Dienstag, 30. Oktober 2012

Tränchen

28. Oktober 2012 - Antigua

Mein Sternzeichen (Westlich) ist Fisch. Jeder kennt dessen Stärken und Schwächen. Das lebe ich von ganzem Herzen als wäre ich der Vorzeigeschwimmer im Aquarium des Lebens. 

Heute morgen wachte ich auf und stellte fest, das Maya nicht mehr im Raum war. Ich erinnere mich erst später, dass sie mich mitten in der Nacht aufweckte und tschüss sagte, kurz bevor sie ihren Bus nach San Cristobal in Mexico bestieg. Als ich die Augen gerade eben öffnete, blickte ich erst schockiert in den Raum, in dem die selbe gähnende Leere herscht, wie in meinem Herzen. Die Wege haben sich getrennt, im Guten zum Glück. Trotzdem verkriech ich mich nochmal im Kissen und einige Tränchen kullern, fast so wie damals, als ich im Flieger gesessen bin und an die Jenny dachte, die sich daheim durchschlagen muss. 

Maya, an dieser Stelle möchte ich mich bei dir für die wunderbare gemeinsame Zeit bedanken. Wir haben alles tausendmal besprochen, obwohl es nichts zu besprechen gibt. Unsere Freundschaft wird bestehen und wir sagen nicht Tschüss, wir sagen auf wieder sehen :) Ich wünsche dir viel Erfolg mit deinem neuen Leben, deinen Ohrringen, die du evt früher brauchen wirst, wie du denkst. Ich habs irgendwie im Urin. Apropos Urin, ich freue mich auf weitere Lack -und Kackgeschichten Geschichten von dir. Was ich dir mitgebe ist eine grosse Portion Rückenwind, denn dank Dir hab ich wieder genügend davon und wie so alles andere, teile ich auch das gerne mit dir. Du bist eine Bereicherung für jedes Leben. Sei frei, du Spinner. 

Einen Vorteil hatte mein längeres Bleiben hier in Antigua. Etwas mehr Zeit mit meinem Kumpel Marc. Es war sein letzter Tag bei seiner Gastfamilie. Für die Bezaubernde Guatemaltekische Original Mamma Emilia und Gastvater Jose wurde fett Lasagne gekocht. Wir schlichen durch die Strassen im Norden der Stadt und plötzlich standen wir vor einem der einstöckigen Reihenhäusern. Wir gingen rein und standen direkt in der Küche. Das fällt mir erst jetzt auf, denn in Schweizer Häusern läufst du erst durch 17 Gänge bis du endlich mal in der Wohnung ankommst. Hier gehts gleich hinter der Eingangstür los. Ich fühlte mich herzlich willkommen und die Wärme, die durch den Raum ging, kam nicht nur vom aufgeheizten Gasofen, in der die Lasagne bereits vor sich in brutzelte. Nach einem Guten Glas "Gato Negro" kommentierte Marc mein länger bleiben mit: "Siehst du, jezt hast du sogar noch ein Abendessen mit einer Guatemaltekischen Familie!" Das sass und bereits zum zweiten Mal heute kullerte ein Tränchen über meine Wange - zum ersten Mal vor Freude. 

Morgen früh werde ich weiter ziehen - in welche Richtung, vielleicht Honduras, ich weiss es noch nicht. Lasst euch überraschen, so do I. 

Sonntag, 28. Oktober 2012

Akatenango Affanculo


27. Oktober 2012 - Antigua






Das ein Vulkan zu erklimmen kein Kinderspiel ist, war mir bewusst. Aber wie hart dass es wird, hätten Marc und ich uns nicht im Traum vorgestellt. Dabei begann alles vielversprechend. 

Quer durch Maisfelder ging es an die erste Steigungen. Ed, unser Guide, legte eine krasse Pace vor, als hätte er nicht die ganze Nacht durchgetrunken. Meine Laune hielt sich zwar in Grenzen, schwirrt mir permanent der Abschied von Maya, die heute nicht dabei war, im Kopf rum. Doch genau desswegen musste ich was unternehmen, den Sauhund rauslassen. Es war angenehm Kühl und wir ahnten noch nichts. 

Die Zweite Etappe begann im Wolkenwald. Ich sags euch, sowas habt ihr nur bei Avatar gesehen. Die Farben, Farne, Lianen, wie im Bilderbuch oder eben Avatar, nur etwas weniger fluoriszierend. Wobei ich mir gut vorstellen kann, dass die Produzenten des Hollywood Blockbusters sich hier einfach was eingeschmissen haben ^^. Jetzt wurde es richtig anstrengend und die ersten: "Du scheiss Berg" - Gedanken kamen hoch. Wir befanden uns auf ca 2500 Meter über mehr und bereits Schlug das Herz in einem ungesund Hohen Takt. 

Aus China und Tibet kenne ich noch das Gefühl wie es ist, sich solch ungewohnten Höhen zu Bewegen und es wurde nicht mehr angenehmer. Wir liessen den Walk hinter uns und bald sah es aus wie in Mordor. Abgebrannte Bäume säumen das Bild und langsam aber sicher, sticht man aus dem Wolkenmeer und die ersten Blicke nach Oben werden möglich. Wir sehen den Gipfel... Arschvulkan. Wir können kaum noch gehen, alles tut bereits weh und wir sind noch nicht mal in der Hälfte :D 

Jetzt wird es zum Durchhaltespiel. Es ist faszinierend, wie man eigentlich schon lange nicht mehr kann, aber durch durchhällt. Das Adrenalyn spritzt sich ein und treibt uns unweigerlich voran. Kurz vor dem Gipfel sind wir so kaputt, dass ich anfange mir ziele von 20 Schritten zu setzen. Danach gabs jeweils ne Pause... so dauert es gesammthaft fast 6 Stunden bis wir schlussendlich völlig entkrärftet und halb kriechend auf dem Gipfel ankommen. Welcome to the top of Central America - 3967 Meter "Akatenango Affanculo" flucht Marc - Zurecht!!! Scheiss Berg :D

Wir können uns in diesem Moment nicht vorstellen, wieder abzusteigen. Der Ausblick ist gigantisch, auch wenn ausser Wolken kaum was zu sehen war. Wir haben es geschafft. Denn inneren Schweinehund überwunden uns völlig ausgepumpt. Sichtlich Stolz knallen wir uns hin und können uns einen guten Schluck Whisken. Der Boden ist durch das wir ja auf einem atkiven Vulkan sitzen, angenehm warm und lädt zum Powernappen ein :D

Was für ein Höllentrip. Fantastisch das Erlebnis... aber so schnell besteige ich keine Berge mehr. :D

Abends gings dann noch mit Liz, Kristina und der Maya los. Maya und ich hatten uns gestern Nacht noch etwas verkracht und so war ich umso mehr froh, dass wir den letzten Abend doch noch in guter Laune und Gesellschaft geniessen konnten. Es geht mir sehr nahe, dass sie bald geht, denn gute Menschen sind rar hier. Und 4 Wochen 24 Stunden intensiv-Freundschaft hinterlassen ihre Spuren. Ich will gar nicht an morgen denken, sondern geniesse den Moment und den Erfolg diesen Scheiss-Berg mit insgesammt 4000 zurückgelegten Höhenmetern Bezwungen zu haben :D










Truth or Dare

26. Oktober 2012 - Antigua

Wahrheit oder Pflicht. Es war einer Dieser Tage. 

Heute haben wir nicht allzu viel gemacht. Maya und ich waren beide nicht allzu fit und so bezog sich unser Tag aufs Chillen im Hostel und etwas Besorgungen machen. So habe ich jetzt endlich neue Kopfhörer und kann wieder Musik hören. Das ist schon krass wie einem sowas fehlen kann. :) Zudem gab es einiges zu recherchieren, wo es denn demnächst lang gehen soll. Tauchen in Honduras? Oder erst in Nicaragua, oder Panama? Was gibt es in Costa Rica zu sehen? Wie komme ich nach Kolumbien? All das lag heute im Raum. Ich kann mich nicht entscheiden. Gerne suche ich etwas das Abenteuer und gehe etwas den Reisenden hier aus dem Weg, denn ich bleibe bei meiner Meinung, dass es nicht einfach ist hier gute Menschen zu finden. Umso glücklicher bin ich über die kleine, gute Truppe bestehend aus Maya, Anne und Sanne, den zwei Däninen aus San Ignacio und einigen Jungs, die die Mädels sehr attraktiv zu finden scheinen :D 

Auf jeden Fall geht die Wahrheit oder Pflicht - App, welche ich auf meinem Handy habe, heute mal wieder richtig ab ^^

Marc und ich werden morgen zusammen mit Ed, unserem Guide den Akatenango besteigen. Endlich mal wieder etwas Aktion! Wir werden an einem Tag hoch und wieder runter. Das wird ansträngend und richtig geil :D Obwohl es mich schon etwas stutzig macht, das Ed bereits den ganzen Abend am Trinken ist und es nicht danach aussieht, als wolle er das ändern. Ich bin ja mal gespannt. 

Antigua Hairstyle Team

25. Oktober 2012 - Antigua

Es gibt vier Gründe, warum wir in Antigua sind. Marc, Liz, Vulkane und einen Haarschnitt. Wir holen uns jegliche Informationen ein, die es gibt. Wir sind gefundenes Fressen und haben einen halb Abgeholzten Urwald an Papier auf dem Bett liegen, aus dem wir schlau werden wollen - oder auch nicht. Wir lassen es erst mal liegen und machen uns auf den Weg zu Liz. 

Maya hatte sich von Mannheim aus hier in Guate um ein Praktikum in einem Geburtshaus beworben. Das lückenhafte Internet hier vermieste ihr aber diesen Traum. Anstelle von Maya erhielt Liz diese Stelle. Es ist ja somit auch kein Zufall, dass die Beiden sich in San Pedro begegnet sind, sondern Schicksal. Mit unserem Besuch im alten Stadtteil, wo Liz nun Arbeitet schloss sich nun dieser Kreis. Für mich war das die Möglichkeit mehr über das wirkliche Guatemala und das Wunder der Geburt zu lernen. 

Während ich den Mädels etwas Zeit für sich lies, schaute ich mich etwas in der Gegend um. Hier im alten Stadtteil werden die Särge für die Stadt und Umgebung produziert und geniessen einen guten Ruf. Ueberall finde ich kleine Werkstätte in denen ganze Familien an den Geräten arbeiten. Als ich mich umdrehe, höre ich Blasmusik. Und tatsächlich, eine Gruppe Menschen, alle in schwarz, ziehen vorbei. Traurige Marschmusik Musik wird gespielt und ein Sarg von Hand die Strasse entlang getragen.

Nach Punkt 2 (Liz) erledigte sich Punkt 4. Liz nahm die Schere in die Hand und entledigte mich meiner überflüssigen Haare. Im Badezimmer des Geburtshauses sass ich da, liess eine Fremde Person an meinen Haaren rumzimmern, was ich daheim nie zugelassen hätte - wurde zum Erfolg! Ab und an kam die Cheffin rein und warf das ein oder andere Blutige Handtuch in die Ecke mit dem stichelnden Hinweis, dass wenn wir in ihrem Bad Haare schneiden, wir auch damit rechnen müssten, dass sie ihre Blutigen Utensilien hier platziert. ^^ :D

Punkt 3 erledigte sich dann Später Abends. Marc (Punkt 1) war den ganzen Tag drauf und dran uns eine Zweitagestripp auf den Akatenango, den Höchsten aller Vulkane der Gegend und mit 3967 Metern der Dritthöchste Zentralamerikas, zu organisieren. Leider mit schlechten Nachrichten. Keine Firma war zu finden, die uns das gab, was wir brauchen. Guide und Sicherheitsperosnal war so spontan nicht zu organisieren. Wir entschieden spontan unseren Trip zu kürzen, in der Hoffnung, dass für einen Tag etwas zu machen ist. Wir werden sehen. Ich wünsche mir einfach endlich mal wieder was richtige körperlich aktives zu tun. Meine Füsse können kaum stillstehen. Am liebsten würde ich schon morgen los. Aber das ist hier alles nicht so einfach. 

Am späten Abend ging es dann noch aus. Das ist daher speziell, weil es in Central America nur ein reduziertes Nachtleben gibt. Die Menschen hier gehen früh zu Bett und stehen umso früher auf. Ich habe mich bereits daran gewöhnt, dass spätestens um halb sieben Morgens irgendwo auf Stahl gehämmert wird. Im Cafe No Se fand ich zum ersten Mal richtig Stil. So düster, dass man mehr aus dem Glas des Nachbarn trank als aus seinem. Und mit Türen so tief, dass sich der Grosse Marc (Punkt 1) fast auf den Rücken legt um durch zu kommen - falls er dass überhaupt möchte. Er hatte im Laufe seiner Zeit hier die ein oder andere Querelle mit einem der Barkeeper, der, als ich ihn erblicke, wirklich etwas spezielles an sich hat und es mich nicht überraschen würde, wenn er plötzlich Amok laufen würde. ^^








Freitag, 26. Oktober 2012

Als Sünder geboren

24. Oktober 2012 - Antigua


Wenn man einen Plan hat, dann kommt es sowieso anders =) Gleich nach unserer Ankunft im herrlichen Antigua, stellen wir fest, dass es schwierig wird unseren engen Zeitplan einzuhalten, den wir uns auferlegt haben. Maya möchte in den Norden und ich in den Süden. Zwar weiss ich noch nicht genau wo hin aber einfach mal weiter. Wir halten weiter daran fest. Son bisschen. 

Die liebe Barfrau gibt mir vom Balkon des Hostels einen kurzen Überblick über die Stadt und erwähnt so ganz nebenbei aber trotzdem konkret, dass da drüben der McDonalds wäre und wir nicht dahin gehen sollen, weil die Börger hier viel besser wären. Was die liebe Frau nicht wusste, dass hier ein Werber vor ihr steht und bei Werbern bekanntlich Werbung umgekehrtproportional funktionieren kann. gut 20 Minuten später fand man uns mit einem Big Mac Menü und einem Frappe wieder im Garten des wohl schönsten McDonalds der Welt. Ich weiss, sowas sagt man nicht. Aber Springbrunnen, Gartenanlagen und ein Vulkan im Hintergrund sprechen für sich ^^. Wohl der Einzige Ort der Welt, wo man mit Ronald UND einem Vulkan ein Bild macht. Die Hölle ist untergebracht in einem alten Kolonialgebäude. Ein Träumchen bei dem man beinahe vergisst, dass es sich um den Teufel höchstpersönlich handelt. 

Big Mac Nr 115. Als Sünder gebohren. 

Wir schlendern durch die Stadt und uns fällt, wie schon bei meiner ersten Besuch auf, dass hier definitiv Geld vorhanden ist. Die Oberschicht läuft hier in Anzügen herum und alles ist schön kolonial organisiert. Selbst die Markthalle ist Brandneu und die sonst vorhandenen Urin und Fäkalgerüche halten sich in Grenzen. Innerhalb findet sich ein Brunnen und ausserhalb überall Pflanzen zwischen den Ständen. Da hat sich definitiv Mühe geben. Ich kaufe mir die Beste Ray Ban Kopie, die ich je hatte. Wir witzeln schon darüber, ob sie eine Lieferung an Originalen überfallen wurde und die, die hier nun mit 100% Marge verkaufen. Auf jeden Fall sind meine Augen wieder vor der Höhensonnne hier auf 2000 Meter geschützt. Maya verfiel mit ihren neu erworbenen Handels-Skills den tollen Angeboten der Händler und füllt ihren Rucksack erneut souverän mit Lederwaren. 
Bald kann sie Taschenmamuschka spielen :D

Am Abend treffen wir Liz wieder. Ihr erinnert euch, als ich in San Pedro ankam erzählte Maya von ihrer Freundin, die auch Hebamme ist. Sofort werden alle Neuigkeiten ausgetauscht. Sie war hingerissen davon, dass wir die Idee des Tauschbasares umgesetzt haben und sogar Leute gekommen sind ^^ Die Zwei Berufskollegen sind sofort wieder Feuer und Flamme. 

Da muss ich auch irgendwie mithalten! Also bestellte ich mir ebenfalls einen Berufskollegen an den Tisch. Nämlich den Marc, mit dem ich damals bei WOG.ch zusammengearbeitet habe. Zack, da haben sich zwei Nerds gefunden und die Freude über ein Wiedersehen nach Zwei jahren (Ich startete ja damals meine Reise) war riesig. Ich merke immer mehr, wie viel Menschlichkeit bei meinem alten Arbeitgeber vorhanden gewesen ist und wie schade es ist, nicht mehr dort meine Brötchen zu verdienen. 

Marc und ich beschliessen am Freitag auf eine Zweitägige Vulkanwanderung zu gehen. Das ist mir eigentlich schon zu spät, denn ich wollte hier echt nur kurz mir die Stadt ansehen, auf den Hausberg klettern und dann Freitag Morgens wieder weg. Und jetzt das :D Das wird heftig. Ich bin gespannt ob mein Knie das mit macht. Das wird der Ultimative Test. Aber nach all der Zeit in San Pedro verspüre ich das Gefühl nach Herausforderung und das werden wir definitiv haben :) Maya denkt auch bereits wieder hin und her, was sie tun soll. 

Marc arbeitet hier in einem Kinderheim und hat morgen seinen letzten Tag. So endet der Abend bei Zeiten für die Meisten ausser Maya, ne Norwegerin und ich crashten noch in eine Karaoke Bar, wo wir bei Hotel California und Could you be loved kläglich scheitern, zur allgemeinen Belustigung der Guatemaltekischen Gesellschaft.

Fazit des heutigen Tages: The People make the Place (and ruin your plans :D)




Donnerstag, 25. Oktober 2012

Mercadillo Popular y Agua Caliente (Maya)


23. Oktober 2012 - San Pedro la Laguna


Heute war es endlich so weit, unser Tauschbasar fand statt. Wir hatten ihn auf 3 - 5 Uhr angesetzt.
Nachdem ich meine letzte Schulstunde absolviert hatte, kochten wir Reis mit Scheiss in unserem Hotel und machten uns dann auf den Weg.
Domingo erwartete uns schon und wir bauten einen grossen Tisch auf.
Ich ging davon aus, dass niemand kommen würde...Also klapperten wir die umliegenden Hostles noch ab um Werbung zu machen.
Und siehe da, es kamen tatsächlich Leute :D Und es wurde sogar getauscht!
Wir tauschten den Rest des Tapes vom Plakatieren und eine Kerze gegen zwei Shirts. Ausserdem kam ein argentinischer Musiker vorbei, den wir ein paar Tage zuvor hatten spielen hören. Da er am Aufbrechen war, liess er zwei Jeans da, die er gerne gegen ein Paar Schuhe getauscht haben wollte. Seine Freundin wollte ihm dann, je nach gelingen, die Jeans oder die Schuhe, bringen.
Leider wollte niemand seine Schuhe loswerden, aber es kamen doch einige Leute in Domingos Garten. Und jeder sagt: "Oh schau mal, das haben wir noch gar nicht gesehen. Hier ist es aber schön!"
Also hat der Markt seinen Zweck erfüllt :)
Ich bemalte noch eine kleine Blumenvase, um meinen Rucksack mit einem weiteren Souvenir zu füllen ;)

Dann kam der Abschied. Domingo bedankte sich unzählige Male für die Unterstützung und berechnete uns nur den halben Preis der Getränke.
Ich freue mich schon ihn irgendwann wieder zu besuchen :)

Zum ausklang der Zeit in San Pedro besuchten wir (ich nochmals) die Hot Tubs, zusammen mit unseren Nachbarn Chris und Eleonore.
Nach diese grandiosen dekadenten Entspannung gingen die Frauen früh zu Bett und die Männer liessen das Bier fliessen und die Billardkugeln flitzen..

So endete unsere Zeit in San Pedro.
Das Travellerbein tanzt wieder.
Auf auf nach Antigua.






La Ultima Clase


22. Oktober 2012 - San Pedro la Laguna


Maria hat wirklich ihr Bestes gegeben, aber ihr Unterricht ist einfach nicht so meins. Da kommst du an und sie lässt dich eine liste Worte abschreiben, die du dann zusammen mit ihr lernst. Zudem ist die Sprachbarriere doch ziemlich gross gewesen in den letzten Tagen, so dass ich nicht wirklich viel über Satzaufbau usw lernen konnte. 

Ich denke, es ist ein besserer Unterricht, wenn man die Worte als Hausaufgabe lernt und nicht im Unterricht und sich während der Gemeinsamen Zeit auf Konversation und Grammatik konzentriert. Ich war blutiger Anfänger und habe das Gefühl nun einen Haufen Puzzleteile vor mir zu haben, die es jetzt zusammen zu setzen gilt. 

Ich beneide den Chris, meinen Nachbarn, der in einer anderen Schule 10 Dollar mehr bezahlt in der Woche und dafür Lückentexte und Extra Konversationsklassen besuchen kann. Das wäre mehr was für mich gewesen und der Lernplan macht auch mehr Sinn. Tja, so ist es jetzt halt und das mindert es nicht, dass ich doch etwas gelernt habe und dafür der Maria auch dankbar bin. Wir haben sehr viel übereinander erfahren und mit Hängen und Füssen doch das einte oder Andere erreicht. 

Klar ist auf jeden Fall, dass ich, sollte ich Zeit haben, unterwegs mal wieder die eine oder andere Stunde nehmen werde. Doch jetzt ist es an der Zeit an den Tauschbasar zu denken, der Morgen stattfinden wird :) 

Am Abend war es dann soweit. Tom übergab mir mein neues Handycase. Hergestellt bei einem Schneider hier in San Pedro, der auch für Toms Produkte verantwortlich ist. Als wäre das nicht schon geil genug, hat er für mich noch Operatiion Rückenwind draufgestickt. Starkes Stück und ein Unikat, dass ich von nun an immer an meine Backe halte, damit ich spüre, dass es wirklich war ist ;-)

http://atitlanleather.com/


Geschäftiges Treiben in San Pedro

21. Oktober 2012 - San Pedro la Laguna


(Maya) Schon vor einigen Tagen brachte Liz mich auf die Idee einen Tauschbasar zu veranstalten. Da Sie nur einige tage in San Pedro war, wurde uns schnell klar, dass wir das nicht mehr zusammen schaffen würden. Also beschloss ich es allein zu machen, wenn Lukas auch da ist.
Auf der Suche nach einer Lokation, fiel mir ein das es toll wär zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.
Die Idee war also folgende:
Domingo, der Künstler bei dem ich die erste Nacht ein Zimmer gemietet hatte, klagte immer darüber, das sein Künstlerkaffe so versteckt sei und es so kaum jemand entdeckt.
Als mein spanisch also so gut war, dass ich ihm erklären konnte, was meine Idee ist, schlug ich ihm vor den Tauschbasar bei Ihm zu machen. Da er für ein paar Tage nach Antigua reisen wollte, viel das Datum auf unseren letzten Tag in San Pedro. Bei einem Kaffe am Mittag, nachdem ich meine zur Hälfte selbstkreierten Schuhe abgeholt hatte, gestalteten wir ein Poster. Wir kopierten es und gingen plakatieren :)

In dem Cafe trafen wir ausserdem Tom, den ich schon vor einer Woche mit Liz in den Hot Tubs getroffen hatte.
An dieser Stele übernimmt Lukas, um über Tom zu berichten.

(Lukas) Danke Maya, ich bin sehr froh, dass du etwas vom Blog schreibst, denn ich mache im Moment lieber Fotos. Das ist Teamwork! 
Klar erzähle ich etwas über Tom. Er ist 26, aus den USA und hier gestrandet. Geschäftig, wie er ist, konnte er es nicht lassen und wurde Geschäftig. Unter dem Namen "Atitlan Leather" lässt er von Lokalen Gerbern Lederwaren Produzieren um sie in die USA zu verkaufen. Wir kommen ins Gespräch und stellen fest, dass wir viel auszutauschen haben. Schon seit beginn der Reise suche ich ein gutes Case für mein Samsung Galaxy S2. Tom scheint die Lösung zu haben. 

Tom ist eine dieser Begegnungen, die mich nachdenklich machen. Er hat eine Frau in Spanien, die er eigentlich heiraten möchte, trotzdem ist er hier und baut eine Firma auf, die ihn nie reich machen wird. Er sag tauch, dass es für ihn schwierig ist, sich gegenüber kurzaufenthhaltern wie uns sich zu öffnen, weil wir ja nächste Woche eh wieder weg sein. Warum sich also die Mühe machen? 



Sonntag, 21. Oktober 2012

Der misteriöse Lokus und wir

20. Oktober 2012 - San Pedro la Laguna


Bekanntlich gibt es ja die ein oder anderen Probleme mit der Verdauung wenn man sich auf Reisen befindet. Das ist weniger erfreulich wenn man sich auf langen Busreisen ohne Toilette wieder findet. 
Ein ganz anderes Problem ist allerdings, wenn sich die Verdauung bezüglich der Konsistenz wieder reguliert hat. Man sollte meinen das sei erfreulich. Der Schlund der hiesigen Toiletten, scheint allerdings nicht dafür geschaffen zu sein, Ausscheidungen mit physiologischer Konsistenz zu schlucken.
So kommt es immer mal wieder zu kleineren oder grösseren Überraschungen, wenn man die Toilette aufsucht. Gestern zum Beispiel: Das Wasser stand der Schüssel bis zum Hals. Da ich nicht als letztes die Toilette benutzt hatte, ging ich zu Lukas, der entspannt in der Hängematte lag. 
"Du hast die Toilette verstopft! Mach sie wieder heile!"
"Oh, hm...kann ich nicht die Leute vom Hotel fragen?"
"Nein, du musst es machen!"
Genau in diesem Moment ertönte ein gurgelndes Geräusch, als würde sich unser misteriöser Lokus räuspern.
Also lief ich rein, um nachzusehen, was passiert.
Ich konnte nicht glauben was ich sah. Die Toilette war vollkommen leer und glänzte beinahe.
M-I-S-T-E-R-I-ö-S!

Ich war verwirrt und Lukas freute sich.

Wenn du hörst die Vögel singen, solltest du ins Wasser springen...

19. Oktober 2012 - San Pedro la Laguna

Wir habens mal geschafft aus San Pedro raus zu kommen und haben einen Ausflug nach San Marcos gemacht, das bekannt ist noch mehr Hippies wie San Pedro zu beheimaten. So war es dann auch. Überall wird einem in den engen Gässchen im Wald Esotherikkurse angeboten, es wird Karten gelesen, Yoga gemacht und alles, was es sonst im schönen Indien noch so gibt. 

Mit uns waren Roux und Dominik, Holland und Schweiz, die im Hotel neben uns resireden und seit Cancun irgendwie immer wieder über den Weg laufen. Schnell treffen wir auf Andreas, der mit seinen Hippyhosen und Irokesenschnitt perfekt ins Konzept passt. Er lebt zusammen mit seinen Freunden Felix und Jarkko in einer kleinen Wohnung und sie bieten Massagen und Yoga an. Die Bezahlung ist freiwillig. Andreas führt uns für ein Paar Zigaretten im Dorf rum und zeigt uns den schönsten Ort, den wir bisher hier gesehen haben. Ein kleiner Park direkt am See, in dem man Maya Altare und schöne Ausblicke am Laufmeter findet. Immer wieder kommt man an einsamen Fincas vorbei, wo sich Menschen ihr eigenes Paradies geschaffen haben. 

Wir drei Jungs liesen es uns dann nicht nehmen, von der Sieben Meter hohen Plattform zu springen. Mal wieder zitterten die Knie, ich bin einfach nicht für so Sachen gemacht und trotzdem mach ichs immer wieder :D Weil es doch so Spass macht :D Normalerweise wäre der Sprung noch viel höher, aber durch den vielen Regen vor 2 Monaten ist der Seespiegel um gut 2 Meter gestiegen, was den Sprung merklich verkürzt. Danke Gott. Das denken sich warscheinlich auch die reichen Westler, die sich ihre Bleibe direkt ans Ufer gestellt haben. Wir schmunzeln. 

Wir lernen Felix kennen. Er kommt ursprünglich aus München und reist seit mehreren Jahren von Schamane zu Schamane und ist drauf und dran selbst seine Energie für das Helfen von Menschen zu verwenden. Er hat ein hartes Leben hinter sich, aus dem dieser Lebensweg hervorgegangen ist. Wir warten in der WG das Ende des Regens ab, bevor wir nach dieser intensiven Begegnung das Pancha zurück nach San Pedro besteigen.



Von wegen Columbus entdeckte Amerika...

18. Oktober 2012 - San Pedro la Laguna


Wie gesagt, wir haben einen Alltag hier. 
Deshalb erleben wir auch nicht viel, was unbedingt zum schreiben ermuntert.
Aber es gibt doch ab und zu mal Dinge, die wir euch mitteilen wollen.
Wie ihr ja alle wisst , ist Lukas ein sehr grosser Fan von Wortspielen. Als wir essen waren, kreierte er eines der Spitzenklasse.
Die Guatemalische Währung nennt sich Quetzales.
Hier findet sich auch das Wortspiel, spricht man Quetzales etwas anderes aus. Sprich das q etwas weicher aus und teile dann das Wort auf. Que- tzal- es. Sprich es laut aus.
Richtig!
"Geh zahl es"
:D

Wir sind uns sicher, das vor Columbus ein deutschsprachiger Mensch in Guatemala gewesen sein muss ;)





Mittwoch, 17. Oktober 2012

Aprender espanol und die Ei(ne) Seite des Hühnchens


16-17. Oktober 2012 - San Pedro la Laguna




Wie man am anderen Ende der Welt zum Alltag kommt?
Wir erklären es euch, no hay Problema! :)

Son las diez en manana. Nosotros vamos a la escuela Ixim Achi. Tenemos priza - Otravez un poco ... zu spät! :)
Und nochmal auf deutsch, für die, die nur estacion del trein verstehen:
Es ist zehn uhr morgens, wir laufen zur Schule Ixim Achi. Wir haben es eilig . mal wieder ein bisschen...zu spät :D Kaum ist Lukas in San Pedro aufgeschlagen, kommt auch Maya zu spät zum Unterricht.
Gestern hat er doch tatsächlich die ersten 15 Minuten des Unterrichts versäumt. Und warum??? Na is doch klar, wegen dem Fussballspiel der Schweiz. Wenigstens haben sie gewonnen, dann hat es sich immerhin gelohnt. (Lukas: haha, na klar hats sich gelohnt!!!)
Ich dagegen, wurde rüber ins Cafè geschickt, zu Domingo, dem Knstler, der das schnellste Internet in Town hat. (Lukas: Was bitte zum Teufel ist ein Knstler, liebe Maya?=))
Da sitzt er, entspannt auf seinem Stuhl (Lukas: Stühlchen!) Boah, also gut, da sitzt er, entspannt auf seinem Stühlchen und schaut gebannt auf sein Macbook.
"Willst du nicht in den Unterricht?" fragt Mamita-Papaya-Maya etwas stichelnd. Erschrocken springt Lukas auf, schmeisst dabei fast den Tisch um, auf dem das kostbare, rechteckige elektronische Gerät tront.
Hastig packt er seine sieben sachen zusammen und folgt schnellen schrittes Mamita-Papaya-Maya (im folgenden M.-P.-M. abgekürzt) in die Schule.
Die Lehrerinnen amüsieren sich prächtig.
Mit Händen und Füssen findet Lukas heraus das seine Lehrerin erst zarte neunzehn Jahre alt ist und zu seinem Vergnügen etwa so viel Englisch spricht, wie er Spanisch : (Lukas: niente!) M-P-M korriegiert: nada!  :D
Aber immerhin habe ich auch schon eine Woche Vorsprung! So verfolge ich voller Spannung wie Herr Marchesi nach seiner ersten Stunde versuchte Maria, seine Lehrerin, dazu zu bewegen, mit uns allen Mittagessen zu gehen. Ich ging davon aus, das es ein Date sein sollte und er alleine mit ihr essen gehen will.  
Ihrer Reaktion nach zu Urteilen, musste sie wohl verstanden haben : Morgen kommt Lukas zur Schule, und geht dann essen.
Somit gab es drei Versionen einer seiner ersten Versuche Spanisch zu sprechen. Learning by Doing ne!?

Ich kanns doch genau sehen! Einigen von euch steht doch die Frage über den Titel des Blogs ins Gesicht geschrieben! Jetzt seid ihr an der Reihe! Was hat es mit der einen Seite des Hühnchens auf sich? Die Dikussion ist eröffnet :D Ihr sollt ja auch beschäftigt sein, bis wir wieder schreiben, denn uns scheint ja mal wieder das Chill... ach ihr wisst schon :D

Zimmer am Fusse des Vulkans

14-15. Oktober 2012 - Chimaltenago - San Pedro la Laguna


Mal wieder schreibe ich aus einer Hängematte und warte auf die Maya. Sie sollte eigentlich schon länger von ihrem Spanisch Unterricht zurück sein um mir das Zimmer aufzuschliessen, dessen Schlüssel sie wohl unbewusst bei sich trägt. Was wir manchmal für Hühner sind =) Ich habe mir inzwischen von meinen letzten Geld, der Rest befindet sich im Zimmer, ein Bier geholt, habe etwas gelesen und hab irgendwie Lust zu schreiben. Ich bekomme das eigentlich immer, nachdem ich in Hape Kerkelings "Ich bin dann mal weg" gelesen habe, in dem er seine Reise auf dem Jakobsweg beschreibt. Heute dauerte es nur wenige Zeilen, bis ich das Buch niederlegte und mich in Gedanken wiederfand. Was mache ich eigentlich hier? Was ist meine Aufgabe? Warum habe ich das gemachte Nest wieder verlassen? Damals im Himalaya wusste ich genau warum ich da war. Das ist diesmal anders. 

Ein gutes Beispiel ist die Maya, die ich gestern überfröhlich um meine Ankunft hier angetroffen habe. Schon bei den ersten Worten, die wir zusammen gewechselt haben, war mir klar, dass in ihr irgendetwas brodelt. Ich wickel die Hängematte um mich, denn es wird gerade richtig kühl. Maya ist ja bekanntlich Hebamme. In so einen Beruf wird man nicht einfach reingedrängt, man entscheidet sich nicht ohne Grund dafür. Für sowas muss man berufen sein, finde ich. So kam es dann auch. Wir haben in San Ignacio eine Abbildung eines Maya-Kalenders entdeckt, dass die Hebammengöttin darstellt. Maya erzählt mir, dass es nur kurze Zeit dauerte, bis sie hier in San Pedro heraus fand, dass ihr Geburtstag genau in das Sternzeichen fällt, in dem die Frauen als Hebamme geboren werden. Auf unserem kleinen Ausritt heute Morgen fanden wir heraus, dass die Hebammen in der Kultur der Mayas einen speziellen Stand geniessen. Es gibt Merkmale, die man von Geburt her trägt, die junge Mädchen als Hebammen zu erkennen geben. Eine spezielle Kraft soll es sein. Fancisco, unser Guide bei unserem Ausritt, kennt ein vierjähriges, dass dieses Zeichen in den Händen trägt. Sie arbeitet bereits als Heilerin, wenn auch noch nicht als Hebamme als solche, da sie noch so klein ist. Genau diesen Mädchen fällt es später kinderleicht, ein Medizinstudium abzuschliessen, da sie das ganze Wissen schon irgendwo in sich tragen...
Die Maya findet einen Teil des Lebenssinnes bei den Mayas. Wie sollte es auch anders sein...
Und da ja bekanntlich das Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde liegt, geniessen wir die Ruhe des Berges und den atemberaubenden Ausblick auf den See. Diesmal nicht von unserer Terrasse, sondern eben vom Rücken der Pferde.

Was bin ich? Was spiele ich für eine Rolle auf dieser Reise? Ich finde mich hier noch nicht wieder. Was ich aber weiss, und dass gibt mir genügend Grund hier zu sein. Die Maya braucht zur Zeit eine Wegbegleitung, so wie ich sie auch brauche. Und so ergänzen wir uns und das gibt auch meiner Präsenz hier einen Sinn. Trotzdem Frage ich mich, was mit mir in Zukunft noch geschehen wird, wie mich Begegnungen prägen werden und wie solide mein Daheim ist. Für mich ist es unzerbrechlich. Aber das Leben in der Schweiz geht weiter und ich bin hier. 

Den ganzen Nachmittag habe ich an meiner Reiseroute gebastelt um sie dann wieder auf dem Kopf zu stellen und sie noch mal zu überarbeiten - um dann doch wieder verworfen zu werden.

Aber dieser Ort gibt mir eine Ruhe. Als würden die sanften Wellen des Lago's auf die Menschen hier überschwappen, so vibriert hier ein ganz anderer Vibe wie noch in Flores oder Lanquin. Während sie Sonne sich im See spiegelt, kommt Wind auf und um uns herum schiessen die Drachen in die Luft um sich gegenseitig in Höhe, Pracht und Flugkunst zu übertreffen. Ich will auch so einen haben :) Auch die Reisenden sind anders. Hier wird jeder auf der Strasse gegrüsst. Egal ob Ausländer oder Ureinwohner. Jeder kommt sich mit einem Lächeln und einem fröhlichen "Buenos Dias" entgegen. Ich frage mich, wie das möglich ist. Man fühlt sich hier willkommen! 

Das ist der Ort an dem ich mein Reisespanisch lernen möchte. Bei einem Einheimischen am liebsten. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden eine Weile hier zu bleiben. "Hier" heisst im diesem Falle das Hotel Peneleu, in dem es Zimmer für 25 Quetzales (ca 3USD) gibt, mit Blick auf den See, den Vulkan San Pedro und das direkt aus der Hängematte, in der ich gerade liege und mir das Chill erneut aus dem Arsch scheint. So Hell, dass man es von der anderen Seeseite her klar erkennen kann und hinter mich einen kleinen Schatten wirft...



Montag, 15. Oktober 2012

Jesus Jalapenio


13. Oktober 2012 - Chimaltenago




Ich bin doch tatsächlich immer noch hier. Eigentlich sollte ich ja schon längst auf dem Weg nach San Pedro sein um Spanisch zu lernen aber Kristina und Jorge haben mich überredet zu bleiben. Heute ist nämlich grosser Besuchstag auf der Finca und es werden viele Gäste erwartet. Leider hat einer der Huskies den Truthahn für heute vor dem Metzger erwischt und so brauchte man ihn nur noch zu federn und in den Ofen zu schieben, damit er dann auch bereit ist, wenn die Gäste kommen.

Soeben habe ich zwei Ultraleichtflugzeuge im Hangar entdeckt (!) und dass während ich mich für den Seilpark das nötige Material zusammensuchte. Der Hangar steht gleich neben einem der unzähligen Teichen, in denen Fischzucht betrieben wird (ausser im grössten, das schwimmen nur Pedalos) und im Hintergrund macht sich die Hauseigene Kaffeeplantage breit. Nachdem ich ja gestern bereits reiten war (Kristina sah bei der Übung einiges Eleganter aus, wie ich), werden wir heute mit Ferngesteuerten Flugzeugen spielen, für die es natürlich auch eine eigene Landebahn gibt. Man darf isch ja schomal was gönnen für seine Gäste.

Bei den Besuchern ist von Politiker über Schmusesänger alles dabei, was in der Gegend Rang und Namen hat. Das Wohlhaben erkennt man an der Kleidung und oftmals auch an den nach hinten geschelten Haaren. Zum Glück, zum grossen Glück habe ich ja noch mein Hemd und ein Paar lange Hosen im Rucksack, die zusammen mit Ullas Käppi mich unter all den Reichen nicht als Backpacker auffallen lassen um Jorge und Kristina nicht zu schmähen. Phu! 

Völlig für mich erobern konnte ich die Meute dann, als die Jalapenios verteilt wurden. Wo jeder aus Anstand eine auf den Teller nahm, lud ich mir deren vier und sofort erntete ich sämtliche Blicke. Was will denn dieser Gringo mit so viel Jalapenios? Während die Herren in Schweiss ausbrachen, genoss ich meine Grünen Pfefferschoten und empfand sie alles andere als scharf! Hihi. Keine Miene verzog ich mir, dafür fielen die Kiefer der Gäste reihenweise. 

Ich beginne langsam meinen armen Papa zu verstehen, der daheim beinahe Feuer spuckt, wenn Mutti mal nach unserem (Martina und mir) Geschmack würzt. Wenn jetzt aber die Guatemalteken hier schon fast zergehen und ich es kaum spüre, dann muss ich zu geben, tut mir mein Papa leid *grins*. 

Somit reisse ich den Titel als amtierender Jesus Jalapenio an mich geniesse das frisch erworbene Ansehen beim Künstlichen Augenhersteller und den anderen lustigen und aufgestellten Menschen, die ich heute kennen lernen durfte. 

Als es dann ein dunkelte, zog ich mich zurück und genoss ganz alleine auf einer Lichtung den allabendliche Tanz der Feuerfliegen. Keine Nacht lassen sie aus und um mich herum versank die Wiese im Lichte der Lebewesen. Es war, als würden die Sterne hier auf der Erde ein Fest feiern und singend durch die Wiese hüpfen und die Funken vom Lagerfeuer, nach dessen erlöschen, fröhlich weiter tanzen. 


Sonntag, 14. Oktober 2012

Huhn wie Pferd

12. Oktober 2012 - Lanquin - Chimaltenago

Um 4.45 klingelte mein Wecker. So leise wie möglich schlich ich mich aus dem Dorm und machte mich auf die Suche nach einem Gefährt, dass mich die 8 Stunden nach Antigua bringen sollte. Dort habe ich mit Kristina abgemacht. Eine gute Freundin von Andrea Schmitter, wiederum eine gute Freundin von mir. Sie lebt dort - das ist auch so ziemlich alles was ich über sie weiss. Noch auf dem Weg ins Dorf, kam ein Minivan auf mich zu, den ich mit Handwedeln anhielt. Par Antigua? Si! Quanto? 110! Si Senior, perfeto! Und zack, schon war ich unterwegs. Spannend, wie einfach es manchmal gehen kann :)

Wir fahren ins Morgengrauen. Was hier so farblos klingt, ist in Wahrheit ein Spektakel bei dem sich die das Gefühl in der Natur widerspiegelt und man den Anschein kriegt, als hätte die Welt Gänsehaut - von der Sonne angeschienen. So geniesse ich die Fahrt und versuche mich auf der mir gehörenden Rückbank so breit wie möglich zu machen um noch ein, zwei Mützen voll Schlaf zu kriegen. 

Etwas später steigt eine traditionell gekleidete Bauernfamilie ein. Sie bezahlen nichts und fahren sicher 2 Stunden mit. Man riecht den Rauch aus den Klamotten, der wohl davon stammt, dass die Mutter bereits in der Hütte im Wald Feuer machte um ihren Kindern etwas zu Essen zu kochen. 

Die Verhältnisse ändern sich Rabiat, als ich zum nächsten Mal die Augen öffne, fahren wir an Börger King und Pizza Hut vorbei. Es ist Guatemala City, die grösste Stadt Centralamerikas mit 2 Millionen Einwohnern. Wir fahren nur durch. Mir fällt auf, wie präsent hier das lokale Bier, "Gallo" vermarktet wird. An jeder Hauswand findet man das Logo und praktisch jeder lokale Händler kleidet sein Lokal mit dem Huhn. So intensiv, dass es grossen Marken wie Coca Cola an Präsenz locker übertrifft - gut schmeckt es obendrein.

Angekommen in Antigua, verschlägt es mir gleich mal die Sprache. Hier ist alles anders. Es fahren (für dieses Land) teure Autos durch die Strassen, überall erspäht man Westliche Menschen und alles ist gehegt und gepflegt kolonial. Vom armen Gebirge in die wohl kosmopolitischte und dem westlichen empfinden schönste Stadt, die ich seit einiger Zeit sehe. 

Ich werde von Katarina abgeholt. Schnell eröffnet sich mir, dass sie nicht mehr, wie vermutet, in einem Kinderheim arbeitet. Es ist viel passiert und inzwischen lebt zusammen mit ihrem Freund Jorge ausserhalb von Antigua in einer Finca. Sie arbeiten zusammen am Projekt, daraus ein Touristenhaus zu machen, mit allem drum und dran - wohl ausserhalb des Backpackerbudgets. Kristina lebt nun seit 2 Jahren in Zentralamerika, beginne ich zu erfahren. Sie hatte 13 Monate lang in Honduras in einem Kinderheim gearbeitet (also doch) und blieb nach kurzer Reise als Volunteer bei Jorge hängen. Aus Jorge wurde Jorgito und aus Arbeit wurde Liebe. 

Ich residiere in einem der noch unfertigen Zimmer und genoss meine erste Reit(halbe)stunde bei Oswaldo, dem Pferdebetreuer und einer der vielen Angestellten, die hier auf der Finca leben und ihr Geld verdienen. Inzwischen kriege ich einige fetzen Spanisch zusammen, um mit ihm die Zeit zu vertreiben, während wir auf das Ende des Regenschauers warten, der leider nicht kommt. Vielleicht morgen, oder ein anderes Mal, wenn ich mir Antigua richtig anschauen werde. Auf jeden Fall bin ich froh um diesen Kontakt, denn so erlebe ich Guatemala aus einer anderen Perspektive - aus der, der Habenden. 

Morgen fahre ich weiter nach San Pedro am Lago de Atitlan. Ich fühle mich bereit für meinen Spanischkursus und auch um die Maya wieder zu sehen. Sie schreibt mir, dass ihr meine Gegenwart fehlt. So tut sie mir. 

Samstag, 13. Oktober 2012

Irgendwas geht immer - Semuc Champey


11. Oktober 2012 - Lanquin


Dieser Ort ist genau was ich brauche. Es leben nicht mehr wie 1300 Menschen hier und für die wenigen Touristen gibt es spottbillige Hotels, etwas ausserhalb. Die Hauptattraktion des Ortes ist der Semuc Champay (Siehe Bild). An dieser Stelle verschwindet der Fluss im Boden und bleibt da auch 300 Meter lang, bis er unter getöse wieder auftaucht. Oben drauf haben sich über die Jahre und die Geografische Lage wiederum Wasserpools gebildet, gespiesen vom glasklaren türkis Wasser der umliegenden Bergbäche. Zwei komplexe Wassersysteme, zweistöckig. Herrlich. Das muss ich sehen. 

Gestern noch habe ich erfahren, dass es keine Bank gibt in der Stadt und schon gar keinen Geldautomaten. Auch die Einheimischen müssen für ihre Bankgeschäfte, sofern sie Geld haben, in die nächste Stadt fahren. Der Blick in mein Geldbeutel verrät mir, dass ich bereits etwas knapp bei Kasse bin. Daheim bin ich gerne ein faulenzender Couchpotato mit vorlieben für Couchpotatochips und um mich zu erheben benötigt es eine gute Ration an Red Bull. Aber nicht hier. Ich hatte einen Plan. 

Um 4 Uhr Früh ging ich los. 2 Stunden vor allen Touren. Am Vortag erkannte ich bereits die Beschilderung, denn alle Pfeile zeigen nach Semuc Champey. Das muss doch zu machen sein. Zum ersten Mal habe ich meine neuen Wanderschuhe montiert und mach mich auf den Weg. Es war ein herrlicher Hike und die Sonne begrüsste mich, als ich mich an den Abstieg ins Tal machte. Ich zweifelte oft an meinem Unterfangen, denn die Zeit verstrich und mein Ziel kam und kam nicht in Sicht. Bereits als ich mir überlegte, ob das nicht ein grosser Fehler gewesen ist, kam es in Sichtweite. Der Parkeingang von Semuc Champay. Der sympatische Wächter mit seiner Doppelläufigen Pumpgun händigte mir freundlich ein Ticket aus und turnte dabei um sein Arbeitsgerät herum, als wüsste er nicht wohin damit. Zudem war die kleine Hütte für den etwas korpulenten Mittvierziger mit seiner korpulenten Waffe doch etwas eng. 

In dem Moment ertönte der Klang von Motoren aus dem Wald und da war auch schon der Touristenbus, in dem sämtliche Leute landen, die über ihr Hostel eine Tour buchen. Das kam mir gerade recht. Ich machte mich auf zum Aussichtspunkt über den Pools und beschloss dort zu warten. Da waren sie auch schon, eine Gruppe junger Menschen, angeführt von einem Touristenführer, der noch viel jünger zu scheinen schien. Jugend schützt vor Weisheit nicht und er hatte echt was zu erzählen. So blieb ich stehen und zack, war ich Teil der Gruppe. Erstaundlicherweise merkten sie erst am Abend auf der Heimfahrt, dass ich ja zu beginn gar nicht da war. :D Bis dahin provitierte ich von einer Kostenlosen Führung, einem Tubing-Tripp auf dem Fluss und einer extrem krassen Höhlenwanderung, die mit der Tourgruppe auf dem Programm standen und ich mir dachte, ja, wenns die schon nicht merken, dann sag ich nicht nein ^^.

Beim letzten Sprung des Tages, von einer 10 Meter hohen Brücke in die reissenden Fluten des Flusses, ahnte ich nichts gutes. Der Sprung jedoch stellte sich als hervorragend heraus, weniger aber das *Ratsch!!!!* dass ich noch kurz wahrnahm. Das schallende Gelächter der Gruppe erklärte dann auch, was passiert war. Minus eine Badehose :D

Die letzten zwei Tage waren gut und notwendig. Morgen werde ich warscheinlich weiterziehen. Ich habe es verpasst ein Busticket zu buchen. Beswegen werd ichs machen wie heute, einfach mal schaun was geht, denn irgendwas geht immer. 



Freitag, 12. Oktober 2012

Männern und Frauen.

10. Oktober 2012 - Lanquin

Endlich habe ich Zeit mir über die letzten Tage Gedanken zu machen. Das kam dabei raus. 
 
Ich werde keine Sekunde darüber Diskutieren, ob Frauen in unserer jetzigen Gesellschaft gleichberechtigt sind. Ein offensichtliches Beispiel ist die grosse Menge an weiblicher Energie in den Machtpositionen in Firmen oder Regierung. Trotzdem braucht es einiges an männlicher Kraft, die Frauen beweisen müssen um in unserer männlich orientierten Gesellschaft so weit zu kommen. Und nur die mit beiden Energien, schaffen es.

Diese Frage muss geklärt werden und ja, ich glaube es ist eines der grösseren Probleme das unserer Welt zur Zeit vorliegt. Männliche Energie in zu grossen Mängen wirkt schlussendlich heftigst destruktiv. Im Moment ist alles einfach immer noch viel zu Männlich.

Seltsame Effekte der Ungleichheit - und sie überschreiten.

Und Ungleichheit brütet die Unzufriedenheit der Unterdrückten. Aufgrund dieser wichtigen und sehr prominenten Frage, gibt es eine Tendenz, dass die weibliche Energie dagegenhält und auch zum überschiessen ansetzt, um für Ausgleich zu sorgen. In all den Diskussionen mit Männern und Frauen zu dem Thema, fällt mir die einfache Frage der Spannung zwischen jungen Männern und Frauen auf.

In der Regel zum typischen heterosexuellen Teil gehörend, dröhnt Musik jeglicher Art aus den Boxen und Alkohol fliesst in Strömen. Die rudimentären menschlichen Werte kommen hoch, darunter, der Animalische Instinkt. Frauen sind in der Regel aufreizend gekleidet. Mit ihrerm Multitasking sprechen sie gleichzeitig mit ihren Freunden während sie auf die Jugns um sich herum fokussiert sind und fragen sich heimlich, ob sie wohl rüber kommen? Die Männer, mit ihren 100 Augen brauchen ihren Kopf nur um 90 Grad zu drehen und das Angebot abzuchecken.

Sex ist eine wunderschöne Sache. Trotzdem finden wir uns immer wieder in einer ungesunden Situation zwischen den beiden Geschlechtern. "Wären die Männer doch nur nicht so gruselig", "wenn die Männer nur mal aufhören könnten, über Sex nachzudenken und die Menschen als solche zu sehen". Auch sehr berühmt: "Könnten sie doch bloss mal mit dem Hirn und nicht der Hose denken." In einer solchen Situation scheint das politisch absolut korrekt, aber nur 50% der Geschichte.

Es wird erwartet, dass Männer ihre seuxuelle Natur unterdrücken. Frauen ist es jedoch erlaubt sich provokativ zu kleiden, so wie sie möchten, forcieren ihre eigene weibliche Freiheit und die Männer sind dann herausgefordert dann damit umgehen.

"Frauen sind anders als Männer wie sie Sex sehen". Naja, kann man auch umdrehen. Männer sind ebenfalls anders als Frauen, wenn es um Sex geht! So oft es auch scheint, dass Männer nicht verstehen, wie ein Frauenkörper funktioniert, so ist das umgekehrt nicht anders und einfühlen ist ebenfalls schwierig und wird oft vernachlässigt. Der Männliche Körper hat eine starkes, dringendes Verlangen, dass er unterdrücken muss. Die Augen sehen das verbotene Fleisch, die Nase das Parfüm, die Haut die Berührung und das Hirn, das ist total natürlich, sexuelle Fantasien.  Abgesehen davon, dass es total natürlich ist, wird es als "unerwachsen" oder "unnötig" abgetan.

Vertraut mir, aus sicht eines Mannes mit viel Männlicher und Weiblicher Energie, es ist es nicht.

Die Balance hinkriegen

Diese Position der Macht, wie zu beginn des Blogs diskutiert, wünsche ich mir ein gesundes Gleichgewicht.

Es ist absolut in männlicher Verantwortung, nicht jede Frau auf dem Fleischmarkt abzuchecken. Die Seele steht an erster, der Mensch an zweiter und der Körper an dritter Stelle. Mann zeigt die Schönheit des Gegenübers nicht mit Nachschauen, über die Strasse pfeiffen oder einfach nur dumm zu Starren. Die Seele erkennt man durch die Augen und nicht durch den Körper.

Frauen können das ganze ebenfalls besser Machen. Das Bewusstsein im Umgang mit Männern, die auf einem Physisch-Only-Weg die neue Beziehung starten möchten. Sie sollte auch verstehen, dass wenn man seinen Körper zeigt, eine natürliche Tendez für den Mann entsteht, nur das eine zu denken, egal welche Herkunft und Kultur - und sie sollte sich der Konsequenz bewusst sein, wenn man sich so kleidet. Sie sollte nicht vom Mann erwarten, ihr Drinks zu kaufen und sie auch nicht zu akzeptieren, wenn sie einfach so plötzlich auf dem Tisch stehen. Dahinter steht immer ein Motiv, dass sich mit dem weiblichen nicht trifft.

Es ist einfach, dass so zu kommentieren. Die Welt ist Männerdominiert. Es heisst aber nicht, dass Männer sich zurückhalten und nur die Frauen sich ändern müssen. Ich glaube jedoch, dass das Unverständnis gegenüber des Männlichen Triebes schon ein grosser Schritt wäre. Frauen wie Männer machen sich ihre eigenen Probleme.

Wir müssen den Begriff des Individuums,  die gleichwertige Verantwortung für unser Umfeld bewusst sein und uns wieder umarmen. Wie lösen wir nun dieses Problem? Es liegt an beiden. Klar, die weibliche Rolle ist subtiler - die weibliche Energie ist einfach so. Aber das bedeutet nicht, sie ist nicht da.

Auf in die Berge

9. Oktober 2012 - Flores - Lanquin




Es tat richtig gut einfach mal Musik zu hören und die Landschaft an mir vobei ziehen zu sehen. Meine Freunde sind weg und ich bin zum ersten Mal auf dieser Reise richtig allein. Ich konnte mich durch das viele Nachdenken und einige Stunden Schlaf etwas beruhigen und lasse mich nun treiben. 

Wir fahren durchs Gebirge über halsbrecherische Strassen. Die Belgier mit im Bus sterben fast vor Angst und möchten lieber gehen, als mit diesem Fahrzeug weiter zu fahren. Nach einigen Versuchen sie zu beruhigen und doch die Aussicht zu geniessen, lasse ich es sein. In was für Gefährten ich schon gefahren bin und was für dumme Fahrer ich hatte, dagegen ist dieser Fahrer hier ein Meister seines Faches. Allgemein ist der wenige Verkehrt hier in den Bergen sehr ruhig und jeder bleibt auf seiner Strassenseite. Das Handy am Ohr ist auch noch zu verzeihen. Sollen die sich doch in die Hosen machen. Dann hab ich wenigstens was zum Schmunzeln. 

Mir fällt auf, dass viele Menschen am Strassenrand gehen, voll geladen mit Maiskolben, die sie von den Hügeligen Feldern geerntet haben und nun ins trockene bringen. In ein Tuch gelegt, dass sie wie ein Rucksack über die Schultern legen und das Gewicht mit dem Kopf halten. Hier ist definitiv die Schwelle zum wirklichen Guatemala. Die Bauern, die Armen ohne Geld und trotzdem die Versorger des Landes. An so steilen Hängen werden bei uns nicht mal mehr Reben angebaut und hier wird jeder Lichtfleck für eine weitere Maispflanze genutzt. Schon spektakulär. Ebenso spannend war eine Flussübersetzung auf einer Art Floss, das mit zwei Speedboadmotoren betrieben wurde. Das spezielle, die zwei Steuermänner sitzen gegenüber und können sich nicht sehen, müssen aber das Boot koordiniert auf die andere Seite bringen. 

Unser Fahrer hatte auch kein Problem damit, die leeren Plätze im Minubus mit Locals zu füllen, die ihn direkt für den Transport bezahlten. Natürlich zum Unmut unserer Belgier, die es nicht okay finden, neben schwitzenden Bauern zu sitzen und an der Seriösität des Fahrers weiter zweifeln. Ich bin immer mehr beeindruckt, was für Leute hier reisen. Es ist schon fast zu vergleichen mit Thailand und Südostasien. Ich hatte mit meinen Mädels ein riesen Glück einige richtig gute, offene Menschen um mich zu haben. Ansonsten sehen viele Reisende hier ihren Trip als Erweiterung ihres Sexuellen und nicht ihres Geistlichen Horizontes. Ich bin gespannt ob sich meine Meinung noch ändert. Aber die Erfahrung der letzten Tage bestätigt mich doch sehr. Ich erinnere mich an China, wo jeder Mensch, den du trafst, eine Bereicherung darstellte. Da habe ich auch den Lukas, Verena und Ann-Kristine und Albert und Raquel kennengelernt. Gute Freunde bis heute. Mal sehen was meine Zeit hier noch bringt. 

Auf jeden Fall verbringe ich den Abend mit ein par Israelis und deren Nationalkartenspiel "Janif". Morgenfrüh schaue ich dann, wo ich hier überhaupt gelandet bin. Ich höre das Plätschern eines Flusses.


Das erste Tief

8. Oktober 2012 - Flores


Die Skypesession mit Jenny war richtig nötig gewesen. Ihre Mutter hatte Geburtstag und so war das Ganze Wohnzimmer in dem sie sass, voller Menschen, die mich sehen wollte. Ich selbst konnte mich zwar kaum ertragen an diesem Morgen, doch das war es mir wert. Es ging mir danach auch ein wenig besser, es tat gut zu wissen, dass ich die Unterstützung von ihr noch habe. Mit meine andern Freunden habe ich nicht viel Kontakt, somit ist mir dieser umso wichtiger. 

Ich versuchte mich dann abzulenken. Wir gingen schwimmen. Der See um Flores lädt mit seiner Wahnsinns Wassertemparatur, die daheim viele Badeanstalten nur davon träumen, zum Schwimmen ein. Flores ist ein traumhaftes Plätzchen. Die Häuser sind wie eine europäische Altstadt aneinander gereit und nur durch kleine Carejons (Gassen) getrennt.  Maya schreibt an einem Brief, den sie wohl nie abschicken wird. Auch für sie ist das Schreiben eine Verarbeitung von Gedanken und hilft beim Finden des Weges. Andrea und Céline bereiten alles für ihre Weiterreise nach Mexico vor. Maya wird an den Lago de Atellan fahren und dort in eine Sprachschule gehen. Was ich tue, ich weiss es nicht. 

Am späteren Tag mieten wir uns zusammen mit einer Gruppe Neuseeländern ein Bötchen inklusive Fahrer und manövrieren mit genügend Sprit Richtung Strand. Es ist ein Traum, das Wasser, die Aussicht, die Menschen - Für mich der Anfang einer Kriese, aus der ich den ganzen Abend nicht mehr heraus finden sollte. Ich wusste nicht wohin und warum. Was soll ich eigentlich hier? Mein Herz liegt doch immernoch in Asien und in Skandinavien. Ich bin hier wegen meiner Freunde und die gehen jetzt alle in andere Richtungen. Mein Kartenhaus fällt in sich zusammen und es fühlt sich an, als wäre gerade das Hosteldach über mir zusammengebrochen.

Eine Sünde in diesem Paradies so zu denken. 

Und das hätte für mich ein Zeichen sein sollen, wenn nicht müssen. Die Andrea ist die, die mich hier her gebracht hat. Wir sind zusmamen gereist, aber hatten trotzdem nie einen Moment für uns. Zudem hatte sie sich am Knie verletzt und niemand weiss wie schlimm. Doch ist konnte das nicht sehen, ich war zu sehr geblendet von meinem Psychotrip und war total blockiert. Rannte von Ort zu Ort, suchte das Gepsräch, fand einfach keine Antworten. Im Nachhinein weiss ich, dass ich mich einfach zur Andrea hätte legen sollen und abseits des Geschehens mir ihr die Zeit hätte teilen wollen. Diese Erkenntnis tut weh und macht den Abschied, morgens um Halb 4 auch nicht einfacher. Immerhin sind wir uns bewusst, was wir hätten anders machen können. Ich entschuldige mich an dieser Stelle für meine Emotionen. 

Dazu kommt noch dass ich es bei Gott nicht ausstehen kann, wenn man in den Augen der Männer nur noch das Wort "FICKEN" geschrieben sieht und die Frauen sich auf so einfache Art und weise anmachen lassen. Das habe ich nie verstanden und werde ich nie verstehen - zu meinem Leid, denn es macht mich richtig sauer. In Kombination mit allem oben erwähnen, keine Gute Mischung. Ich konnte mich erst beruhigen, als Maya sich zu mir setzt und mir erzählt, dass Männer doof sein (so in etwa). Es liegt nicht an mir über andere Menschen zu richten, das weiss ich. 

Meine Entscheidung fiel dann trotzdem. Ich fahre nach Semuc Champey, wo ich mich in eine Resident am Fluss zurück ziehe und erst mal meine Gedanken Sammle. Zudem gibt es dort tolle Hölen. Das brauch ich jetzt. Zudem habe ich mich entschieden mir 2 Wochen zu geben. Wenn sich meine Meinung und meine Einstellung bis dahin nicht ändert, werde ich Konsequenzen ziehen.