Mittwoch, 14. März 2012

... etwas anders halt.

14. März 2011 - Untersiggenthal

Seid meiner Schulzeit wollte ich zu den Coolen gehören. Ihr kennt sie, die mit der neuesten Mode, Frauen, Zigaretten. Es war für mich der grösste Schmerz, wenn ich an das Geburtstagsfest wo alle waren, nicht eingeladen war. Ja, ich wollte oftmals gar nicht erst in die Schule weil meine Frisur nicht sass, wie sie sollte, denn ich wollte immer Bestes geben, beliebt zu sein.

Es ändert sich so einiges auf Reisen. Wenn mich jemand danach fragt, was sich für mich am meisten verändert hat, dann antworte ich: "Hier, das Produkt steh vor dir!" . Das liegt an vielen Dingen, vor allem daran das man den ganzen Tag sich selbst sein kann. Man muss sich nirgends gross anpassen, kann sich ausleben, solange man die Regeln des Zusammenseins einhaltet. Dann nämlich nimmt man von seinen Mitreisenden, das mit, was man benötigt um in der Lebensschule vorwärts zu kommen.

Ich mag es, wenn zum Beispiel Jemand aus meinem Volleyteam sagt: "Schon unfassbar, wie unterschiedlich wir sind". Es macht Spass dies zu hören, weil es mir zeigt, das ich nun die nötige Fähigkeit habe, mit Menschen zu funktionieren, die anscheinend mit mir nicht können =)

Das ganze hat wunderbare Vorteile. Obwohl der Staat mir seinen Mittelfinger tief in den Hintern gesteckt hat, habe ich mein Lachen lange behalten. Ich habe darüber hinweg sehen können und bin länger stehen geblieben, wie Ichs früher getan hätte. Ich weiss ja, wer ich bin, was ich kann und was ich will. Hart wird es erst wenn ein weiterer Aspekt hinzu kommt - nämlich was ich "sollte"! 

Das "sollten" schreibt hier vor zu arbeiten. versteht mich nicht falsch, ich weiss das zu Gegenleistung Leistung gehört. Jedoch die Art und Weise wie die Menschen hier damit umgehen, macht mir Kopfschmerzen. Hyrarchiekampf, Mobbing usw, all die alten Dreckspiele die ich in meiner Karriere erlebte, kamen hoch und machten es nicht so einfach in alte Fusstapfen zu treten. Aber das ist okay. So ein bisschen Versklaven ist gut und es gibt viele Menschen die von mir profitieren können, denn ab jetzt stehe ich drüber und lasse mich nicht mehr drücken. Solange ein Mensch mir gegenüber steht, wird er es schwer haben zu bestehen. Der Einzige weg mich zu besiegen wird der Schmutzige sein. Weil dann spiele ich nicht mehr mit und überlasse meinen Platz gerne - mit dem unnötigen Herzschmerz und Unverständnis. 

Die Menschen um mich herum sind super. Auch wenn nur die wenigsten wirklich verstehen, was in meinem Kopf abgeht und woher das kommt, es wird akzeptiert. Um mich zu verstehen muss man nicht gereist sein. Ich treffe zur Zeit Menschen, die nie weg waren, das "Hippy-Gen" wie ich es gerne nenne, in sich tragen. Ich habe mich verändert auf eine Gute Art und irgendwie spüre ich die Sehnsucht der Menschen nach diesem Gefühl, das in meinem Herzen wohnt. Ja, es hat auch destruktive Seiten. Das Risiko wird ganz untypisch für einen Schweizer gesucht und ausgereizt. 

Die Meisten fallen nach ihrer reise ins alte Schema zurück und verdrängen die geschlossenen Freundschaften von der Zeit unterwegs. Die Einen aus Angst vor Schmerz, andere aus Lügen zu sich selber. Als Negativbeispiel nenne ich die Tessa. Ich plante lange meinen Besuch in Amsterdam zusammen mit Freunden. Doch Tessa versagte kläglich und aus dem Versprechen, das wir uns sehen würden, egal was in der Zwischenzeit passiert, wurde nichts. Ich war sehr enttäuscht. Jedoch habe ich fast noch mehr Mitleid, denn sie muss grosse Schmerzen haben, wenn sie die Zeit unterwegs so verdrängt, obwohl sie doch so toll und öffnend gewesen war. 

Ganz anders war es aber, als ich mit Benj und Manuel die Lisi und Anne in München besuchten. Diese Unbeschwertheit, die uns damals zu Freunden machte, war nicht gewichen, obwohl wir uns ein Jahr nicht gesehen haben und der Kontakt nur spärlich gewesen war. Das zeigt, wie Menschen, die ihrem Geist die Chance gegeben haben, ehrlich und offen zu sich und seinen Gefühlen zu sein, keine Angst vor Erinnerungen haben. Sie haben auf Reise sich ausgelebt und gelernt, dieses "etwas" zu bewahren. Es war eine grosse Freude, das die Gruppe zu seinem gegebenem Versprechen stand und die Puzzleteile wieder zusammen fügte. Diese sind über die ganze Welt verstreut und Skype hält sie zusammen.

Jetzt können wir nur hoffen, dass ich nicht in alte Muster zurück falle und das bleibe, was ich geworden bin. Ein toller Junge, dem es nicht mehr schwer fällt, etwas anders zu sein. denn das fühlt sich ziemlich cool an =)

Dienstag, 13. März 2012

Die Jobsuche


13. März 2011 - Untersiggenthal

Es fühlt sich gut an, mal wieder auf das Icon zu klicken, zuzusehen, wie das Symbol Aufflackert um mir zu zeigen, das sich bald das Programm öffnet. Und "plopp", da ist es. Mein liebes, nettes Textedit, auf dem ich das letzte Jahr beinahe jeden Tag an "Operation Rückenwind gearbeitet habe. Ja, es fühlt sich gut an wieder zu schreiben. 

Ich musste mich lange auf den Tag gedulden. Das hat damit zu tun, dass ich mich entschlossen habe, nach meiner Heimkehr alles zur Ruhe kommen zu lassen. Viele von Euch sind mir gefolgt. Einige länger, andere kürzer und oft kam die Frage: "Lukas, bist du angekommen?" Nun, der Rückenwind ist tatsächlich etwas verblasst. Das liegt jedoch nur halb an mir. Es ist eine lange Geschichte. 

Seit heute habe ich wieder einen Job. Genau 70 Tage nach meiner Landung durfte ich positiven Bescheid erfahren. Manche sagen, dass der Teufel in der Not Fliegen frisst, ich bin nur dankbar über eine Chance, die ich bei einer namhaften Firma im Telekommunikationsbereich erhalte. Quereinsteiger natürlich. Ich geb's zu, es war nicht die erste Wahl. Aber eine solide und gute, die in mir Begeisterung weckt und für die ich gekämpft habe. 

Was ist Passiert? So viel vor weg, aus meinem Plan anzukommen, unter Hilfe des Arbeitsamtes einen Job zu suchen um im Sommer wieder auf zu brechen wurde nichts. Alles sah rosig aus doch dann unterlief mir ein schlimmer Fehler. Fest in der Annahme ich könne mich noch vor Weihnachten beim Arbeitsamt melden, fand ich mich vor geschlossenen Türen wieder. Unverhofft war das Amt bis ins neue Jahr zu und gab mir keine Möglichkeit mich vor dem neuen Jahr zu melden. Ich muss dass vielleicht kurz erklären, denn das Gesetz schreibt vor, dass man um Anspruch auf Arbeitslosengeld zu haben, in den letzten 2 Jahren 12 Monate gearbeitet haben muss. Mein Vertrag lief damals bis am 31. Dezember 2010. Weil ich mich nun nicht vor diesem Datum, 2 Jahre später, melden konnte, erhielt ich die Höchststraffe. 12 Monate werde ich vom Staat keine Unterstützung erhalten. Ja, das war ein Tiefschlag. Sozialhilfe der nächste Schritt.

Ihr könnt euch vorstellen, wie ich mich fühlte. Da kommst du nach Hause, obwohl du locker und ohne Probleme noch 6 Monate hättest weiter machen können. Verschwendest dein Geld an Airlines und teure Ersatzflüge (im übrigen habe ich nie eine Rückzahlung oder Weiteres erhalten) und schmeisst dein letztes Geld quasi aus dem Fenster oder besser: den Säuen vor die Füsse. Ja, so fühlte sich das an. Da war ich nun, ein "Opfer" der Bürokratie des Arbeitsamtes. Von denen im Stich gelassen, die einem helfen sollten - vom Prinzen zum Bettelknaben innert einer Woche. 

Zum Glück standen meine Eltern auf meiner Seite und ich konnte auf die Unterstützung meiner Freunde zählen. Das hielt mich lange am Lachen. 

Ich habe dann begonnen mich zu bewerben. 40-50-60 Bewerbungen gingen auf verschiedenen Kanälen in alle Richtungen raus. Doch niemand wollte mich. Da fehlte ein Diplömchen, da ein gutes Zeugnisschen, obwohl jeder wusste, das ich den Job wohl besser gemacht hätte, wie alle anderen. Mein Lachen verschwand und ich kam der Depression gefährlich nahe. Dabei hätte ich doch so viel zu Viten. Leider wusste das auch mein vorheriger Arbeitgeber nicht zu schätzen, wie gross mein Anteil am Erfolg der Firma war und hatte es somit auch nicht niedergeschrieben.  ja, da war sie wieder, die gute, alte Bürokratie. Ich hab gedacht, die in China wäre schlimm, aber das hier, das hier geht tief. 

Anfang März dann fiel ich in ein sehr tiefes Loch und verlor neben meinem Lachen mein ganzes in einem Jahr gewonnenes Selbstvertrauen. Ich verlor den Mut mich in meinem ausgebildeten Job zu bewerben im Wissen, dass ich mit meinen vom Arbeitgeber erstellten Referenzen keine Chance habe. Das ich den Grössten Webshop für Videospiele der Schweiz designt habe, interessierte niemanden. Eine Weiterbildung fühlte sich aufgrund Jahrelanger Verpflichtung an wie eine Hand, die meinen Magen umklammerte und zu erdrücken drohte. Ich wollte doch reisen!Wohin wo man mich braucht und nicht hier verenden, wo ich nicht benötigt werde. Trotzdem fasste ich mir ein Studium ins Auge. Tourismus! Das, ja das hätte ich mir vorstellen können. Jedoch fehlt es wiederum an einem - den Finanzen. 

Beruf kommt doch von Berufung. Warum lässt man es dann nicht zu?
So stelle ich die Frage an euch, liebe Leser, bin ich angekommen?

Heute erledigte sich mindestens dieses Thema. Ich werde anfangen zu Arbeiten, meine Lebensfreude, die aus dem Lazarett bald nach Hause kommt, weiter versprühen und mir eine Grundlage aufbauen. Es zieht mich weg. Mehr den je und ich weiss was ich zu tun habe. Der Kampf ist ein harter aber ich habe ein Ziel und erstelle mir die nötige Grundlage durch Verzicht und Geduld. 

Ich werde wieder los ziehen, eines Tages. Und dann auf die Unannehmlichkeiten einer Rückkehr in eine Heimat, die keine mehr sein will, verzichten.