Mittwoch, 28. November 2012

Paragliden - Tag 2 - Aller Anfang ist schwer

28. November 2012 - Bucaramanga

Es ist schon spät an Tag 2. Ich habe mich mit Stephan verquatscht. Ein tolles Gespräch übers Paragliden, das mich nach dem heutigen kurztief wieder aufbaute. 
Von Anfang an:

Russel hatte eine überraschung für mich bereit. Morgen früh, nach guten 10 Stunden Powerschlaf, durfte ich zum ersten Mal Hand an den grossen Schirm legen. Während ich gestern noch mit einem so genannten Speedkite übte, der bei dem vielen Wind hier oben einfacher zu handeln ist, ist der grosse Schirm ein anderes Kaliber. Ich verstehe noch nicht ganz die Zusammenhänge. Gestern ging es zwar ziemlich gut, jedoch wusste ich nie genau, warum der Gleiter oben blieb, ich habs einfach natürlich gemacht, sehr zum erstaunen der anderen. Das hier war aber eine grössere Nummer. Erstens braucht es viel mehr kraft. Bis ich es mal schnallte, dass ich beim Start viel mehr Kraft aus meinen Hüften nehmen muss, wie aus den schwächeren Armen, dauerte es. 

Der grosse Schirm war aber ein anderes Kaliber. Immer und immer wieder versenkte ich ihn beim Versuch ihn aufzustellen irgendwo im Startgelände und die armen, kleinen Helferchen legten ihn mir immer wieder abflugbereit hin. Abfliegne will ich nicht, nur diesen Scheiss Drachen nach oben kriegen und auch da halten, so wie gestern mit dem kleinen. Ich übte 3 Stunden, dann war mittag. 

Nachmittags überraschte mich Russel erneut. Tandem flog er mich zu meinem ersten Paraglydeflug überhaupt hinaus, über die Kante. Es war ein krasses Gefühl zum ersten Mal über diese ominöse Kante of no Return zu gehen. Denn da gehts steil abwärts und das beste was passieren kann, ist dass du in nem Baum hängen bleibst. 

In der Luft erklärt er mir viel über die Thermik, das A und O des Gleitens und er steuert einige an, gut zu erkennen, weil sich da auch die Krähen nach oben treiben lassen. Dann legte ich selber Hand an und steuerte unter genauer Anweisung Russels und flog einige Schwünge... Doch dann kam es... 

Das ewige auf und ab... machte mich, ob mans glaubt oder nicht, Seekrank. Seekrank in der Luft. Mir wurde Speiübel und beinahe hätte ich auf die Armen Bauern unter mir herabgekotzt... Russel beruhigte mich dann aber und meint, es sei wie Autofahren. Wenn man selbst fährt, wird einem nicht schlächt, als Beifahrer aber shcon. Soll ich ihm jetzt sagen, dass ich keinen Führerschein habe?... 

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass an Stephan und den andere Oesterreichischen Piloten irgendwas speziell ist. Surfer sehen aus wie Surfer, chinesische Tischtennisspieler wie chinesische Tischtennisspieler und Paraglider wie Paraglider. Kurz gegoogelt und was sehe ich? Mit Stan und mir am Tisch sassen die Nummer 2, die Weltnummer 6 und 7 der aktuellen Acrobatik Paragliding Weltcups. Ich hab mir schon gedacht, die Jungs sind gut. Und ich als blutiger Anfänger, der jedes mal als Teil des Teams auftritt, morgens am Hang, kriege kaum meinen Schirm hoch, während die anderen da jonglieren und Kunsttücke machen. Immerhin weiss ich jetzt, dass ich nach 10 Tagen nicht so gut sein muss, wie die - das dachte ich nämlich zuerst :D

Und gekotzt haben sie alle auch schon mal.

Ich war etwas frustriert und brauchte einige gute Worte von Stan und unseren Weltcuppiloten. Ich will nicht schon wieder von irgend etwas aufgehalten werden, dass zu tun, was ich möchte. Es soll doch einfach mal etwas funktionieren. Zuerst das Tauchen, dass der Boottrip und jetzt das. Bah, ich sollte nicht zu viel darüber nach denken.


Paragliden Tag 1 - Das neue Element

27. November 2012 - Bucaramanga

Nachdem aus dem angestrebten Vipassanakurs ja bekanntlich nichts wurde, habe ich n ach alternativen gesucht. Ich will an einem Ort bleiben für länger und etwas spirituelles tun. Nach langem Googeln blieb ich an Bucaramanga hängen, wo ich heute morgen, 10.30 mit dem Bus aufschlug. "Uninspirierte Stadt mit vielen uninspirierten Hochhäusern" meint Lonely Planet - Das mag sein, interessiert mich nicht, denn von Oben sieht alles besser aus. Von weit oben. Vom Himmel. Hier lerne ich Paraglyden. 

Dem Taxifahrer musste ich erst mal erklären, wo ich hin wollte. Auch er merkte nicht, dass ich kein Wort verstehe, von was er sagt. Und als ich ihm sagte :"Non entyendo", was soviel heisst wie, "ich verstehe nada! " sprach er nochmal das gleiche, nur noch lauter. Abermals teilte ich mit, dass ich ihn immer noch nicht verstehe, worauf folge, dass er mich anschrieh und nochmals das gleiche sagte :D

Nachdem ich auch seine Kinder durchs College brachte, stand ich da, bei der Startrammpe und sehe, wie sich die ersten Piloten anstellen. Sie legen ihren Schirm ausgebreitet hin, holen Anlauf, rennen wie gestört mit dem Oberkörper nach vorne und tichten den schirm auf. Manche balancieren zu erst, andere stürzen sich direkt den Hang hinunter. Mir bleibt die Luft weg, will ich das wirklich tun?

30 Minuten später stand ich selbst da. Ja, dass ging schnell. Russel, mein Coach, fliegt selbst seit bald 20 Jahren und unterrichter hier in Kolumbien seit gut 6 Jahren. Er ist völlig relaxed. Ich arbeite mit einem Speedglider, das ist ein kleiner, leichter Schirm, der gut ist, um zu üben. Ich mache genau dass, was ich die andern vorher hab machen sehen. Rennen, aufstellen und Oben halten. Das geht sehr gut und in die Kondition, abends war ich richtig tod. Aber ich spüre, dass, ja dass könnte es sein. Ich freue mich auf morgen, dann gibts das selbe mit dem grossen Schirm. 

Mit mir studiert Stan, ein Belgier in meinem alter. Er ist bereits an Tag 7 und fliegt bereits alleine. Ich bin beeindruckt. 

Ich fühle mich gut hier. Es ist nicht nur der fantasische Ausblick auf die Stadt, die einem hier oben Träumen lässt, auch der gedanke bald ein neues Element, die Luft zu erkunden, treibt mich an. 

Sich den richtigen angeln.

26. November 2012 - Cartagena - Bucaramanga

Regen kann unangenehm sein. Man sah sich schon selbst den Tag mit Familie und Freunden in der Sonne liegen. Und natürlich war es der erste Tag seid äonen, den man einfach so frei hatte und Petrus hat Waschtag. 

Cartagena ist nass, von unten bis oben durchnässt. Die kleinen Fenster, hinter denen man sonst die Menschen sitzen sieht, beim essen, beim Krimi schauen oder die Wohnung mit tausenden Lichtern für Navidad herrlichten, sind heute alle geschlossen. Kleine Bäche zieren die Strassen und die Wenigen, die sich rauswagen, werden von den kleinen, gelben Taxis nassgespritzt. 

Mein eigenes Taxi wollte mich zuerst nicht mitnehmen. Wer baut auch eine Busstation 20km ausserhalb der Stadt, wo nach 7 kein Shuttle mehr fährt und kein Taxifahrer mehr hinfahren möchte, damit man seinen Bus um 9 erwischen kann? Ich musste tief in die Tasche greiffen. Der Fahrer kann nun seinen Kindern das College finanzieren und ich meinen Bus nehmen. 

Noch während der ersten Stunden winzt mich die Jana an. Sie ist Columbianerin und ihr ist es egal, dass ich kein Spanisch spreche. Mit ihren Reeaugen schaut sie mich an und ich helfe ihr, ihren Saft zu öffnen, der zu fest verschlossen war und gebe ihr meinen Pully, weil sie friert. Was ich bekomme ist fürsorge und eine anmache, meine erste hier und das gleich von einer Frau, die mir auch gefällt. 

Wir labern an die drei Stunden, bis sie aussteigt und mich fragt, ob ich mitkommen möchte. Doch ich weiss, dass ich das nicht will und sie merkt es auch. Mir ist klar, dass sie einen reichen Mann sucht, der wiederum ihre Kinder durchs College bringt. Jedoch ist mein soll für Spenden für heute erfüllt - auch wenn ich bei ihr definitiv Gegenleistung erhalten hätte, die jeder nicht anders verliebte Mann niemals ausgeschlagen hätte. "Ich bin nicht der richtige für dich!" Versuch ich zu sagen. 

Während die Klimaanlage heute mal wieder besonders kalt war, das auch jeder besonders gut schlafen konnte, zog ich meine Trümpfe. Mit Isländer und langen Hosen bewaffnet, ging ich in die Schlacht und träumte von Wattebauschen und grossbusigen Frauen, wobei das zweite kein wirklicher Traum war. Vor dem Bus stand eine Frau, die sich das wohl zum Geburtstag gewünscht haben muss. So unglaublich hässlich ragen sie raus, als hätte man keine Kissen, sondern Duplo-Bauklötze Waagrecht eingesetzt. Ich überlege mir noch, was man alles tolles da drauf abstellen kann, sage "hallo" zum Land der plastischen Chirurgie und verabschiede mich in die Traumwelt in der ich mich in den Höhen des Himmels wieder finde.

Auf nach Bucaramanga. Ich will fliegen. 

Montag, 26. November 2012

Colors


25. November 2012 - Cartagena


Es sieht ja schon ein bisschen Witzig aus, all die Kinder aus der Stadt, die sich wie so oft am letzten Sonntag des Monats auf dem Castillo treffen. Das liegt wohl daran, dass sie nichts zu berappen haben, denn dann ist es immer kostenlos. Fluoriszierende Kleider, wo jeder Kindsgistreifen alt aussieht dagegen, ärmellos natürlich. dazu Kniehohe lässige Jeans und Farbspray in den Haaren. Ein Bandana machts komplett, nicht zu vergessen aber die bunten Lippen. Auf unsere Frage, ob sie die sachen von der Mama geklaut haben, mussten wir alle zusammen lachen. Hippster sind sie. Kolumbianische Hipster :D Das es sowas gibt hehe. 

Natürlich gibt es auch die richtigen Hippen Menschen hier. Die haben wir in den Nächten kennengelernt. Während in Belize noch simple korpulier-willige Hüftbewegungen reichten, haben die hier die Bienen im Hintern, das glaubst du nicht. Schön sind sie, die Männer und Frauen. Und bewegen können sie sich. Mein Rücken fühlt sich immer noch wie ein einziger, langer knochen an, so wirke ich hölzern, wie ein Besenstil. Doch es kommt, Freunde, es kommt. 

Wir machen fotos mit den Kindern und sie sind so begeistern, dass sie ihr bestes English hervorholen und ich mein bestes nicht vorhandenes Spanisch. Doch das Corazin zählt und wir feilen uns alle über unser Aussehen an. Ich bin ja völlig angetan vom Mikimausgangsteranhänger, der sich Julio, ich denke es ist sein Künstlername, gebastelt hat. Natürlich kann er auch Freestylen. Gut, er hätte auch irgend etwas sagen können, ich hätts nicht verstanden - doch er hat nicht damit gerechnet, dass ihm ein halbtax Freestyler gegenüber sitzt. Ich haue ihm die fettesten Rhymes in feinstem Schweizerdeutsch um die Ohren, während sein Kumpel Carlos den Beat gibt. In your Face Motherfucker :D

Das Castillo ist im übrigen das einzige, das nie zerstört wurde. Weder Herr Drake noch Morgan oder andere Freibeuter haben es je geschafft diese Massive Festung nieder zureisse. Gut für uns, gut für die Spanier :) 15. Jahrhundert. Ich hab schon gestern im Museum gespürt dass damals hier die Post abging. Bah könnte man doch mal kurz zurück reisen :D

Auf dem Nachhauseweg gönnen wir uns einige Freuden der Modernen Zivilisation und ich finde auch endlich neue Schuhe. Meine alten Siebenmeilenstiefel haben ausgedient. Und sie haben einen super Job getan. Jedoch ergibt sich langsam aber sich er hier ein wenig Stress mit meinen Bankkarten. Obwohl hier zum ersten Mal auch das Maestro Zeichen erscheint, ich also eigentlich Gebührenfrei Geld beziehen könnten sollte / sollte können, geht hier gar nichts. Oftmals renne ich zu 4 Automaten bis sich das Roulette dafür entschieden hatt, dass nicht rot oder schwarz sondern Grün kommt. Ich muss deshalb immer einen hohen Geldbetrag mit mir rumtragen um nicht in Gefahr zu laufen, blank zu sein. Das ist nicht gut. Da verliert mein Gesicht jegliche Farbe.

Da beruhigt mich die dudelnde Weihnachtsmusik und die überall für Advent bereitgestellten Weihnachtsbäume und Lichter auch nicht wirklich. Ich weiss noch nicht, wo es mich für mein erstes Weihnachten ohne Familie hinverschlägt. Es ist ein sehr sensibles Thema für mich. Aber wenn alles schief geht, habe ich immerhin einen Eptileptischen Anfall von Neonlichtern. Die Kolumbianer sind dafür bekannt, am meisten Lichter überall hin zu hängen. Bunt natürlich. 




at day / at night


24. November 2012 - Cartagena

Kolumbien ist anders. Das habe ich gestern nach wenigen Minuten gespürt. Zudem hat Cartagena zwei Gesichter. Zusammen mit Nieves und anderen Bootsinsasen nutzen wir unsere lose Freundschaften um heute zum letzten Mal den Tag und die Nacht zu erobern. Wo steckt blos der Roel? Der müsste inzwischen auch hier sein. 

en el día el sol está brillando
Der Tag beginnt früh. Limonade auf dem Balkon meiner Unterkunft. Unter mir die ersten Strassenhändler und Marktschreier, die ihre Gebete in die sängende Hitze stossen. Die Wege sind eng, hier in Cartagena, der wohl schönsten Altstadt, die ich seit Weltstadt Baden gesehen habe. 
Ich strolle durch die engen Strässchen mit ihren überhängenden Balkonen. Geniese die Farben und die Menschen, die sie noch bunter machen. Da ist eine Kirche, in die ich gehe und Kinder bei der Erstkommunion sehe. Wenn der Mann am Keyboard an meiner Kommunion solch schreckliche Musik gespielt hätte, wäre wohl gleich meine erste Sünde passiert. 
Das Geocaching führt mich an zwei wunderbare Orte, an denen ich mich ins grüne Gras lege und den Himmel betrachte, die Briese, die vom Meer rüberkommt, gibt mir Kraft zurück um am Zweiten Ceocache ein Museum zu besuchen. Ich liebe es an Orte zu kommen, die ich in Videospielen bereits schon mal begangen habe. Wie eben das Museum für Caribische Schiffahrt. Sir Francis Drake wird hochgelobt, doch die Reliquie, die man im Spiel sucht, ein Model des Schiffes von Sir Drake suche ich vergebens - Alles andere war jedoch warheitsgetreu dort, wo es im Spiel auch war. Das war intensiv. 
Die Menschen hier sind stolz und freuen sich über Touristen, habe ich mir erzählen lassen und ich finde das auch. Ich habe Berührungsängste. Zentralamerika war für mich als Mann so hart sozial gesehen. Trotzdem wird hier meine in Nepal gestartete Theorie, dass stolze Nationen freundlicher zu Gästen sind, bestätigt. 
Ich begehe die Stadtmauer, besuche einige Forts aus der Zeit der Spayards und esse gemütlich auf der Strasse und sauge das Leben auf. Hier gefällt es mir.  

pero la noche es diferente
Während die meisten Gassen verlassen sind und von Hunden in einer epischen Schlacht zurückerobert worden sind, fühlt es sich Gespänstisch an. Die Schatten der wenigen Lichter beläuchten nur karg, was der Sonnenschein sonst in schönste Farben hüllt. 
Während aus wenigen Häusern die Bässe klingen, erscheinen auch all die Menschen auf der Oberfläche, die vom System ausgespruckt worden sind. Cokedealer, Luden alles was die Dunkelheit bevorzugt. Viele Westler, die auf dem Stoff hängen geblieben sind, erzählen irgendwelche Horrorgeschichten, um von den anderen Geld zu ergaunern. 
Auf dem Glockenturmplatz sind die Tänzer verschwunden und die schaaren von Touristen sind wohl zurück in ihren Hotels oder haben ihr Touristenoutfit abgelegt und liegen in einer der vielen Spielhöllen der Stadt. Wenige sind noch hier und bedienen sich am Angebot an leichten Frauen, die nun den Platz und den Park des Nationalhelden Bolivar bevölkern. 

Doch eines verliert der Ort auch in der Nacht nicht - Seine unbändige Passion und die Lebensfreude, die mir in den letzten Wochen oftmals so gefehlt hat. 








Freitag, 23. November 2012

Capt. Luke Swallow is Back. Jarr!

18-23. November 2012 - Panama City (Panama) - Cartagena (Columbia)

Tag 1

Mit einem lauten "Jarr* enterte ich das Strassenschiff in die Stadt wo einst Sir Francis Drake und Sir James Morgan sich gute Nacht sagten. Columbas gab ihr den lyrisch, bis dato unverbrauchten Namen "Portobello". Mal sehen, wie viel Schönheit sie für einen Alpenpiraten oder *Freibeuter in Ausbildung" noch bereit hällt, oder ob dort die Süsswasserpiraten gleich reihenweise über die Planke gehen.

Ich könnte sie verstehen, wenn sies tun würden in Anbetracht dass sich die leichten Frauen und wilden Trunkenbolde wohl im toten Winkel meines Holzauges aufzuhalten scheinen. Alles was ich erspähe sind Ruinen alter Tage, Yes Sir, da ist nicht mehr viel von alter Glorie. Wo ist sie? Wohl abgefahren mit all den anderen Landratten, die mit mir im Laufe des Tages mit Rum in Massen, als wollten sie die Conquisitatoren nicht ersäbeln, sondern ersäufen. 








Tag 2

Wàhrend drei tapfere Anwärter die Galleonsfigur hoch hielten und fleissig Rum teilte, als wär aller Tage Abend, teilte sich der Rest der Crew in Regelmässigen Abständen die Reling. Der alte Luke Swallow gewann diesen Wettbewerb souverän - Erster! - und ernennt nach 10 Stunden lieblichen Umarmens die Schiffsumrandung zu seinem neuen besten Freund. Der Freund, der während der wohl härtesten Zeit seines Lebens nicht von seiner Seite wich. 

Erst als der Sturm sich legte, konnte man in die Kojen zur wohl verdienten Rast. Ein echter Pirat schläft bekanntlich nicht, wenn Land in sicht ist. Ich muss zugeben, die Suche nach der perfekten Insel für unseren Schatz wird nicht einfach. Palmen, glasklares Wasser und nicht grösser wie unser Mast mal 2. Wo wird das Grosse X auf die Karte gesetzt?

Doch ret mal muss die grosse Holzkiste noch mit Gold und Dkaten Gefüllt werden. Ein geeignetes Ziel für einen Überfall scheint eine der von "Kuna's" bewohnten Inseln zu sein. Diese Indianer leben isoliert un von Handel, auf ihren kleinen Inseln wächst nuchts anderes als Fisch und Seegras. Da ist wol nicht viel zu holen. Im Gegenteil tauschten wir Reis und Papier mit Amerikanischen Präsidenten drauf  gegen Scmuck. 

Nieves, eine Piratenbraut aus Dagmersellen, alte Bekannte aus Brieftaubenzeiten, findet sich durch Zufall auch auf dem Schiff und versucht sich des Kidnappings. Doch wer will schon auf ein Kind aufpassen auf dem Meer? Ich nicht! NO SIR!

Während ich dem Rest der Crew den Abend frei gab, sich beim Landgang auf der Barinsel gehörig einen zu gönnen, blieb ich Loyal zu meinem neuen besten Freund. 









Tag 3

Die gestrige Nacht war für einige sehr lang geworden und als Smutie Kyle diesen Morgen das Deck schrubbt, wischt er mehr wie eine Schnappsleiche von Bord. Ab ins kühle Wasser, auch für mich. Mein Magen will weder essen noch trinken. ABstinenz für den grossen Luke Swallow, das gibts doch nicht. Zwangsdiät, kann doch nicht sein. 

Das grosse Steuerrad schwang 180 Grad und es hies Kiel hohlen. Weiter ging die Fahrt vorbei an den von wilden bewohnten Inseln von San Blas, weiter ing die Suche nach der perfekten Insel für unseren Schatz. Da war eine mit Palmen aber ohne türkis Wasser. Die nächste hatte zwar die Farbe aber nur eine Palme. Wir glaubten schon unseren Schatz mit nach Cartagena nehmen zu jmüssen, was so sisifus gleichkäme, weil jeder normale Pirat von dort Gold hohlt und nicht bringt. Yes SIr!

Da plötzlich erschien sie am Horizont und wir hiessten die Segel. Da war sie. Majestätisch bewacht von herabstechenden Pelikanen, von türkisem Wasser umgeben und den perfekten Palmem bewachsen. Genau Richtig für unseren Schatz. Ich zeige uech die Karte kurz, ihr dürft sie euch aber nicht merken. No Sir!



Vom einsamen Stein am Strand:
- 1 Schritt Nord, dann 3 Schritt West, 2 Schritt Nord, 2 Schritt Osten, ein halber Schritt Südlich, 5 Schritte östlich und 3 Schritte Nördlich. Das X markiert die Stelle. 

Jarr. 

Der Grog ist heute aus und so gibts Abends Fidelmusik, Weib und Gesang ums Feuer (Siehe Karte). Den Rum gabs pur. Wir sind schliesslich richtige Piraten. Oder ist das blos die Ruhe vor dem kommenden Sturm? Bald können wir beruhigt in den Hafen von Cartagena einlaufen. Es ziehen düstere Wolken auf am Himmel. Der Papagei verkriecht sich unter seinen gestutzten Federn. 






Tag 5

Yes Sir, Tag 4 können wir vergessen, den Tag, an dem Luke Swallow sogar seinen besten Freund verfluchte. Man sagte mir, sollte ich auf den 36 Stunden Überfahrt in die Goldene Stadt das Übel ergreiffen, soll ich mich hinlegen, Augen schliessen und hoffen, dass es vorbei geht. So lag ich da - geschlagene 36 Stunden, am selben Fleck. Nichts mehr mit Ambitionen, gebrochener Katzenpirat. Jawoll, Herr Dachs. 


Tag 6. 

Die glorreiche Einfahrt nach Cartagena erlebte ich vom Deck mit. Meine Ambitionen nicht Flugmaschinen zu benutzen, bezahlte ich die Tage teuer. Rückenschmerzen, 4 Tage überlkeit, kaum was gegessen, kaum getrunken. So mies ging es mir noch selten. 

Früher bei den Pfadfindern trug ich noch den Namen "Neptrun", doch die können mich doch alle mal :D Eins ist klar, meine Zukunft ist weder unter noch überm Wasser. No Sir! Daran werde ich mich in erinnert. Und deshalb, no schiet, resigniere ich und kapituliere nicht vor ihnen, no Sir, sondern dem mir als unangenehmstem Element dieses Planeten - dem Wasser. 



Panama Stadt Extrem


17. November 2012 - Panama City (Panama)


Das darf ja wohl nicht war sein. Da komm ich leicht verkatert (Das Bier hier ist auch zuuu gut und meine Freude Nieves zu treffen trug sicher auch dazu bei) aus dem Dorm gekrochen und erkundige mich, wie ich denn zum Kanal komme. Und wer steht da plötzlich hinter mir? ROEL! Diesmal ohne seine Hostessen im Schlepptau, ist er die ganze Nacht durchgefahren, in der Hoffnung, mich noch zu erreichen, bevor ich hier verdufte und wir uns vielleicht nicht mehr sehen. Das mag ich an ihm. Er ist einer dieser unscheinbaren Travelbuddies, die da sind wenn man sie braucht, es aber total unkompliziert ist, auch mal einige Tage getrennte Wege zu gehen. Wir reisen ja eigentlich gar nicht zusammen, aber irgendwie doch :D

Wir mieten uns Fahrräder und wollen die Stadt etwas erkunden. Er hat in den letzten Tagen nichts von seiner Tollpatschigkeit eingebüsst und radelt mit seinem Fahrrad schnurstracks in die von Banden und Gewalt dominierte Rote Zone. Auf meine Rufe hört er nicht und so verfolgen wir uns durch diese Gegend mit unseren auf Hochglanz polierten Bikes. Schon die ganze Zeit schauen uns die Locals an, hauptsächlich Jungs aus den ärmlichen Hochhausbauten der Vorstadt und man weiss genau, ein Fehler und wir sind nicht nur unsere Bikes los - Nur Roel kriegt das nicht mit und radelt munter weiter, bis wir unsanft von einer Gruppe Polizisten gestoppt werden. Roel weiss gar nicht wie ihm passiert und setzt seinen Fahrradhelm auf, in der Meinung, das sei das Problem. 

Ihr hättet das sehen sollen, wie wir zwei verpeilten Touristen im tiefsten Ghetto von Panama Stadt. 20 Stöckige Hochhäuser, die sich nach Vorne lehnen und beim nächsten Windstoss umfallen. Der Junge mit der gelähmten Gesichtshälfte, der fluchend durch die Strasse rennt. Mit dem Finger dreckig lachend auf uns zeigende Männer an Fenstern, die Waffe in den Schritt gesteckt. Und wir auf unseren Lila Miet Velos mittendrin umrundet von Polizisten. Es dauerte 10 Minuten bis wir grünes Licht bekamen. Dann geschah unglaubliches - Wir kriegten eine Eskorte. Vorne 2 Polizeiautos mit Blaulicht. In der Mitte Roel und Ich, immer noch auf unseren Lila Fahrrädern, inzwischen mit Helm, und hinter uns ein Buggie-Jeep, bewaffnet mit einem Standmaschinengewehr und drei Soldaten inklusive Fahrer. So bewegten wir uns langsam zurück in die sichere Altstadt. 

Nach ankunft bedankten wir uns tausendmal bei der Tourismuspolizei und warfen unsere Fahrräder erst mal in die Ecke. =)

Mit Polizeieskorte eskortiert werden - Check! 

Der Panamakanal. Von den Franzosen erdacht, schlussendlich umgesetzt von den Amerikanern im Tausch für die Pachtung des Kanals an die Vereinigten Staaten bis ins Jahr 1999 und Ursprung sämtlicher Entiwcklungsmöglichkeiten des Landes. Die Panamananer (oder wie man die nennt) sind stolz auf ihr Bauwerk. Auf die Ingenieurtechnische Meisterleistung. Zur Zeit bauen sie neue Schleusen und graben die Kanäle noch tiefer. Pünktlich zum 100 Jährigen bestehen des Panama-Kanals wird die Kapazität somit verdoppelt.

Völlig ohne Probleme erreichten wir hinter den getönten Scheiben des sicheren Taxis die Miraflores Schleusen. Das ist der Ort, wo am Kanal die Meiste Action passiert. Ich kann mich erinnern, dass der Panamakanal lange das einzige war, was ich von dieser Gegend kannte, denn in der Schule lernt man so einiges über den Suez- und eben den Kanal hier. Es fühlt sich ein bisschen an wie damals in New York, wenn man zum ersten Mal die Freiheitsstatue sieht. 

Roel und ich waren hellauf begeistert. Roel, inzwischen auch geistig angekommen, erklärte mir wie ein kleines Kind vor Weihnachten, wie das alles funktioniert. Er hätte als Kind sogar mal ein Bastelbogen von den Miraflores Schleusen gehabt. :D Mit funkelnden Augen stehen wir auf der Zuschauerplattform bis - ja, bis - bis da ein Schiff mit der Aufschrift: "Hamburg Süd" in die Schleuse fährt. Ich musste lachen - Das kann doch nicht sein! Erinnert ihr euch an das Bild aus Hamburg, wo die Ulla und ich vor diesem grossen Schiff im Hafen posierten? Ja, das war die Bahia Blanca - Das Schiff, das hier gerade vor meinen Augen durch die Schleusen des Panamakanals schippert. 

Hätte ich das mal gewusst, dann hätten die mich auch gleich mitnehmen können :D 

Neben all den Intensiven Erlebnissen von Heute, möchte ich mich bei Jenny entschuldigen. Wir hatten heute zum Skypen abgemacht. Jedoch viel im ganzen Stadtteil das Internet (mal wieder) zur genau falschen Zeit aus. Ich schreibe das hier um auch euch mit zu teilen, liebe leser, dass ich ja morgen mich auf den Weg nach Portobello mache, von wo aus das Boot nach Cartagena fährt. Für die nächsten 6 Tage werde ich somit keinen Kontakt zur Aussenwelt haben. Nur die See, der Kapitän, das Schiff und ich. 





Alte Mythen und neue Rätsel

16. November 2012 - Jan Jose (Costa Rica) - Panama City (Panama)




Meine Zeit in Zentralamerika neigt sich immer mehr dem Ende zu. Ich warte zwar immer noch auf die Bestätigung aus Medellin, dass ich die 10 Tage Vipassana wirklich antreten kann. Trotzdem rechne ich weiter damit und ein weiterer Schritt dazu war die heutige Reise nach Panama Stadt, der einzigen Metropole in Zentralamerika mit einer Skyline. 

Es ist an der Zeit sich einem der Mythen des Reisen zu zu wenden. Der Aircondition in Reisebussen. Der Busfahrer meinte es mal wieder sehr gut mit der Aircon. Zum ersten Mal allerdings war es nachverfolgbar. über der Fahrerkabine befand sich nämlich ein elektronisches Schild, dass fleissig zwischen aktueller Uhrzeit und der Raumtemparatur hin und her wechselte. 02:00 *Zapp* 17 Grad Celsius. Um mich herum herrscht allgemeines Schlottern. Die Pasagiere sind hauptsächlich Zentralamerikaner, dick eingepackt in Skijacken und Mütze, einige sogar mit Handschuhen. Sowas hab ich noch nie gesehn. 
Bereits in Asien habe ich mich gefragt, warum man sowas macht. Neben mir sitzt Steve, er ist Costa Ricaner und schlottert mit mir um die Wette. Er erklärt mir, dass Kälte hier ein Zeichen von Luxus ist. In Costta Rica ist es immer etwa gleich warm. Somit geniessen es die Menschen im Bus zu frieren. Und er ist der Kälte auch nicht abgeneigt. Erst am nächsten Morgen, als er feststellt, dass er kein Auge zu getan hat die ganze Nacht, stimmt er mir zu, dass cool hald doch nicht immer cool ist. 

Neben Costa Rica ist Panama das einzige Land hier in der Gegend, dass neben einem Einreiseticket auch ein Ausreiseticket verlangt. In Form eines Fluges nach Hause oder in ein Nachbarland. In Costa Rica kam ich noch drum rum, weil ich so schlau war, mir mein Ticket nach Panama von der "No-Internet-Sir"-Lady in Rivas zu kaufen. Aber dieses Mal musste ich anderes Geschütz auffahren. 

Weil mir nämlich noch die Bestätigung für meine Ausreise per Schiff fehlt, hab ich kurzerhand mein altes Flugticket von Frankfurt nach Cancun in Fotoshop geöffnet und mal kurz Frankfurt mit Panama ersetzt und aus Cancun wiederum Frankfurt gemacht. Dieses Gefälschte Dokument lud ich dann auf mein Handy, um es an der Grenze vor zu weisen. Und siehe da, Kurzer Blick des Zöllners auf mein Handy und zack hatte ich den Stempel im Pass. 

Das erwähne ich gerne, weil nach der Grenze unser Bus nur noch halb gefüllt war - denn die meisten Reisedokumente meiner Mitreisenden waren ungültig oder inkomplett - zu wenig um nach Panama reisen zu dürfen. Auch ein Schweizer Paar hat es nicht geschafft - ihnen Fehlte genau dieses Ausreiseticket. Klar, sie konnten an der Grenze für teures Geld eines kaufen, jedoch war bis dahin der Tica Bus abgefahren. In dessen Statuten steht, dass er nicht auf Leute mit ungültigen Dokumenten warten muss. 









Freitag, 16. November 2012

Welt Diabetes Tag

15. November 2012 - Jan Jose (Costa Rica)

Carlitos erzählt mir stolz, wie klar das Wasser ist, dort wo er herkommt. Wenn er nachts schwimmen geht, so erzählt er, leuchtet alles  alles um ihn herum. Sein Körper, die der Fische erhalten einen feinen umriss. Die kleinen Lebewesen im Wasser reagieren auf jede Veränderung um sie herum und erzeugen dabei Licht. Ja das ist Puerto Rico, Carlitos Heimat. 

Wir sitzen in San Jose im Mac Donalds und lestern fleissig über die unmögliche Reise hier her. Über die Ticketverkäuferin und ihr wieder funktionierendes Internet, über die schlimmen Gringos hier und über unsere Freunde daheim und dass wir scheinbar in Leon über ne Stunde palavert haben im Club - ich aber davon gänzlich nichts mehr weiss ;-)

Wir entscheiden hier nicht zu essen und machen uns auf den Weg in den Park, wo wir uns in ein Kaffee setzen, was zwar nicht minder billiger ist, aber immerhin guten Café serviert und einen netten Pastateller. Carlitos spielt schon die ganze Zeit mit etwas in seinen Händen herum. Jetzt sehe ich es, es ist eine Spritze. Etwas scheu frage ich um den Inhalt der schmalen Kanüle und erhalte iene Antwort, die mich jetzt überraschte. "Its Insulin, my friend". Carlitos hat Diabetes. "Its so strong, i have to do this bevore every meal". 

Wir wechseln den Schauplatz und begeben uns ins Museum für Moderne Costa Ricanische Kunst, wo eine Ausstellung über 10 Künstlerinnen aus den 70ern stattfindet. Ein tolles Kolonialgebäude gleich hinter dem Park - dem Grössten in Zentralamerika. 

Es ist Schicksal, dass ich ausgerechnet heute, dem "Welt-Diabetes-Tag" einem jungen Mann begegne, dessen Leben nun nach anderen Regeln spielt. Er senkt seinen Kopf und erzählt mir, dass er Glück hatte, als TOuristenführer arbeiten zu können. Unter anderen finanziellen Umständen, könnte er sich die Medizin nicht leisten und wäre mit Sicherheit tod. 

Das kühle Wetter in San Jose fühlt sich gleich noch etwas frischer an. Mich berühren Menschen mit Passion, deren Gesicht unbändige Emotion ausstrahlt. Ansonten wären Carlitos und ich wohl nicht ins Gespräch gekommen, gestern abend im Bus. Jetzt ist mir auch klar warum dieser Mann so strahlen kann, wie ein Reaktor nach dem Supergau. Carlitos ist dem Tod von der Klippe gesprungen und geniesst nun jede Sekunde seines Lebens. 

So simpel ist das manchmal. 

Ich bringe ihn noch zum Bus, bevor ich selber mich zum Terminal auf mache. Wir hören auf, wie wir angefangen haben - Mit einem herzhaften Lachen. 

Donnerstag, 15. November 2012

Wrong Wired

14. November 2012 - Isla de Ometepe - San Jose

Mein Highlight heute, war diese leicht ältere Nicaraguanische Frau, die an ihrem kleinen Pult sitzt und eigetlich Tickets für den Bus nach Panama verkaufen sollte. Doch ihr Drama ist, dass ihr Internet seit 3 Tagen nicht mehr funktioniert. Anstatt das zu beheben, schickt sie jeden Kunden weg und vertröstet einem, auch mich, dass es morgen bestimmt wieder funktioniert. 

Ich mag ja diese leichtigkeit, mit der die Menschen hier durchs leben gehen. Trotzdem muss ich heute nach Panama und habe bereits einen unglaublich ansträngenden Reisetag hinter mir, an dem ich mal um die Halbe Insel gerannt bin um irgendwie von ihr Runter zu kommen. Dann noch fast streit gehabt mit dem Taxifahrer, weil er von mir eine Gepäckgebühr wollte, vom reichen Nicaraguaner, der mit mir fuhr, aber nicht. 

Nach einem genaueren Blick auf den Kabelsalat in diesem Büro, glaube ich nicht daran, dass das Internet so je wieder funktionieren wird. Nachdem sie mich erstmal einen Moment lang verdutzt anschaut, ändert sich ihre Mimik, als wolle sie still schreiben, als ich beginne ihr Büro umzuräumen. 
Ihr solltet das mal sehen, ich will nie mehr hören, dass hinter meinem Computer ein Chaos ist. 
Nachdem sie mich beinahe mit ihrem Nudelholz verprügelt, während ich ihren Arbeitsplatz umbaue um Kabellänge zu sparen, schauen mich alle anderen verdutzt an...

...und siehe da, kaum den PC eingeschalten haben wir perfektes Signal und nach kurzer Zeit habe ich ein Bier in der Hand und meine Fahrkarte - Nach San Jose, Costa Rica - alles andere ist inzwischen ausgebucht. BAH! 
Der Bus hatte dann auch noch Verspätung und an der Grenze gab es mal wieder stundenlanges, sinnloses rumstehen. Auf jeden Fall habe ich es nach San Jose geschafft und sitze in einem Hotel mit WIFI - kein Kabelsalat. :D


Mal kurz gelaufen 2nd Edition


13. November 2012 - Isla de Ometepe



Klar geniesse ich die Anwesenheit von Gil und Zeine. Trotzdem zog ich heute nochmal alleine los und lasse den zwei Turteltauben ihre Privatsphäre. Gestern noch hab ich vernommen, dass es auf der Insel einen Wasserfall geben soll, der aus einem Vulkansee entspringt, um schlussendlich wieder in einen Vulkansee zu fliessen.

Ich reise gänzlich ohne Guidebook, was mich veranlasst, bei all den kleinen Häusern aus Lehm und Bleck am Werand immer aufs neue nach dem Weg zum Cascarda zu erkunden. Obwohl mein Spanisch dafür inzwischen weitaus genügt, macht das den Weg nicht kürzer. Überall ernte ich offene Münder, wenn ich den Einheimischen erkläre, dass ich völlig unmotorisiert, nur mit meinen Füssen bis dahin kommen möchte. Das scheint hier wohl nicht so gang und gebe zu sein, obwohl ich ab und an ein sich über Stück und Stein kämpfendes Motorrad überhole. ^^

Nun, die Einheimischen haben nicht untertrieben. Der Weg führte mich zwar durch traumhaften Regenwald und oft auch dem See entlang, der zum Füsse abkühlen mehr als einmal einlud. Es ist so heiss und ich bin nur am trinken. Langsam beginne ich mir zu wünschen es würde mal irgend etwas motorisiertes vorbeikommen, dass mich vielleicht etwas, nur ein kleines Stückchen mitnehmen könnte. Doch da war nix - weit und breit kein Anzeichen von Menschnlichem oder Maschinellem Leben. 

Nach gut 5 Stunden erreiche ich das Wegschild auf dem gross geschrieben steht: "Cascada"!! Ich wollte mich gerade hinsetzen und die Siegeszigarre anzünden, da springt mir das laute Drönen eines Motores ins Ohr. Da kommt doch tatsächlich das erste Fahrzeug des Tages und wer sitzt hinten drauf schreit runter? GIL UND ZEINE! Ich glaubs nicht. Sie haben nach 5 Minuten warten ein Auto stoppen können und sind bis hier her gefahren - den ganzen Weg!

Ich kanns nicht glauben, ihr verfluchten Hurensöhne :D

Während die zwei jungen Rehe die restlichen 3 Kilometer den Berg hinauf hoppsen, warte ich vergebens auf meine zweite Lunge. Als ich ankomme, ja ich habs dann doch noch geschafft, hehe, renke ich mir beim Anblick dieser puren Schönheit fast den Kopf aus. Das ist nicht blos ein Wasserfällchen, nein, das Ding stürzt sich über 100 Meter in die Tiefe. Die Gil gönnt sich bereits eine Dusche und ich geselle mich dankbar hinzu, denn dass hab ich mir verdient - Was für ein Paradiesisches Fleckchen Erde. 

Wir bleiben fast zwei Stunden an diesem speziellen Ort, bevor wir mit ein paar Einheimischen und ihrem Pickup zurück nach Santa Cruz fahren. Gelaufen wäre ich das heute garantiert nicht mehr, hätte mich wohl irgendwo wie ein Käfer aufn Rücken gelegt und hätte wie ein Baby geweint. Der Wasserfall war nämlich erfrischender wie jedes Feierabend-Bier, dass daheim auf uns hätte warten können. 




Mal kurz gelaufen.

12. November 2012 - Isla de Ometepe


Eigentlich wollte ich ja nur Geld abheben. Das gestaltete sich hier auf Ometepe jedoch etwas aufwändiger. Morgan, der Besitzer der Unterkunft war jedoch so nett, mich auf seiner täglichen Einkaufstour mitzunehmen. Während er fleissig Früchte und Gemüse bunkerte, machte ich mich auf den Weg zur Bank und bezog dort erstmal genügend US Dollar. Diese sind hier weitgehend akzeptiert und helfen mir auch bei meinem kommenden kurzen Aufenthalt in Costa Rica etwas zu essen zu kaufen.
Jetzt wo mein Magen wieder in Ordnung ist, will ich auch geniessen, was die Menschen hier kochen.
Als ich zurück komme, ist Morgan weg! na super. Eigentlich haben wir abgemacht, zusammen zurück zu fahren. Aber irgendwas hat da in der Kommunikation wohl nicht ganz gestimmt.
Joa, da hilft weder flennen noch sich nerven - Dann muss ich wohl laufen =) Ich stellte mich auf einen 4 Stunden Marsch ein. Was ich erst als Straffe einstufte, wurde zum grössten Erlebnis seit langem. Endlich konnte ich mir so viel Zeit nehmen wie ich will und mir alles genau angucken. Immer wieder zog es mich von der Strasse z.b. in eine Bananenplantage. Während das Dach der Bäume mich vor der Sonne schüzte wanderte ich durch das Chiquiita-Labyrinth und bin total begeistert.
Mir fällt ein, wie damals die USA in Zusammenarbeit mit der CIA zum ersten Mal in ihrer Geschichte absichtlich eine Regierung stürzten um Zugriff auf den Früchtehandel in Zentralamerika zu erhalten. Tja, wer sich einmal etwas traut, dem fällt es das zweite Mal nicht mehr so schwer...
Wenig später erspähe ich neben mir einen kleinen Hügel. Als wärs nix, schiesse ich in den Wald und erklimme die paar Höhenmeter. Auf dem Weg nach oben bleibe ich immer wieder vor den majestätisch nnmutenden Bäumen stehen. Ich spreche von den Bäumen, die sich mit ihren grossen Wurzeln um jeden Winkel schlängeln, sich an jedem Kieselstein festhalten, damit sie jedes Mineral aus der Fruchtbaren Erde saugen können und er auch den grössten Sturm übersteht. Der Stamm schiesst nicht gerade, so wie schweizer Bäume, sondern schlängelnd in die Höhe auf der Suche nach Licht, bevor er seine Äste ausbreitet und sich selbst zum König des Waldes krönt. Ich werde immer fasziniert sein von diesem Spektakel. Mir scheint, als habe ich in letzter Zeit nicht mehr so genau hingeschaut.
Während ich eine kurze Runde Fussball mit ein par Kindern auf der Strasse spiele, komme ich erneut an den Quellen von gestern vorbei und gönne mir ein kurzes Bad. Auch dieses Mal schaue ich viel genauer hin und entdecke viele wunderschöne Pflanzen in den buntesten Farben und auch den essbaren Hibiskus, der hier wächst. Die ganze rote Blüte inklusive Stempel ist essbar und ein guter Snack für Zwischendurch um etwas im Magen zu haben. Ich nehme mir welche mit.
Als dann plötzlich doch noch ein Bus neben mir auftaucht und fragt, wohin ich will... winke ich ihn cool ab und sage ihm: "Danke, aber heute wird gelaufen!" =) Zwischendurch um etwas im Magen zu haben. Ich nehme mir welche mit.
Als dann plötzlich doch noch ein Bus neben mir auftaucht und fragt, wohin ich will... winke ich ihn cool ab und sage ihm: "Danke, aber heute wird gelaufen!" =)






Baseball und Abzockversuche

11. November 2012 - Isla de Ometepe






Zein und Gil sind echte Morgenmuffel. In so versteinerte Gesichter habe ich schon lange nicht mehr geschaut :) Es dauerte mal wieder ein Momentchen, bis wir endlich auf unseren Bikes den Hügel rauf brausten. 

Doch Gil wird plötzlich hellwach, als eine Motorradbande an Baseballspielern an uns vorbeisausen. Sie schreit schnell und laut "DONDE?" Hinterher und bekommt einen Winkenden Zeigefinder, der auf eine kleine Einfahrt in den Wald zeigt. 
Und Zack, radeln wir über Wurzeln und durch Schlamm. Wir trauen unseren Augen kaum. Da ist eine Lichtung und da sind noch mehr Spieler. Wir sind tatsächlich grad beim Topspiel der Liga Ometepe gelandet. :D Wir müssen nicht zweimal nachdenken und schon sitzen wir am Spielfeldrand und gönnen uns ein Bier und gebratenes Hühnchen. 

Während Gil das Spiel gar nichts sagt, sie sich mehr freut, bei einem solchen lokalen Ereignis dabei zu sein, fiebern Zeine und ich etwa gleichermassen mit dem Aussenseiter, Team Gelb mit. Während diese gar nichts zu stande kriegen und vom nicht nur physisch stärkeren Team Rot förmlich überrannt werden, glauben wir (wohl als einzige vor Ort) an ein Wunder. 

Und es sollte kommen. Team Gelb gelang ein perfektes letztes Inning mit 4 Läufen und konnte so den Score von 3 zu null auf 4 zu 3 kehren. Auf dem Platz ist die Hölle los, alles jubelt und schreit. Wir mittendrin. Wir lassen uns erklären, dass Baseball Nationalsport ist hier in Nicaragua und mehr gespielt wird wie Fussball und Basketball zusammen. Was für ein Erlebnis für uns. 

Als wir uns wieder auf unsere Fahrräder schwingen wollten, fanden wir unsere Reifen in schlechtem Zustand vor. Platt und Aufgeschlitzt. Haben wir etwa fürs falsche Team gefänt? Wir liessen uns die Laune nicht verderben und so schoben wir unsere Räder bis zur nächsten Reparaturstelle. Der alte Mann schien überaupt nicht überrascht zu sein von unserem Erscheinen. Für einen horrenden Preis schlägt er uns vor, die Reifen zu ersetzen. Er weiss genau, das uns nichts anderes übrig bleibt und selbst die härtesten Feil-Skills von Gil, unserer Quotenirsraelin halfen nichts... MMM könnt ihrs auch riechen? Irgendwas an dieser Sache riecht ziemlich faul. Fauler wie des Mechanikers Zähne. 

Es kommt uns vor, als wären wir den ganzen Tag unterwegs gewesen, als wir endlich unsere Adoniskörper in kalten Wasser der Quelle erfrischen. Wir toben rum, als gäbs kein Morgen, denn das haben wir uns verdient :) Wir treffen auf einige andere Touristen, die uns das little Morgan's Hostel gleich um die Ecke empfehlen. Es sei mitten im Wald und habe Seezugang. Wow, das klingt gut, trotzdem wollten wir immer noch das Lokale Geschäft unterstützen. 

Im selben Zug gönnten wir uns eine Kokosnuss, die offiziell auf dem Spanischen Preisschild für 20 Cordobas angepriesen wird. Ein fairer Preis und wir sehen die Nicas vor uns genau 20 Cordobas dafür bezahlen. Wir fragen nach und der Knabe bestätigt uns den Preis. Er bringt die Nüsse, wie vorher die der zwei Local-Frauen, seinem Vater, der sie für uns aufschlägt. Im Gegensatz zu den Kunden vor uns, steht er diesmal aber auf und bringt sie uns persönlich UM anschliessend, haltet euch fest, eine "Nussaufschlagsteuer" zu verlangen. Wir glauben wir hören nicht recht. 100 Cordobas par todos. Es ist schon wieder passiert! Was ist hier eigentlich los in diesem Land? Ich hab vieles erlebt auf meinen Reisen, aber so unglaublich dumme und plumpe versuche waren mir sogar in Anzockerhochburgen wie Kambodscha oder Nepal nicht untergekommen. 

Es lohnt sich nicht wirklich zu diskutieren, denn er beharrt und wird wütend. Wir ebenso und Gil strekt ihm das allgemein bekannte Zeichen für "ich mag dich nicht" mitten ins Gesicht. Dass sie dafür ein "PUTA" erntet, ist ihr sichtlich egal. Wir gehen weg und lassen den Mann mit seinen drei offenen Nüssen und ohne Kundschaft alleine. Denn von jetzt an wollte niemand von den Anwesenden mehr etwas bei ihm kaufen. 

Gegen Abend schlagen wir Todmüde und geschafft im Little Morgans auf. Morgan hat hier im Paradies ein ebenso paradiesisches Hostel eröffnet, dass mir alles gibt, was ich brauche. Gott, ist das schön hier.  Ich sage es nicht gerne - aber es ist so beruhigend, mal für sein Geld das zu kriegen, was einem versprochen wird. Schade nur, dass er kein Nicaraguaner ist.