebt und mich dabei nicht vergessen. Der Himmel ist immer noch Wunderschön und alles was darunter ist.

Die kleinen Unterschiede. Oder das die Leute im Zug schon 10 Minuten vor Ankunft aufstehen um dann auch die ersten zu sein, die aussteigen. Verstehe ich nicht. Was sind wir Schweizer verwöhnt und langweilig im internationalen Vergleich - und unsere Frauen sollten dringend mehr aus sich machen. Oder die kleinen Land und Wiese - Firmen, an denen ich vorbei fahre und genau weiss was da für Leute arbeiten, wie es drin aussieht und ich auf keinen Fall jemals wieder rein möchte. Die haben's einfach nicht begriffen. Zum Glück bin ich nur noch Teilweise einer von denen und fühle mich sogar etwas überlegen.

Gut war, dass ich mir viel Zeit für mich selbst gebe. Exzessives Videospielen und Junkfood essen in meinem *Kuschelräumchen*. Mein Vater hat mir sogar einen neuen Teppich reingelegt und etwas umgestellt, was mir erstaunlich gefällt. Es gab mir die Momente für mich, die es in solchen Zeiten wohl braucht um nicht erschöpft zusammen zu brechen.

Wie geht es weiter? Diese Frage schiebe ich noch ein bisschen raus. Genauer gesagt bis am 2. Januar, wo sich mir nach dem Ausnüchtern der Ernst des Lebens wieder stellt. Das Rennen zum Arbeitsamt und die darauf folgende Job-Suche. Die Rückkehr in den Alltag, zum Volleyballverein usw. Ich werde aber nur noch Dinge machen, die mir Spass machen. Ich habe gelernt wie das geht.

Man trifft hier wieder auf verschiedene Leute. Solche mit Träumen und Wünschen, wovon einige auch die Eier haben sie umzusetzen und andere die ewig in ihrem Häuschen sitzen bleiben, Heiraten, Kinder kriegen und ihren Träumen auf ewig nach weinen, weil sie nie gesehen haben, wie einfach es gewesen wäre, sich das zu erfüllen, was man wirklich will.

Jetzt kommt etwas sehr Wichtiges, ihr lieben Leute da draussen. Ich weiss das viele von euch mit mir gereist sind mit dem Gedanken, sowas will ich auch mal machen. Einige werden das sicher auch tun. Wir haben das Glück in eine Gesellschaft geboren zu sein, wo sich das jeder, ich wiederhole JEDER leisten kann. Doch dank unserer Berge sehen wir den Horizont nicht oder empfinden ihn als sehr nah, was uns blockiert. Reisen ist schön, Lebensverändernd. geht raus. Probiert es. Fangt in einem Westlichen Land an um die Grundabläufe zu lernen und wenn euch das Geld ausgeht, ab in billige Länder um die volle Erfahrung zu bekommen. Es ist ein Prozess der Veränderung, wo ihr lernt, was ihr wirklich braucht und was nicht und ihr werded überrascht sein, wie die Preise eurer Zimmer immer wie billiger werden. Ihr werdet Freundschaften schliessen fürs Leben und für den Tag und ihr werdet es lieben. Entscheidungen werden getroffen von denen sich einige als falsch erweisen und ihr werdet es hassen. Doch das ist die Schule des Lebens. Viele von euch wollen alles vor buchen und organisieren, weil ihr Angst habt und nicht wisst, wie es da draussen läuft. Doch das ist Unfug! Ein teures, bindendes Around the world Ticket ist nicht nötig. Guckt vor Ort, bleibt flexibel und das Wichtigste: Last euch treiben. Das Leben ist saustark der Fluss liegt gleich vor der Haustür und eines Tages das Meer.

Vielleicht werde ich diese Worte noch mal überarbeiten oder etwas hinzufügen, denn zufrieden bin ich nicht damit. Es ist auch schwierig und etwas druck, weil dies wohl für ne Weile der letzte Eintrag sein wird... Wie lange diese "Weile" wohl dauern wird? =)

Für die Zukunft: Ich habe die Lust des Lebens gerochen und in mir aufgesogen. Ich bin noch nicht fertig damit. An der Oberfläche habe ich gekratzt und bald werde ich tiefer gehen. Aus Operation Rückenwind wird "Operation Rastlos". Ein guter Arbeitstitel, findet ihr nicht?

Zum Schluss danke allen treuen und untreuen Lesern. Ihr seid so was von krank. :D Raus mit euch, die Sonne scheint!

Heimkehr

20. Dezember 2011 - New York - Düsseldorf - Zürich

Diesen Blogeintrag habe ich mir aufbewahrt, um ihn in diesem Moment zu schreiben. In diesem jenen Moment, in dem mich ein Flugzeug über den Teich zurück nach Hause bringt. Jawoll, nach Hause. Es ging gestern gar nichts mehr. Icelandic Express lügt wie gedruckt und behauptet gegenüber dem Reisebüro, das der Flug plangemäss durchgeführt wurde, wobei jeder Trottel weiss, das dies ein Geisterflug war und die stark gebeutelte Gesellschaft versucht, sich um die Rückerstattung zu drücken. Dafür habe ich aber Menschen zu Hause und eine gute Versicherung, die denen mal so richtig in den Arsch treten wird. Mal sehen, wie viel von meinen Mehrausgaben (Insgesammt 1400 Dollar, wenn man die verpassten Flüge aus Reykjavik nach Hause noch einrechnet) ich wieder sehen werde. Ansonsten folge ich den Worten Alberts: "As long you're fine, everything is fine. Money is nothing, you know?" Trotzdem hätte ich mir ein angenehmeres Ende gewünscht.

Nun, ich versuche irgendwie meine Gedanken in Worte zu fassen, ich meine, mein Trip ist gerade im Begriff zu Ende zu gehen. Aber irgendwie bin ich erstaunlich kühl und kümmere mich mehr darum, irgendwie meinen Körpergeruch in Grenzen zu halten, trage ich doch seit 3 Tagen nun die gleichen Kleider - ohne sie je ausgezogen zu haben.

Jetzt bin ich gespannt. Wie komme ich daheim an? Was hat sich verändert? Wie alt sind die alten geworden, wie geht es unserer Katze? Meinen Freunden, Eltern, Schwester? Ich sehe mich als Meteor, der einschlägt und seine Umgebung ein für allemal verändert und dabei selbst hart auf den Boden der Realität knallt.

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Grounded

19. Dezember 2011 - New York - Newark - JFK

Wie schon so oft auf meinem Tripp meint es das Glück nicht gut mit mir. Als ich nach einem weiteren tollen Tag in Brooklyn am Flughafen ankam und voller Vorfreude mein Gepäck einchecken wollte, suchte und suchte ich nach dem Schalter von Icelandic Express für den Flug nach Reykjavik. Doch da war keiner.

Jawoll, das wollte ich mir gönnen. Wenn schon Reisen, dann will ich auch endlich mals wieder was machen, was ich wirklich möchte, nämlich alle meine Freunde in Island besuchen und trotzdem pünktlich zu Weihnachten zu Hause sein. Noch mal in der Blauen Lagune baden, Polarlichter sehen und die Clubs unsicher machen. Ach! Was habe ich mich gefreut.

Es war diese nette Dame am Informations-Schalter, die mir nach tödlich nervendem Suchen beichtete, dass es diesen Flug seit Anfang November nicht, ich wiederhole: NICHT mehr gibt. Ich glaubte nicht richtig zu hören. Das kann doch nicht sein. Ich habe meinen Flug über die offizielle Webseite gebucht - und das MITTE November. Aber da half alles nichts, da geht kein Flug und weil niemand mit mir rechnete, war auch kein Ersatz auf zu treiben. Auf ihre Frage, ob ich nicht benachrichtigt worden wäre, kam die logische Antwort: "Would i stand in front of you - rightnow?".

Unique war wirklich einzigartig. Sie hat mir ihr Handy geliehen um bei der Gesellschaft anzurufen. Obwohl das Büro geöffnet hätte sein sollen, ging niemand rann. Als hätten ihnen die Elfen geflüstert, das ein Lukas anruft, dem die Tränen in den Augen stehen und die Faust ballt.

Muss meine Reise wirklich so enden? Ja, sie muss. Vor mir stehen ein Transfer zum Flughafen JFK, was mich erneut 30 Dollar kostet, wo ich meinen 700 Dollar Air Berlin Flug morgen am 20. Dezember nach Zürich zu kriegen versuche. Ja, es war das günstigste, was bis nach Sylvester zu kriegen war.  Nach Island liegt schon gar nicht drin. Das heisst jetzt 24 Stunden am Flughafen.

Ich habe keine Lust mehr noch mehr Geld auszugeben für Fehler anderer. Mal wieder wurde ich ein Opfer von Amateuren. Komischerweise passiert mir das immer in der Westlichen Welt. Egal, ich muss mir jetzt ein Plätzchen suchen, hoffen dass es irgendwo Wifi gibt, damits nicht ganz so hart wird.

Eine Email hätte es getan. Ich werde euch Iceland-Express-Wixern die Hölle heiss machen und Air Berlin schmeisse ich jetzt halt das Geld vor die Füsse. Ach Kinder, es wäre doch echt nicht nötig. Ich rege mich schon gar nicht mehr auf. Bei all dem Cholesterin der letzten Wochen ist das für mein Herz sowieso zu gefährlich.

Rockme fella!

18. Dezember 2011 - New York

Da sitzt sie doch schon wieder, die Jana. Das Williamsburger Bier hatte seine Wirkung gestern nicht verfehlt und mich bis Mittags ins Bett gelegt und mich beim Anblick ihrer sofort nüchtern gemacht. "Was machst du hier???" Nun. Sie war bei ihrem Freund und der musste zurück nach Washington und sie entschied sich noch einige Tage hier zu bleiben um dann um Weihnachten zu ihm zu fahren. Ach, Weihnachten. :)

Als Shock des Abends brachte ich es dann um ca 10 Uhr fertig, mich selbst ins Mark zu erschrecken. Mein müdes Auge hat bei meiner Flugbuchung AM und PM verwechselt und ich dachte, ich hätte den Flug verpasst!!! Ich war schon beim Alternativen Suchen, als ich alles noch mal durchging und merkte, dass  mein Flug doch noch nicht geflogen war :D Jetzt kanns nur noch gut kommen :D

Jana und ich zogen nochmal los. Sie brabbelte wie ein Wasserfall von ihrem Freund. Ach was hat die Kleine dem ihr Herz geschenkt. =) Wir efüllten uns beiden noch einen grossen Wunsch. Ja, wir wollten die Stadt von oben sehen.

So haben wir das Rockefeller Center erklommen und wurden mit einer Aussicht belohnt, die es in sich hatte. New York bei Nacht! Mir fehlten die Worte - Der Jana nicht, die laberte munter weiter :D Ach, ich mag die Kleine (180cm) Ja, dies ist ein würdiger Abschluss meiner Zeit in den Staaten, die Morgen zu Ende gehen wird :D






Montag, 19. Dezember 2011

Geschichten eines Taxifahrers

17. Dezember 2011 - New York

"Weisst du, mein Freund", begann Theodor zu erzählen, "die Neighbourhood um Williamsburg war vor wenigen Jahren noch eine der übelsten Gegenden in New York. Bis damals Giulliani und später Bloomberg anfingen die Strassen zu säubern." Theo war unser Taxi-Driver und so wie ich bin, muss ich jeden nach seiner Geschichte ausfragen.

Er ist hier geboren, damals vor 40 Jahren, als ein Schuss in den Kopf noch noch eine der schöneren Todesursachen waren. Seine Kindheit war durchzogen von Rassismus und der Aussichtslosigkeit des Lebens. "Seit 40 jahren lebe ich hier und habe gehofft, dass sich was ändert!"

Seine Geduld wurde belohnt. Die Gegend hat sich zum hippsten Ort New Yorks gemausert, voller Trendy Shit und das erst noch erschwinglich. "Meine Kinder haben ein Stipendium, Bro - und was drüben in Manhattan das doppelte kostet, findest du hier für die Hälfte" lacht er mich an. Und da hat er recht. Theodor, der Taxifahrer über unseren Wohnort, Williamsburg, Brooklyn, New York



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Lukas (fast) allein in New York

16. Dezember 2011 - New York

Was macht man, um sich das Sightseeing zu versüssen? Natürlich das, was der Lukas immer macht. Er guckt sich am Abend vorher um und sucht sich entweder den schönsten Hintern oder das schönste Gesicht aus und verwickelt die Person in ein Gespräch mit einer gewissen Distanz um interessant zu bleiben. Dann gegen Ende des Abends taucht er dann noch mal ganz überraschend auf und erzähle, dass ich morgen Sightseeing mache. "Oh, Lukas, wann gehst du los?" "um 8" (eigentlich um 9, aber Frauen sind eh nie pünktlich da).

Kinder, New York ist fantastisch. Dass mich nach all der Zeit noch mal etwas so fasziniert, hätte ich nicht gedacht. Die ersten Schritte raus aus der Subway und die Jana (jap, sie hat den Wettbewerb gewonnen), staunten Bauklötze, die fleissige Arbeiter gleich zusammen sammelten um daraus noch grössere Häuser zu bauen.

Wir huschten mal da hin, mal dort hin. Dann gabs Pizza und Getränke zur Stärkung. Ich bin ein riesen Vitamin Water Fan geworden. Mein Körper läuft eh schon am Limit von all dem Junk Food, da tut etwas gutes Wasser schon nicht schlecht. Dann liefen wir mal beim Ground Zero vorbei, setzten uns ans Wasser und zogen das volle NY in unsere Lungen.

Das Highlight war sicher die Fähre nach Staten Island. Diese ist frei und man hat ne riesen Sicht auf die State of Liberty... Und wenn man diese Lady erblickt, beginnt man nach zu denken, wie es sich wohl damals angefühlt haben muss, wenn man als Immigrant nach Wochen auf See dieses Symbol des Amerikanischen Traumes zu Gesicht bekommt?

Die Jana ist eine super Sightseeing Partnerin. Sie ist frisch aus Deutschland hier her gekommen um ihren Freund zu treffen und hatte dabei einen Tag für Sightseeing. Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie es für sie war direkt vom Land in die grosse Stadt zu kommen. Eine Begeisterung, wie ich sie nur noch selten auf bringen kann. Ich liess mich gerne anstecken.

Und dann erst der Times-Square... was wir eins blöd getan haben um die geilen Bilder hin zu kriegen um dann als Abschluss des Tages uns ganz der Weihnachtsstimmung hinzugeben. Und wo macht man das am Besten? Natürlich beim Rockefeller Center... Den Ort, wo die einsamen Kinder hingehen. Der Ort des grössten Christbaumes von New York... Ein Kindheitstraum, der heute in Erfüllung gegangen ist.









Sonntag, 18. Dezember 2011

New York, New York!

15. Dezember 2011 - Washington DC - New York

Start spreading the news, I’m leaving today
I want to be a part of it - new york, new york
These vagabond shoes, are longing to stray
Right through the very heart of it - new york, new york

I wanna wake up in a city, that doesn’t sleep
And find I’m king of the hill - top of the heap

These little town blues, are melting away
I’ll make a brand new start of it - in old new york
If I can make it there, I’ll make it anywhere
It’s up to you - new york, new york

These little town blues, are melting away
I’m gonna make a brand new start of it - in old new york
And if I can make it there, I’m gonna make it anywhere

It up to you - new york new york






Samstag, 17. Dezember 2011

Fallout 3 Part 2

14. Dezember 2011 - Washington DC.

Die gestrigen Vorfälle hatten auch ihr gutes. Der Weg von meinem Unterschlupf zurück in die Stadt war gesäubert. Keine Raiders oder Mutanten, nur vereinzelt einige Zombies, die mich beim looten einer Vorratskiste belästigten.

Das Senden des Signales hatte Auswirkungen. Ich habe einen neuen Auftrag erhalten, der mich meinem Ziel, der Vollendung von Project Eden näher bringt. Ich brauchte nun nur noch einige Elemente aus dem Natural History Museum. Also auf gehts. Leider habe ich "Squirry" verloren, der beim Neuladen des Spielstandes in einem Grafikfehler hängen blieb.

Es ist eindrücklich. Wirklich. Riesengrosse ausgestopfte Elefanten, Ein T-Rex-Skelett. Wir sollten mal Adam Sandler fragen, was passiert, wenn das in der Nacht zum Leben erwacht. Nach etlichen Stunden hatte ich alles zusammen, was ich brauchte und zog weiter, weiter zum Lincoln Memorial, der Zweiten Station auf meiner Tasklist. Der Blick über das zerstörte Washington erwärmt mein Herz. Nie war ich hier, damals, als die Russen die Bombe warfen. Gerne hätte ich mitbekommen, was die Beatles aus ihrer Karriere gemacht haben. Aber nie habe ich die Schönheit in der Zerstörung gesehen.

Mein Vater ist damals aus unserer Vault verschwunden. Ich habe die Erinnerung an sein Gesicht und an wie ihm die Flucht gelang. Heute verstehe ich wieso. Ich musste dafür erwachsen werden. Nun vollende ich sein Werk und rette die Welt. Project Eden. Die Kunst, Materie von atomarer Strahlung zu befreien.

Mit meinen Reisen, mit meinen Erfahrungen, mit meiner neu erworbenen Weisheit die Fehler der Welt zu sehen und dementsprechend zu handeln. Niemand getraut sich mehr, sich mir in den Weg zu stellen, denn ich habe die stärksten Waffen. Ich werde einschlagen wie ein Meteor und meine Umgebung ein für allemal verändern. Ja, das bin ich, Lukas, der Held dieser Episode. Lest wischen den Zeilen, versteht mich oder lasst es sein, denn ich habe euch schon lange überholt.










Dienstag, 13. Dezember 2011

Fallout 3

13. Dezember 2011 - Washington DC

Gleich nach meiner Ankunft schnallte ich mir meine Rüstung um, die wenigen Elemente, die ich besitze und machte mich auf, das Oedland zu erkunden. Mit an meiner Seite "Squirry", das Eichhörnchen. Kampferprobt der Beste Freund des Menschen.

Wir betreten die Strasse, um uns der Business District in Schutt und Asche. Da hat die Russische Atombombe damals ganze Arbeit geleistet. Ich erspäte Raider im anderen Gebäude. Unfreundliche Gesellen, die in dieser Apokalyptischen Welt nur eines möchten - Mich tod sehen. Ich habe aber noch keine Waffe um ebenbürtig zu sein, also schleiche ich mich vorbei. Mein Ziel "The Mall". Dort wo damals das Herz der USA Schlug, bevor es von den Neu-Konzernen nach dem Krieg übernommen wurde.

Da liegt es, das Kapitol. Vor meinen Augen. Ich bin bald da. Mein Auftrag, die Energiequelle zu besorgen um eine Maschine, die mein Vater vor seinem Verschwinden erfunden hatte, zu vollenden - Project Eden. Ich betrete das Air and Space Museum... Was ich suche finde ich bald... Versteckt in den Ueberresten des Mondlandungsgefährtes, das damals Niel Armstrong und den anderen Vogel auf den Mond gebracht hat. Dazu schaue ich mir die Vaultteck-Ausstellung an und gehe ins Planetarium, wo sich mir nach drücken der Steueranlage einiges an Informationen an der Decke zeigen.

Ich habe durst. Zum Glück steht da ein Nuka-Cola automat. Mmmm.
Warum glühe ich nur so?

Ich bringe meine neu gefundenen Teile zum Washington Monument, auf der anderen Seite der Mall, um es auf der Spitze anzubringen. Ein Sender. Jawoll, er funktioniert! "Squirry" quikt, als wolle er mir etwas sagen! Ich merke sofort, was los ist, als der Einschlag der Kugel neben meinem Kopf mein gehört schädigt. Es ist eine Horde von Supermutanten, die sich in der U-Bahn versteckt hielten, die mich gespottet und nun im Visier haben. Dazu eine Horde Raider-Supersoldaten. Das wird ein langer Weg, bis nach Hause...












Ein Mal quer durchs Land, bitte!

12. Dezember - Im Zug

Der Zug folgt dem Wasser über einem aufgeschütteten damm aufs festland.
wie oft muss ich noch sagen, dass ich den Ozean nicht wieder sehe und dann sehe ich ihn doch wieder. Subway

Endlich! Ich muss zugeben, dass sich neben dem Auto der Zug zu meinem absoluten lieblings Fortbewegungsmittel auf diesem Planeten entwickelt hat.  Daher ich von diesem Planeten schon einiges gesehen habe, kann ich das auch mit Recht behaupten :D

Nun, 26 Stunden lang schlängelte sich der Zug der Weltberühmten Crescent Line über erstaundliche Bauten von New Orleans übers Meer hinaus aufs Festland und dann durch die Staaten Lousisiana, Mississioy, Alabama, Georgia, South und North Columbia, Virginia bis hinauf nach Washington Dc. Ich hab davon aber reichlich wenig mitgekriegt, denn ich habe entweder geschlafen (als wahrscheinlich Einziger. Die Amerikaner können sowas nicht im Zug) Filme gekuckt oder meinem Schwarz-Muslimischem Sitznachbarn beim versenden seiner Moschee Bilder auf seinem Iphone geholfen. Rasheed war sein Name. Ein richtig toller Kerl, der von sich aus meine Bilder der Reise sehen wollte. Er war schlicht beeindruckt. Und als ich ihm davon erzählte, mit wie wenig Geld so eine Reise eigentlich möglich wäre, wenn man sie gut plant und auf Luxus verzichtet (nicht so wie ich), schluckte er zwei dreimal leer.

Ich habe inzwischen mit dem Amerikanischen Folk Freundschaft geschlossen und parliere inzwischen mit jedem, ob Penner oder Wirtschaftsboss. Dementsprechend passe ich mein Auftreten und meine Geschichte etwas an. Vor allem beim Penner, damit er endlich aufhört nach Geld zu fragen und wir anständig sprechen können.

Ich freue mich sehr auf Washington. Es wird Hardcore-Sightseeing. Ich bin ein grosser Fan der Rollenspiel-Serie Fallout 3, die in der Stadt spielt, nachdem die Russen sie in den 60ern Atomar zerbombt haben. Ich freue mich durch die original Schauplätze zu wandern und mal wieder richtig gas zu geben. Ich habe keine Lust Leute kennen zu lernen gerade. Daher passt das auch. 


Best Friends for one Day.


11. Dezember - New Orleans

Als ich heute morgen den Frühstückstisch aufsuchte, wo die letzen Tage immer die gleichen Leute sassen und mich mit Kaffee und Bagels begrüssten, sass heute niemand. Alle waren sie Früh morgens nach Nashville aufgebrochen. Boah, war das einsam. Auch die Seline und Celina sind weiter gefahren.

Genauso fühlte sich die Laura, ein hübsches Mädchen mit tollen Augen, halb Italienerin und halb Australierin, die heute nicht mit dem Clan weiter gezogen war. Diese Frau hatte bereits die letzten Tage gewusst, mich zu interessieren, wir waren quasi prädestiniert heute, dem Tag vor meiner Abreise, beste Freunde zu sein.

Es ist kalt geworden hier in New Orleans. In unseren dicken Mänteln ging es raus. Weihnachtsmood machte sich breit. Alle Geschäfte sind dekoriert und das ganze French Quarter hat sich heraus geputzt. Die Strassen sind übersät von Weihnachtsmännern und in den Cafés sitzen Schaufensterpuppen als Elfen und Santas insziniert und die klirrende Kälte, die wir beide zum ersten Mal seit langem spüren, lässt uns zusammenrücken, als wir durch den French Market schweben.

Ich mag Lauras Blick für die alten Schallplatten, Vintage-Shirts und die Lieder, die sie mit ihrer Lilly Allen Stimme vor sich hin trällert, während ich versuche die Zweite Stimme zu erfinden, was mir gar nicht schlecht gelingt. Die Strassenmusiker spielen Weihnachtsklänge, als wir den Schmuck und die Souvenirs mustern. Weihnachtsstimmung da bist du endlich, mit allem was dazu gehört, sogar die Frau an der Seite, wenn auch nur für heute.

Als es ein dunkelte, der Tag verging wie im Flug, lud ich ins süsseste Kaffee von New Orleans zur heissesten Schokolade. Diese dampfte noch, als wir sie mit unseren unterkühlten Händen umschlossen und ganz kleine Schlücke daraus tranken, um uns nicht die Lippen zu verbrennen. Wir beginnen beide zu Heartbeats zu singen, dass über den alten Plattenspieler in den Raum getragen wird.

Zurück daheim gönnten wir uns zwei Flaschen tollen australischen Wein, auf Empfehlung der Dame, und backten Kartoffeln mit Philadelphia und Colesaw-Salat um das dann gemütlich vor dem Kamin zu schnabulieren. Dazu guckten wir "Where the Wild things are" und waren bezaubert von den Charaktären, so wie wir bezaubert von uns waren.

Es war mein Wecker, der uns aus dem Schlaf riss. 5 Uhr Morgens, mein Zug wartet nicht. Noch immer sassen wir vor dem inzwischen erloschenen Kamin im Wohnzimmer des Hostels. Ihr Kopf war auf meine Brust gefallen und ich hielt sie bei ihrer Schulter. Lauras Augen linsten mich an als wollten sie schreien: "musst du wirklich gehen?" ja, ich muss. Ich muss weiter, mit meinen Liedern ein Tränchen zerdrückend.

Laura und Lukas, beste Freunde für einen Tag.





Sightseeing mit Katharina

10. Dezember - New Orleans

Nun, heute morgen war im India Hosue nicht viel los. Die meisten waren erst nach 8 Uhr zurückgekommen. Doch was gibt es besseres als mit der stürmischen Katharina New Orleans zu erkunden? Was sich wie ein Witz anhört, war dann aber ein toller Tag mit der einen Hälfte des Paares Chris und Katharina, mit der ich durch das French Quarter fegte, wie der Sturm damals, von dem man übrigens kaum noch was sieht.

Es lässt sich hier so wunderbar flanieren. Ueberall gibts Strassenkünstler, die auch einem fantastischen Nivau musizieren. Echte Charaktäre! Viele davon sehen zwar aus, als hätten sie seit Wochen auf der Strasse geschlafen... Niemand weiss, ob sie das vielleicht sogar stimmt...

Mein Herz weinte, als wir den Shop wieder verliessen. Es war nicht irgend ein Shop, nein es war der Musik-Antiquitäten-Händler an der Royal-Street. Das billigste war eine signierte Scheibe von Tina Turner aus den 70ern. Das Teuerste Paul Mccartney's Les Paul, eigenhändig signiert von jedem Beatle inclusive John Lennon. 65000 Dollar.

Wir haben uns entschieden nichts zu kaufen und uns das Leben zu nehmen.

Der Abend war dann prädestiniert um ihn mit wieder mit den Schweizer Mädels zu verbringen. Leider war bei uns allen irgendwie der Wurm drin und wir, also vor allem die Beiden, liessen sich von den Gipsy-Klängen der Russian Maffia Band im Maison, nicht recht erwärmen. Als hätte Man eine Nadel in die Voodoo-Puppe gesteckt. Frenchmanstreet, nichts für Jedermann. Wir haben uns entschieden, den Abend im Pool ausklingen zu lassen, doch die Bitch war geschlossen. Muss ja nicht immer alles klappen. So nahm ich halt das Taxi zurück zum Guesthouse und legte mich mal verhältnismäßig früh Schlafen.



Tageskarten-Bastard.


9. Dezember - New Orleans

Das hatt sich nun echt nicht gelohnt. Der New Orleanser Street Car. Es ist 4 Uhr morgens, die Bahn Frequenz sagt mir, dass hier alle 20 Minuten eine Bahn mich nach Hause bringen soll, aber dieser Hurensohn will einfach nicht auftauchen. Das ist zum Zweiten Mal heute, dass ich die 40 Minuten laufe. ;-)

Das New Orleans anders ist, habe ich sofort gemerkt. Diese Stadt ist 24 Stunden. Man darf in den Bars rauchen und das Bier auf die Strasse nehmen. Eine Oase der guten Laune und des Mardi Gras. Der Soundtrack, alles von Indie bis Pop und dem feinsten Jazz und Bluegrass auf dem Planeten. Das ist gut!

Das India-Guesthouse ist eine Perle unter den Billigabsteigen. Sofort nach dem einchecken merkte ich, dass hier alles, aber auch alles richtig gemacht wurde. Das begann beim Preis, bei der Common-Area, bei den Betten, Aussenanlage, Pool und alles so angelegt, dass man sich auch ja über den Weg läuft. So war es mir dann auch nicht schwierig, gleich als erstes einen Schweizer zu treffen, den Simon, per Zufall ein guter Freund der Wenger Fabienne zu Lützelflüh oder auch Svens Ex. :D

Der ganze Clan (etwa 10 Leute) besuchte Nachmittags einen tollen Friedhof mit Voodoo-Gräbern und vielen Reliquien und Familiengräbern, einige über 200 Jahre alt. Das hat seine Faszination und es wird gesagt, das es hier spukt. Ich spürte eine kühle Briese im Nacken, während ich einen Grabhügel besteige um meine Kollegin gut ins Bild zu bringen.

Den Rückweg durften wir laufen. Kein Streetcar weit und breit für über drei Viertelstunden. Bitch. Für was bitte habe ich die Tageskarte gekauft?

Es viel mir trotzdem nicht schwer mich los zu reissen und mit meinen beiden Schweizer Mädels einen draufmachen zu gehen. Wir starteten in einer Bar, in der Schwarze Frauen mit früher oder später raushängenden Brüsten einen Rodeo-Wahl ritten. Boah, unsere stark pigmentierten Mitbürger haben schon keine Hemmungen beim Tanzen. Da wird gegrapscht, geflirtet und geröchelt was das Zeug hält. Da sollten wir Weiss-Ärsche uns mal eine Scheibe davon abschneiden, denn im Gegensatz zu unseren Brüdern hier hier ist jeder Hippi verklemmt.

Wir zogen weiter, von Bar zu Bar, wurden blauer und blauer, die Nacht heller und heller. Wir haben guten Jazz gehört, aber auch Coverbands gesehen und ausgelassene Girls, die komplett nach den Regeln des Mardi Gras, für eine Carnevalskette ihre Brüste blitzen liessen. Das Leben kann ja so schön sein :D Was meine Mädels davon halten? Ich weiss es nicht :D




White Trash Beautyfull

Bye Bye New Orleans! Ich sitze im Zug. Erfreut darüber, dass ich den Sitz zurücklehnen kann, sitze ich nun hier und habe 26 Stunden Zeit um die letzten Tage nieder zu schreiben. Die waren nämlich mal wieder richtig toll und mein Hostelzimmer wurde beinahe überflüssig, den Geschlafen wurde nicht viel.

8. Dezember - Nashville - Alabama - New Orleans

Es scheint mal wieder an der Zeit gewesen zu sein, eine Kurzschlussentscheidung zu fassen. Irgendwie konnte ich es den ganzen Tag nicht recht begreifen, dass ich in einem hypermodernen Campervan (oder besser CamperCan, denn das Ding macht ganz gspässige, blächige Töne) nach New Orleans sitze. Die Celina und die Seline sind spontan auf meinen Vorschlag eingestiegen, mich in die Stadt des Jazz und des Hurricanies Katharina mitzunehmen.

Dieser Roadtripp liegt eigentlich total abseits meiner Reiseroute, aber hei, es ist ein Roadtripp und was vermisse ich das unabhängige Erkunden der Strassen. Das Reisen mit ÖV macht hier in den Staaten einfach keinen Spass und ich werde das bestimmt auch nicht wieder tun. Wenn dann mit eigenem Karren.

Um 6 Uhr morgens ging es dann auch bereits los. Natürlich konnte ich vor Nervosität kein Auge zu tun. Trotzdem versuchte ich wach zu bleiben und so kamen wir alle in Genuss von einem herrlichen Sonnenaufgang, der dem Nebel, der sich langsam über die Felder und Bäume legt, orange färbte.

Sweet Home Alabama! Was bist du schön. Fast zu schön um nur durch zu fahren. Wir nehmen deine schöne Natur am Strassenrand mit und die skurrile Mondrakete, die du an einer Raststätte aufgestellt hast. Und ja, die schönen Häuser und Farmgebäude aus Forest Gump sind Realität! Eigentlich erstaunlich, wie oft ich an diesen Film denken muss... Passiert mir das schon immer bei Apple und Bubbah Gump Shrimp Company :D

Die nächste Szene beschreibe ich in einem Brief an Tessa:

Dear Shelly (aka Tessa), 
Yesterday i had to think of you. After 11 hours of Driving, we were looking for a Cheap Spot for our Roadtrain, we've been ending up at this Place in the Forest. A Bunch of Vans in a Row, a fancy little Pathway connecting them all. First we knocked at Mr. Sams Door. He was happy about seeing 2 young Girls and Me, and invited us to his Jam, which was literally a bold Head banging in Front of MTV which he tries to get in by adjusting his little silver Antenna. Welcome to the Neighborhood, he said, just wearing a undershirt and loose pants.


We asked for the office and he directed us to the tiniest and dirtiest Trailer in the whole Park. so when we approached we were quite fancy about the Christmas-decoration and some Papercut "Ho-Ho-Ho"s at the wall and Mr. Ribs Ribs Boxes on the Grass. We passed by and said hello to all the little dwarfs hiding in the grass, till we made it trough all the effeu to the hidden door of Granny's House. 


It was dark now and a little light sparkled up, and we saw a suspicious Face looking through the Dirty Window. "We'd like to stay the night" we said. The Door opened and Granny took a sneak peak of us around the corner. We were sure, that she was hiding a Pump-Gun, Handgranade or at least a Baby in her other Hand. "NO" she yelled on us and slammed the door. 


Well, this was the moment where had to leave this little oasis of personal anarchism and the Trailerpark. White Trash Beautiful, this Guy once sang. He was right! Thank you for open my Eyes for the Beauty of the Life, my dear Shelly (aka Tessa)


Yours sincerely, Lombardo Espinosa. 

Wir endeten dann auf dem Einzigen RV Park in der Innenstadt. 79 Dollar Pro Nacht. Was ich nicht lache! Dafür gibts aber immerhin ein Jaccuzzy! Yeah, das war natürlich super. So konnte ich mir erst mal Zeit nehmen und meinen zu langen Bart mit meinem neuen 10 Dollar-Schneider von Walgreens stutzen und den Pool verliessen wir erst wieder, als wir alt und schrumplig waren. Ich hatte das Glück mit der Selina ein tolles, sehr emotionales Gespräch zu haben. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die beiden Mädels, Selina und Celine, für die Offenheit und die Freundschaft mit der wir den Heutigen Tag so wunderbar gemeistert haben. Morgen werde ich in ein Hostel weiter ziehen.






Donnerstag, 8. Dezember 2011

999 Eyes Freakshow


7. Dezember - Nashville

Ich spüre den Wind, als sich hinter mir die Tür öffnet. Es ist kühl hier im Countryland, ein kühles Bier sollte mich aufwärmen, desswegen bin ich hier in der HonkyTonkBar. Ich schau mich um und sehe, wie sie ihre Zigarette ausdrückt und herein tritt. Die Blicke auf sie gerichtet.

Gestatten, Ballyhoo Betty, Burlesque-Tänzerin und Fakirin aus Austin, Texas und sie setzt sich neben mich. Wir beginnen zu sprechen und sie erzählt, es sei ihr langweilig gewesen im Hotel und sie bräuchte Company. Da bin ich Lonesome Rider doch gemacht dafür.

Wie ging es weiter? Nun, sie erzählte mir viel von ihrem Tun auf der Bühne und ich beeindruckte sie mit der Tatsache seit 11 Monaten um die Welt zu reisen. Nicht zum ersten Mal wird meine Reise mit Tourneen verglichen und es hat viele Gemeinheiten. So haben es auch wir. Der Freak und ich.

Der Tag verging, es wurde pünktlich um 4.30 dunkel. Sie begann auf zu blühen, ich spürte, wie das Adrenalyn in ihren Körper schoss. sie war sichtlich nervös, denn sollte sie sich heute zum ersten Mal vor Publikum einen 15 Zentimeter Nagel in die Nase hämmern. Ich beruhigte sie, schien die richtigen Worte zu finden. Ich nahm sie bei der Hand und wir gingen ins Theater

Da sitz ich nun, total unvorbereitet, was mir hier wieder passiert und schaue mir an, was da passiert. Zu Klezmermusik dreht die Freakshow auf. Der Mann mit den Krabbenhänden, die Zeiltänzerin und dann die Betty. Da ist das Feuer, das sie kennt, die Federn, die sie sich durch die Backen drückt und als Finale die Nägel... Sie zittert, doch schafft es. Sie schaut zu mir, sichtlich erregt.

Nun zittere auch ich. Sie hat mich auf die Bühne gebeten und Tanzt vor mir. Plötzlich hält sie meinen Kopf und zieht ihn zu sich, ich greife den Nagel mit meinen Zähnen und ziehe ihn vorsichtig etwas heraus. Doch es ist blockiert, sie hat sich verspannt. Wir schauen uns tief in die Augen und ich bewege mich vorsichtig von ihr weg, bis der Nagel neben uns auf den Bühnenboden fällt.

Das Bier danach schmeckte so gut wie selten. Doch noch bevor wir richtig reden können, verschwindet Ballyhoo Betty mit ihrer Crew durch den Hinterausgang, wo der Tourbus bereits wartet. Ein Kussmund durchs Fenster lösst in mir ein Lächeln aus, lässt mich ihr winken, umdrehen und wie sie, in der Nacht verschwinden


Lets go Down to the Honky Tonk Bar


6. Dezember 2011 - San Francisco - Denver - Nashville

Oh mein Gott. Wo bin ich? Wie kam ich hier her? Und wer sind die zwei schlafenden Mädels da drüben? Da dämmerte mir, was passiert war und warum ich hier, genau hier in diesem Campervan aufgewacht bin.

Was gibt es besseres als Ice-Hockey und billiges Bier und gute Musik? Wenn sie in der typisch hässlichen Stadt zu Nashville etwas können, dann das. Das Stadion der Nashville Predators steht unmittelbar neben dem Bardistrikt, wo es die berühmten Honkey Tonks gibt - American Style Bars mit Western, Country und Bluegrass-Musik Bands non Stop. Aus jeder Ecke und jeder Tür erklingen wunderbare Töne.

Bevors aber dahin geht, bin ich mit Josh, der mich gute 15 Sekunden kannte, bevor er beschloss, mit mir dahin zu gehen. Wir hatten sogar Glück, vor dem Stadion wurden uns Karten angeboten, von jemandem, der spontan nicht hin wollte. 30 Dollar für 100 Dollar Tickets, geil! :D Wir sassen genau in der Ecke, da wo sie alle gegen die Scheibe klatschen :D Das lokale NHL-Team hat sich die Dienste eines weiteren Schweizers gesichert. Roman Josi hat auch super gespielt und viel Eiszeit erhalten.

Mit Josh trafen wir dann im Tootsies. Die Nacht wurde feucht und fröhlich und die Band spielte fantastischen Bluegrass bis tief in die Nacht der Nächte, wie es sich anfühlte.

Ich erinnere mich, wie ich diese Schweizerinnen getroffen habe... sie waren ganz cool drauf und sind sichtlich begeistert von ihrem 6 Monate Tripp durch Kanada und die USA. Wir trinken noch etwas. Dann reisst mein Faden.

Als mein Gedächtnis langsam zurück kommt, realisiere ich auch, wo ich bin. Als ich Josh nicht mehr finden konnte, gaben mir die Mädels einen Ride nach Hause. Die grössere der Zwei, Celina, hatte nichts getrunken. So sind wir sind gestern noch zu ihrem Campside gefahren, wo eine Flasche Wein auf uns wartete, die wir dann nie getrunken haben. Wir haben geplappert, bis wir (oder ich?) eingeschlafen bin. Sie haben mich am späten Nachmittag zum Hostel zurück gebracht. Ganz liebe Mädchen sie das, die Celine und die Celina und die Emma, der Campervan.

Finde ich toll, dass der Campervan "Emma" heisst :D




Dienstag, 6. Dezember 2011

The American Dream

3-5. Dezember 2011 - San Francisco

Mit Stöpsel im Ohr, gefüttert von Alison Kraus & Union Station, sitze ich am Flughafen und versuche die letzten Tage in Worte zu fassen. Klar ist, ich fliege über Denver und von dort mit dem ganzen Clan nach Nashville. Damit wird für mich ein Trau in Erfüllung gehen - wenn auch nur ein kleiner. Die Hauptstadt des Country und noch vieler anderer grossartiger Musik.

Nun, es waren harte Tage, in denen ich versucht habe, irgendwie damit klar zu kommen, dass mich die Sandrine so versetzt hat und alles nicht so kam, wie es eigentlich sollte. Pläne wie zusammen die Route 66 zu fahren und alles damit verbundene hat nicht statt gefunden. Schlimmer ist das Gefühl hier so gestrandet zu sein. Ohne Fahrzeug geht hier gar nix (kommt NIE auf die Idee, ohne Auto durch die Staaten zu reisen!) zudem ist Off-Season, kaum Menschen da, mit denen man mitfahren könnte und das Hitchhiken wurde durch das lange warten auf Frau S. zu risikoreich, nicht durch zu kommen. Und zudem war ich so down und konnte die Lust nicht aufbringen.

Was habe ich gemacht? Ich habe mir einen kleinen Alltag geschaffen. Jeden Morgen verzog ich mich mit der Buslinie Fünf die Marketstreet runter, gönnte mir einen Burito bei La Cumbres, sprang zurück in den Bus, ab zur Highstreet, stöberte im Amoebia nach neuer Musik, schrieb sie mir raus und saugte sie mir bei nem Café im Café nebenan. Dann genoss ich die Nachmittagssonne im Golden Gate Park und der fantastische Vibe der Hippies am Hippihill und sprach viel über die Occupation des Parks und des anhaltenden Protests. Viel haben wir gesungen und gutes Gras geraucht. Scheu war ich nur beim ersten.

Dann zog ich mich zurück oder laberte mit den mir langsam bekannt werdenden Gesichtern im Hostel. Davon besonders zu erwähnen sind die Rukmini und ihr Bruder Govi, die in einer Hippicommunity in Mexico aufgewachsen sind. Ganz gute Geister und ihre Erfahrungen machen es ihnen möglich, mich und meine Probleme nach zu voll ziehen. Auch ihre Geschichte hat es in sich. Mit einem Flug nach Dehli in der Tasche sind sie hier angekommen um sich ein Visum zu besorgen (Beide US-Staatsbürger). In den letzten Tagen (!) hat sich nun das Gesetz geändert und man benötigt einen festen Wohnsitz um ein Visum zu erhalten, was die beiden Langzeitreisenden natürlich nicht haben. Gott weiss, wie sie das Problem lösen werden, ich schicke ihnen alle meine Liebe.

Ihr seht, es geht Berg auf. Das Freibier im Hostel trägt zur guten Laune bei. Ich bin wieder da - Gestolpert und noch mal aufgefangen - in einer wunderschönen Stadt in der es sich wunderbar leben lässt - San Francisco.

Die Sandrine hat heute morgen aus LA geschrieben. Sie hat sich entschuldigt, mich hängen gelassen zu haben und hofft eines Tages eine zweite Chance zu kriegen. Das hoffe ich auch.