Donnerstag, 31. Januar 2013

No Ché


28. Januar 2013 - Potos - Sucre

Die 3 stündige Fahrt nach Sucre fühlte sich bereits wie eine Erlösung an. Bei der Ankunft fallen Frida und mir dann aber lautstark die Kiefer auf den geteerten Boden. Das sollte eigentlich schon genug Zeichen dafür sein, dass wir zurück sind. Zurück in einer schönen Stadt. Die Häuser im Kolonialstil, zuckersüss weiss gestrichen. Die Menschen tragen viel westliche Kleidung, das Indigene hier kaum Present. Das hier könnte Spanien sein aber sicher nicht Bolivien, nicht so, wie wir es bis jetzt kennen gelernt haben. Dazu scheint die Sonne angenehm vom Himmel und veranlasst uns noch direkt im Büro der Fluggesellschaft unsere Wintersachen im Rucksack verschwinden zu lassen. 

Wir haben uns entschieden, die gefährliche Strecke von hier bis nach Santa Cruz, wo Frida volunteert und ich nach Rio fliege, von 20 Stunden mit einem Flug auf 30 Minuten zu verkürzen. Für 50 Dollar ersteigen wir ein Ticket und wir sind vollends zufrieden und unser Krankenblues ist wie weggeblasen. Allgemien fühle ich mich erleichtert, nach dem verfassen der gestrigen Worte. Es ist erst 10 Uhr, wir haben noch den ganzen Tag. Bereits auf dem Weg zum Hotel bemerken wir, wie bemerkenswert das hier alles ist. Wunderschöne Kirchen, Gartenanlagen und Bäume die vor allem eins sind: In Stande gehalten. Das sehe ich zum ersten Mal hier in Bolivien. Ich verstehe ja nichts von Politik hier, jedoch wundert es mich nicht, dass Sucre immer gegen Präsident Morales' Ideen stimmt. Dieser Ort ist anders. 

Nach ausgiebiger Internetarbeit dank funktionierendem Internet, fühle ich mich so beflügelt und frühlingsgeflasht, dass ich mich von einem Flyer inspireren lasse und plötzlich Lust empfinde auf dem Weg von Ché Guevara nach Santa Cruz zu reisen. Einige Anbieter in der Stadt haben so einen Trip zusammengestellt, auf dem man in die abgelegensten Dörfer reist, wo sich der Guerillia damals versteckte. Eine interessante Möglichkeit, etwas von der Geschichte mitzukriegen und definitiv spannender als zu fliegen. Mit Hilfe der freundlichen Dame Roxana in der Agentur stellen wir einen Spontantripp zusammen. Mit Bus und einem Tagestrip in die Dörfer, damit ich pünktlich am 31. in Santa Cruz ankomme. Ich bin begeistert und renne zurück ins Flugzeugbüro und staune nicht schlecht, als ich 100% des Flugpreises rückerstattet erhalte. Es ist bereits Abends und wir haben wunderbar Italienisch in einem Aussichtsrestaurant gegessen, als ich ins Büro zurückkehre wo mich die Dame mit der definitiven Reiseroute konfrontiert - und auch dem Preis. Sie hat mich zwei Nächte ins 5 Sterne Hotel eingebucht und ich fahre nur Luxusbus - alleine, weil ich ja keine anderen Menschen mag und sowieso habe ich eine Privatführung weil sie dachte, wenn schon denn schon. Für gesunde 780 Dollar legt sie mir ihr Projekt stolz vor die Nase. 

In einem Land 780 für 2 Busfahrten, Hotel und eine Tagestour auszugeben, in dem der Durchscnittliche Bürger 300 Dollar im Monat verdient... Das wäre vielleicht was für Frau Fronkreisch und ihren Gärtner Jean gewesen, aber sehe ich wirklich aus, als würde ich sowas bezahlen? Ich meine Bildung ist wichtig, aber gleich die ganze Familie durchs College bringen? Eigentlich ist es ja schon prinzipiell krank für irgend etwas sooo viel auszugeben. Schade drum. Ich kaufe eine Busfahrkarte für 15 Dollar nach Sucre und bin irgendwie mit mir zufrieden - im Gegensatz zu Roxana. Frida grinst. 







Mittwoch, 30. Januar 2013

Sick and Tired - But thats not bad.

27. Januar 2013 - Potosi

Während man so krank im Bett liegt, mal abseits von den Fieberträumen, kommt man dazu sich einiges an Gedanken zu machen. Ich bin zwar inzwischen darüber hinweg, dass viele nur hier her kommen um sich abzuschiessen und mit mindestens zwei Australischen Frauen am gleichen Abend Sex zu haben. Wie Jallale so schön zu sagen pflegte, die Welt habe so viel Kindliches, will spielen. Er hat recht. Dabei fühle ich mich oft in einer Vaterrolle. So habe ich mich also verändert. Bin ich etwa erwachsen geworden? Nicht ganz, denn gerne würde ich wissen, ob Antonio Cesaro, unser Schweizer Wrestler heute seinen Titel verteidigen konnte ^^

Während die anderen Reisenden durch Potosi wandern und begeistert sind von der Schönheit dieser Stadt, sitze ich auf der Dachterasse, rauche eine Minörzigarre und denke, Gott, wie ist das hässlich hier. Klar, die Berge und das Panorama sind schön, aber diese Stadt... Und das ist UNESCO Mitglied? Wenn das Kulturerbe ist, dann müsste jede einskommafünfte Schweizer Stadt (ausser Oerlikon) auf dieser Liste ganz ganz oben stehen. Zusammen mit Frida schaue ich Filme und wir kurieren uns aus. Als ich zum ersten Mal seit Tagen eine Dusche nehme, fällt mir im Spiegel auf, wie viel Gewicht ich verloren habe. Ich bin irgendwo durch froh, eine Ausrede zu haben, nicht rausgehen zu müssen. Was hab ich schon alles erlebt. Ich habe vor Lebensfreude in die Nacht geschriehen, zu wilder Musik tanzend. Am nächsten Tag das Elend auf den Strassen in mir aufgesaugt, den korrupten Staat erlebt, den Geldsack mit Beinen kennengelernt und auf der Überholspur Geist gefahren. Ich verspüre eine Müdigkeit. Ausgelaugt, wie dieser Mann, den ich heute im Spiegel gesehen habe. Und das darf so sein.

Ich denke, dass ich mich seit ich unterwegs bin, verändert habe und mich in sehr vielen Themen mit mir selber auseinandergesetzt habe. Nicht immer, aber oft schmerzvoll. Dabei realisiert man, was einem wichtig ist. Zum Beispiel ist es mir nie in den Sinn gekommen, irgendwo hängen zu bleiben. Dabei denke ich an Big Nose Mike in China. Oder den Schweizer Hotdogmacher aus Belize. My Best freind for one Day aus New Orelans, die irgendwo in Bolivien rum schwirrt mit ihrem Chilensichen Freund und kein Wort von sich gibt. Mein Traum ist es immer noch, sollte ich mal Kinder haben, diese in Skandinavien aufwachsen zu sehen. So viel hab ich erlebt und nichts hat sich an diesem Traum verändert. Ich habe mir vieles angeschaut, ausprobiert. Es war sauhurengeil, doch nichts hat mich vollends überzeugt. Aber alles hat mich gelehrt. Jeder Eindruck, jede Begegnung, jedes Detail, das ungezwungene Sein. Es hat mich viel übers Leben gelehrt. Es wird Zeit ans Heimkehren zu denken. 

Aber nicht ohne einen grossen Umweg zu nehmen. Ihr kennt mich doch und du mich vor allem, liebes Tagebuch.


Die härteste Arbeit der Welt.

26. Januar 2013 - Potosi

Während wir uns hier ein Schokoladenleben erkaufen, auf der Terasse ein Bier trinken und uns ab einander erfreuen, schauen wir respektvoll auf den Berg, der Potosi überragt. Er ist Ikone der Stadt und Heimat eines Berufes, für den es auf der Welt nicht viel vergleichbares gibt. 

Als die Spanier damals ankamen, suchten sie den ganzen Kontinent nach Bodenschätzen ab. Hier in Potosi fand man Silber - in rauen Mengen. Über die Jahre wurde diese Stadt zur Halsschlagader der Kolonialmacht und war reicher, wie alles damals vorstellbare. Der Berg gab alles, was er zu geben hatte. Er war heilig und beschützte die Menschen. Heute ist das Silber rarer den je und tiefer und tiefer wird in den Berg gebohrt und gesprengt. 

Flo und ich folgen Julio, er ist der einzige der heute in die Minen geht. Er ist in seinen 50ern und hat selbst 10 Jahre in einer Coorperetivmine gearbeitet. Er kennt jeden auf dem Weg und wird überall gegrüsst. Jeden Tag hier mit Gringos durchzulaufen hat ihm über die Jahre ein hohes Ansehen verschafft, dass er sichtlich geniesst. Auch zu unserem Vorteil. Es ist Carneval hier in Potosi. Alle Minöre haben frei und werden vom Volk frenetisch gefeiert. Es gibt Paraden, Kulturelle Tänze, viel Wasserballons und Schaumwerfer. Aber vor allem eines: Viel, viel BIER. So kommt es, dass wir bereits auf dem Weg hinauf zum Berg beinahe sämmtliche Biervorräte und Kokablätter, die wir gestern noch für die Minöre gekauft haben, verschenkt haben. Und es war noch nicht mal 9 Uhr Morgens. 

Aber die sollen auch feiern, bitteschön, als wir nämlich die Mine betreten, wurde uns schlagartig klar, dass hier ist nichts für uns. Gebückt, nur mit dem Licht der Kopflampe gehen wir durch den schmalen Indianajonesmässigen Eingang. Der Boden ist voller Matsch, der geräuschvoll von den Schuhen verdrängt wird und ab und an etwas vom Lorengeleise freigibt. Nur gebückt geht es vorwärts. *Päng* da hat sich mal wider wer den Helm gestossen!! *PENG* Okay, nun auch ich. Mit uns ist ein Hund, der Julio seit langem folgt. Ihm scheint das nicht zu gefallen. 

Man kriegt kein gutes Gefühl, auch wenn wegen dem Fest keine Minöre bei der Arbeit sind. Julio erzählt uns viel vom Teamwork der Arbeiter. Als er als Junger Bursche hier rein kam, angelockt von den 90-120 Bolivianos, die man hier durchschnittlich verdienen konnte, musste er sich zuerst beweisen. Es gibt keine Ausbildung und Untertags ist auch in der Notsituation nicht für jeden. Zudem arbeitet jeder Minör für sich. "Es ist wie eine Lotorie" sagt Julio, bevor er sich erneut ein Kokablatt in den Mund schiebt, "du kannst reich werden hier untern. Du kannst aber auch pech haben und nichts finden. Dann bist du schnell wieder raus." In Wahrheit findet der Schnitt immer etwas und kann so seine Familie ernähren. Das ist auch der Grund was viele Menschen in die Miene treibt. Oftmals Schicksale. Der Vater ist gestorben und plötzlich fehlt das Einkommen. Kein Geld für Essen oder Schule. Der Sohn wird zum Mann im Haus und erscheint mit 13 zum ersten Mal in der Mine. 15000 Menschen arbeiten zur Zeit im Berg. Was wohl ihre Geschichten sind? 

Julio wusste genau, warum er es tat. Er wollte studieren. Seine Familie konnte sich es jedoch nicht leisten. Also arbeitete er bis genau an den Tag, an dem er das Geld beisammen hatte, dann verliess er die Mine. 

Wir dringen tiefer in den Schlund des Berges vor. Sehen auf und Abgänge. Verbindungstunnels und zwei weitere, wichtige Dinge. Am Eingang befindet sich eine kleine Kapelle. Zu Ehren Jesus Christus und Jungfrau Maria, wird gebetet. Diese  Beschützen alles, bis zum Bergeingang. Danach befindet man sich nicht mehr in deren Reich, nein, das hier gehört jemand anderem. Als wir uns weiter bewegen, treffen wir auf ihn. Den Teufel persönlich. Das hier ist sein Reich und man befriedigt ihn mit Zigaretten, Kokablättern, 96% Alkohol und Manchmal auch Lamaföten. Julio erzählt ganz abergläubisch, wie ein Junger Mann einmal Naiv behauptet hat, niemals dem Teufel zu dienen. Auf dem Weg nach draussen, wurde er von einem kleinen Stein im Nacken so unglücklich getroffen, dass er sofort Tod war. Es sind die Alten, die die Jungen an die Tradition erinnern und ihr Wissen weiter geben. So gibt es eine Hyrarchie, eine Bruderschaft, Kumpels eben. 

Als sich der Hund um die Teufelsstatue rekelt, ist es genug für Julio. Er packt den Hund und zieht ihn zu sich. "Wenn man in der Nacht von einem schwarzen Hund träumt, geht man den nächsten Tag nicht in die Mine. Das bringt Unglück." Wir verstehen und schweigen. 

Auf dem Weg nach draussen sind wir unterkühlt und es regnet. Das hällt niemanden davon ab Carneval zu feiern. Wir werden überall eingeladen und erleben ein offenes Bolivien, wie noch nie zuvor. Jeder will den Gringo bei sich haben, mit ihm Tanzen oder mindestens ihm einen Wasserballon ist Gesicht watschen. Pitschnass und Sturzbetrunken erreichen wir die andere Seite des Festes, wo unsere Unterkunft auf uns wartet. Ich falle ins Bett - um 2 Tage lang krank im Bett neben Frida liegen zu bleiben.






Uyuni Trip - Day 4 - Der kröndende Abschluss

25. Januar 2013 -  Uyuni - Potosi

Was für die einen zum Highlight des Trips wurde, endete für andere im Horror. Während Frida heute morgen kaum ansprechbar war und immer noch in ihren Fieberträumen versank, zogen wir nach ausgiebigem Bereitstellen von jeglichen Pillen und Elektrolythesäften, los. Mir persönlich tut Frida sehr leid und ich mache mir grosse Sorgen. Ich weiss nicht ob es ihre Rehkulleraugen sind oder die 10 Jahre Altersunterschied, die in mir dieses "Grosser-Bruder-Symptom" auslösen, oder einfach der Gedanke, dass sie das Highlight verpasst. Zudem bin ich kein Arzt und fühle mich hilflos. 

Nun, der Rest der Gruppe startete um halb 5 Morgens um den Sonnenuntergang auf dem Salzsee zu erleben. Während in der Trockenzeit hier eine einzige weisse Landschaft dominiert, steht im Moment alles unter Wasser. Nachdem Fernando elegant den Roten Jeep überholt hatte, ging es auch gleich von der Strasse ins Wasser. Bis zu Knietief fuhren wir durch den See. Die Sonne ging langsam auf. Ich finde ja Sonnenaufgänge eigentlich ziemlich langweilig, weil mir dabei die Farben fehlen. Zudem steh ich nicht gern früh auf. Diesmal hat es sich aber voll gelohnt. Das Wasser mit seiner salzigen Fläche wiederspiegelt eindrücklich jegliche Farbnuance. Wir fuhren weiter und beobachteten ein anderes Auto und stellten fest, wie schön das alles ist. 

Am Horizont erscheint der einzige Fleck der zur Zeit nicht im Wasser steht. Das sogenannte Salzhotel. Von den Lokals wird es nicht unterstützt, weil es kein Eco-Friendly Bau ist und zum Beispiel die Toilette direkt in den See leitet. Heute kam uns dieser Bau aber recht um Trockene Füsse zu haben und als Basis für all die tollen Fotos, die man da schiessen kann. Leider war es mal wieder so, dass meiner einer die Besten Bilder schoss und deshalb selbst kaum auf welchen drauf ist. 

Nun, soweit so gut, während wir fleissig am rumtollen waren, stellten wir fest, dass der Rote Jeep gar nicht hier ist und auch Chris, Marie-Belle und die Französische Hexe nicht hier waren. Auch Fernando war zurück gefahren um zu schauen, was los war. Tatsächlich hat der arme Fahrer heute erneut einen Schwarzem Tag eingezogen und ihm ist kurz vor der Einfahrt ins Wasser der Motor definitiv gestorben. Für uns Spass, für die anderen Horror. Dieser Rote Jeep, was hätte der dem Trip gefehlt. 

Zurück in Uyuni, hat Flo schon bald die Lösung bereit, um von hier Weg zu kommen. Es ist so ein Drecksloch und jeder will nur den Touristendollar. Da fahren wir lieber weiter nach Potosi. Doch was ist mit Frida? Sie sollte auch mitkommen. Sie war zum Glück schon soweit bereit, dass sie es in ihrem Zustatnd in den Spontan organisierten Bus schaffte. Es war witzig anzusehen, wie wir mit ihrem Gepäck durch die Stadt rennen und sie ihn ihrem gleichmässigen Zombiegang schwebend durch die Menge in den Bus ging. 

Das war gleichzeitig auch der Abschied von Horror-Französin, den lieben Belgiern Chris und Mariebelle und vor allem, was mich am meisten beschäftigt, der Abschied von Jacky und Sonia. Die Beiden Wirbelwinde sind mir die letzten Wochen sehr ans Herz gewachsen. Was mich tröstend stimmt, das ist eine dieser Begegnungen, wo man weiss, man wird sich wieder sehen - nicht nur weil ich meinen Schwarz Weissen Pulli im Zimmer hab liegen lassen, den sie sicher gefunden haben und ich mir dann abholen kann, sondern einfach, weils passte, weil wir geile Säue sind. Adiö Uyuni, adiö Mädels. 

Peter ist schon ein Weilchen in Potosi, er kennt alle Kniffe und Tricks um hier günstig über die Runden zu kommen. Das kommt mir gerade recht und zusammen mit einigen Kiwis ziehen wir los. Frida liegt im Bett und ist nach einem Pretuval auch wieder ansprechbar. Trotzdem verspürt sie keine Lust sich zu bewegen. Verständlich. Wir essen im Marktrestaurant eine Nudelsuppe mit anschliessendem Fleischgericht. Dazu gibts das Bier aus der Höchsten Brauerei der Welt: Potosian. Das alles für 12 Bolivianos - Eineinhalb Dollar. Trotzt seiner Brauhöhe, schützt es auch das nicht vorm Überschäumen. Bier in der Höhe zu trinken ist echt eine Herausforderung, weil auf Grund des Luftdrucks es noch viel mehr schäumt, als es sonst schon tut. 

Als wir den Markt verlassen, kaufen wir noch einige Dinge für die Minöre. Wir sind hier in einer Stadt, die hauptsächlich vom Silberabbau lebt. Während der Kolonialzeit schufteten sich hier Millionen von Schwarzafrikanern zu Tode um Spanien den Grössten Anteil seines Reichtums zu verschaffen. Heute ist das Silber zurück gegangen. Trotzdem arbeiten noch Tausende in den Minen und motivieren sich durch das Kauen von Kokablättern, trinken von 96% Alkohol und dem Rauchen von Minörzigaretten. Das alles befindet sich nun in meinen Taschen. 5 Bolivianos für alles. Man muss halt den Peter haben, der einem zeigt wo's das gibt. Die Zigaretten rauche ich wohl selber, denn die sind supergut und kosten nur 1 Boliviano 10 Stück, während 20 in der Malboro-Packung 8 kosten - Was ja auch noch nix ist. Der Tod kommt hier schnell - und günstig.





Dienstag, 29. Januar 2013

Uyuni Trip - Day 3 - Wenn sich mal was gelohnt hat

24. Januar 2013 -  Laguna de Colorado - Uyuni

Nach einer erneut eisig kalten Nacht ging es früh morgens weiter. Die Fahrer haben ihre Fahrzeuge gereinigt und frisch getankt. Zudem riecht es aus der Küche herrlich nach unserem Mittagessen. Wir fahren am See entlang. Die Mädels schaun alle noch etwas benommen aus den Augen. Vor allem Frida scheint etwas gar mitgenommen. 

Wenn es ein Schlüsselerlebnis gibt auf dieser Reise, dann ganz bestimmt unser Einlass in den Nationalpark. Hätte das nicht geklappt, dann wären wir heute Morgen nicht auf den Berg hinauf gefahren, von wo man die wohl perversest-schönste Aussicht dieser verdammten Welt hat. Der Mirador de Lago de Colorado gibt endlich alles Preis, was der See an Geheimnissen in sich trägt. Wenn sich nicht gerade der Orange Berg und der Himmel spiegelten, flogen bestimmt Flamingos durchs Bild. Das rot der Mikroorganismen färbt das ganze partiel zu einem... ach ich hab keine Lust das zu erklären und ihr habt keine Lust das zu lesen, weil es einfach nicht zu beschreiben ist. Schaut euch die Bilder an, dann versteht ihr mich etwa zu 10%. 

Spätestens hier sind wir uns einig, dieser Trip hat sich sowas von gelohnt, war jeden Boliviano wert und würden wir (nach einer Heissen Dusche) sofort wieder machen. 

Der ganze Tag ging so weiter. Als die Gletscher sich hier zurückzogen hinterliessen sie ein Paradies an skurielen Steinformationen, wüsten und Lagunen. In einer liessen sich die Flamingos sogar besonders gut fotografieren. In einem Unrealen Bergpanorama. Irgendwie habe ich mir diese Tiere immer in die Afrikanische Savanne gedacht, nicht in die Hochanden in Bolivien. 

Frau Fronkreisch mit Anhang Jean hatten auch heute wieder ihren Auftritt, in dem Sie sich beschwerte, warum wir denn bei diesem Zugfriedhof anhielten. Das sei doch einfach nur hässlich. Da sass sie und motzte, während wir auf den alten Zügen rumhüpften und richtig Spass hatten. Diese Reliquien aus dem 19. Jahrhundert rosten hier vor sich hin. Schon spannend, wie all diese wunderbaren Errungenschaften wie Eisenbahnnetze vor sich hin modern und kaum benutzt werden. Da denkt man hier ein bisschen anders. 

Als wir in Uyuni eintreffen wird uns schnell klar, bei Frida geht gar nichts mehr. Diese anstrengende Reise war zuviel für ihren winzigen Körper. Sie liegt im Bett und schlottert mit sich selbst um die Wette. 39 Grad Fieber auf dem Thermometer, gut 40 mehr, wie vor der Tür. Die ganze Nacht machen wir uns sorgen und kümmern uns so gut es geht um sie. Das Problem liegt darin, dass wir nicht wissen, was sie hat, weil sie die Symptome von Erkältung, Grippe, Gelbfieber und Höhenkrankheit an Anfang die selben sind.













Montag, 28. Januar 2013

Uyuni Trip - Day 2 - Der Rote Jeep und Flamingos

23. Januar 2013 - San Antonio de Lipez - Laguna de Colorado

Nun, wenn mal jemand Pech gehabt hat, dann sind es die Insassen des roten Jeeps. Imme rund immer wieder bliebt er irgendwo Stecken und das manchmal so unglücklich, dass man auch den Fahrer echt um nichts zu beneiden hatte. Wir haben inzwischen die Mittfahrer unseres Französischen Pärchens kennegelernt. Zwei Belgier, frisch verheiratet auf ihrer Hochzeitsreise (9 Monate durch die Welt). Chris und Marie-Belle. Immer diese Doppelnamen. Sie mögen die Franzosen genauso wenig, die inzwischen bereits mehr Wein getrunken haben, als sie die Tour gekostet hat. 

Wir fragen uns inzwischen ob, wenn das so weiter geht, wir auch wirklich an unserem Ziel ankommen werden. Immer wieder müssen wir irgendjemandem helfen, während Fernando unser gefährt wie ein Ralleyfahrer durchs Gelände führt. Im Team sind noch immer Flo, Frida, Jacky und die Sonja, die wie ich etwas kränkelt. Irgendwie werden wir hier einfach nicht gesund. 

Tief im Gebirge auf gut 5000 Metern treffen wir auf eine Geisterstadt am Fusse eines Berges. San Antonio de Lipez heisst diese verlassene Stadt. Hmm? Genau gleich wie der Ort in dem wir gestern Nächtigten? Uns wird erklärt, dass man erst hier oben lebte, dann aber aufgrund der Witterung und des Ernteausfalles umdenken musste und die Stadt weiter unten wieder aufbaute. Dies macht Sinn. Trotzdem hätte man sich etwas mehr Mühe geben können. Diese Ruine hier hatte echt Charme - ganz im Gegenteil zu all den Städten hier, die Neu schon Heruntergekommener wirken, wie diese Ruine. Damals legte man einfach mehr Wert auf Dinge die hier heute einfach anders sind. Mir fällt nichts anderes ein, es zu beschreiben. Mir werden Südamerikanische Städte nie gefallen. 

Weiter geht die Reise über Hochebenen, später durch Schnee und Eis. Plötzlich stehen wir vor einer Schranke, die symbolisch wohl das ganze Tal vor sich schliesst. Dies ist der Parkeingang. Unsere Fahrer inklusive Köchin gehen nach draussen und verhandeln mit den kleinen, verwegen wirkenden Parkwächter. Offiziell geschlossen hiess es, so ahnen wir nichts gutes. Auch die Gesichter der Protagonisten lässt auf nichts gutes hoffen. Das wäre so schade, denn seit mir Elodie ein Bild von der Laguna de Colorado gezeigt hat, will ich dahin. Ich bin dafür auch bereit etwas illegales zu tun. 

Auf einmal kommen unsere Führer zurück und wir glauben es kaum. Die Schlawiner haben einen Sonderdeal ausgehandelt. Wir dürfen die Lagune besuchen und auch dort Nächtigen. Dafür geht die ganze Eintrittssumme (150 Bolivianos) in seine Tasche und er übernimmt keine Verantwortung. Witzig, wie auch in kleinen Kriegen immer jemand gutes Geld verdient. Nun, wir sin die Nutzniesser und uns solls recht sein. Ich kann es dann kaum Fassen, als wir an der Lagune ankommen und die ersten Flamingos von Nahem sehen. Nicht nur eins, zwei wie im Zürich-Zoo - nein, der ganze See ist voll von ihnen. Sie ernähren sich von den Mikroorganismen, die im seichten Wasser des Glätschersees ausgezeichnet gedeihen. Von ihnen erhalten sie auch die unverwechselbare Pinke Farbe. Würde ich mich immer nach dem Färben, was ich gerne esse, wäre mein Kopf Braun, mein Hals Grün, Brust rot oder Gelb, Bauch schwarz, die Beine hätten die Farbe von Röstzwiebeln und Champinons und die Füsse wären wiederum Braun. 

Genächtigt wird in einem kleinen Camp direkt am See. Vor dem Nachtessen mache ich nochmals einen kurzen Spaziergang hinunter an die Küste. Ich habe mir etwas mehr Farben erwartet um ehrlich zu sein. Trotzdem ist diese karge Landschaft eine Augenweide die seines Gleichen sucht. Auch die Geysire waren wunderbar. Nicht ganz so spritzig wie die in Island, dafür aber zugänglicher. Wunderschön und für uns alleine - denn wir sind beinahe die einzigen im Park. Im Camp wird heiter Wahrheit oder Pflicht gespielt, wo unsere frisch verheirateten viel über sich herausfinden und die Franzosen dankbar (für uns alle) früh zu bett gehen.









Uyuni Trip - Day 1 - Wilder Westen und viel Illegales

22. Januar 2013 -  Tupiza - San Antonio de Lipez


Es hat alles Reibungslos geklappt. Pünkltich um 4.30 erreichten wir Turpiza und auf unsere Frage nach unserer Agentur, sagte der Taxifahrer dann auch freundlich: "Da braucht ihr nicht zu fahren, es ist gleich da um die Ecke, 3 Blocks die Strasse runter!". Auf Spanisch natürlich. Wir genossen es auf den herrlich gemütlichen Sofas in der Loby zu crashen. 

Flo musste unbedingt noch ihre Bewerbung rauslassen. Das dauerte seine Zeit und unser Fahrer, Fernando wurde zunehmend nervös. Das gefällt mir nicht, denn er ist hier der Profi und er weiss über die Tücken der Strecke. In der Loby treffe ich auf ein Französisches Paar. Jean spricht kein Wort englisch oder Spanisch und labert einfach auf Französisch jeden zusammen. Sie fragt mich, wieviel wir für die Tour bezahlen. Auf meine Gegenfrage antowrtet sie 250 Dollar. Das sind 150 Dollar mehr, wie wir. Ich lasse sie in ihrem Traum und bestätige die 250. 

Uns wird ziemlich schnell klar, dass dieser Trip im 4x4 Jeep etwas besonderes wirt. Turpiza erinnert mich an eine Wildweststadt und diese typischen, roten Wildwestberge säumen das Bild der Stadt. Schon kurz nachdem wir die Stadt verlassen haben, folgt Fernando einem Flussbett, nix Strasse hier, ab in die Pampa! Es geht auf Schlampfaden hinauf in Schwindelerregende Höhen, vorbei an den Sillar Bergen. Wir sehen so viele Lamas, dass wir kaum mehr die Kamera weglegen können. 

Zusammen mit der Erhaltenen Karte der Gegend machen wir uns etwas Gedanken über die Situation im Nationalpark, den wir besuchen wollen. Die sagenhafte Laguna Colorado und Geysire auf über 5000 Meter über Meer sind dort zu bewundern. Doch der Park ist zur Zeit geschlossen, weil sich die zwei Dörfer, die sich die Touristendollar teilen, sich ernsthaft in den Haaren liegen. Ich meine richtig ernsthaft, mit Toten usw. Als wir das erfahren, spüre ich mal wieder, wie schlimm Tourismus für manche Gegenden sein kann. Vor allem, wenn man sich nur fürs Geld interessiert. Leider ist das in vielen Gegenden so. Aber wenn man Arm ist, dann ist für einem das Thema Nummer 1 nunmal das Geld und man möchte vom Reichen Grindo etwas abhaben, weil der doch so viel hat und für den ein Paar Dollar nichts sind im Vergleich zu dem, was man hier unten hat. Es ist ein schwieriges Thema. Gerne höre ich eure Meinung dazu, liebe Blogleser. 

Den Rest des Tages verbringen wir mit Kleben an der Fensterscheibe und Musikhören. Es kommt bald etwas einem Roadmovie gleich. Wir haben die volle Kontrolle. Fernando hält gerne mal an oder nimmt den Umweg über den Berg, damit wir auch die Beste Aussicht kriegen. Umso tiefer wir vordringen, halten wir mehr, besonders wenn es ums durchwuären von Furten geht. Schnell stellt sich heraus, das wir mit unserem Fahrer das goldene Los gezogen haben. Denn bereits bei der zweiten Furte, ziehen wir mit einem Drahtseil einen Roten Jeep aus dem Fluss, bei dem wir keine Probleme hatten. Im Roten Jeep erkenne ich Jean und Marie-France und muss schon etwas lachen :D

Gegen 5 Uhr erreichen wir das Tagesziel, San Antonio de Lopez. Ein verschlafenes Dorf, dessen Gebäude häutpsächlich aus Lehm bestehen. Die Betten sind zwar durchgelegen aber erstaundlich bequem und unsere Köchin Frederica (im Roten Jeep) zauberte ein Fantastisches Abendessen. Wir schlendern noch etwas durchs Dorf und uns fällt auf, dass die hier mal wieder ienen überfluss an Fussballfeldern haben. Jedes Dorf hier in Bolivien scheint seine 3-4 Bolzplätze zu haben - auf denen wir noch nie jemanden haben spielen sehen. Ob das wohl am Mangel an Fussbällen liegt? Wir hätten gerne etwas gespielt, aber mehr als einen fragenden Blick von den drei Jungs, die dort abhiengen haben wir nicht bekommen. :)








Sonntag, 27. Januar 2013

Reise nach Turpiza

21. Januar 2013 - La Paz - Tupiza

Heute morgen bin ich aufgewacht, nass geschwitzt und bin erst mal überrascht, dass ich nicht in der Trainingsbarracke der "Titans del Ring" bin, sondern im Irishen Wild Rover in La Paz. Es wurmt mich schon etwas, dass ich nicht gleich oben geblieben bin. Ich hätts mir so vorstellen können, jeden Sonntag abend einen Haufen Bolivianer mit Schaukämpfen zu unterhalten und ich hab mich auch schon Namen überlegt wie Nightwing, der im Dunkeln seine Gegner überrascht oder Der Clownmörder, der denn überflüssigen Pepito endlich ausschaltet. Doch beim Gang zum Frühstück erinnert mich mein Knie daran, warum ich es nicht tue. Spontan und etwas traurig lasse ich Frühstück gleich aus und Bestell mir ein heftiges Irish Stew. 

Das Wild Rover ist nun das dritte Hostel, in dem wir hier in La Paz sind. Nachdem uns das Adventure Brew nicht wirklich abenteuerlich vor kam, wechselten wir ins Loki, von wo wir ausziehen musste, weil die verpeilte Dame an der Rezeption unsere Reservation falsch eingetragen hatte. So sind wir jetzt im Wild Rover und ich muss zugeben, das ist bisher das coolste Hostel in dem ich gewesen bin. Es ist supersüss gebaut und die Bar ist eine klassisches Irish Pub. So ein Ort, wo man gut und gern mal den ganzen Tag verbringen kann. Dazu läuft gute britische Strohmgitarrenmusik und die Leute hier sind hauptächlich von der Insel stammend und entsprechend ist das Nivau weniger Sexorientiert, dafür mehr Sozial. Das tut mir gut. 

In der Bar treffe ich auf Frida. Die quirrlige Norwegerin hat sich gestern von meinen Plänen begeistert gezeigt und kommt mit uns. Dabei auch Flo, die Holländerin. Was beide auszeichnet sind ihre Freunde, die daheim auf sie warten, was sie zu angenehmen Gesellen macht. Immer noch dabei sind Jacky und Sonia. Unsere Crew ergänzt sich ziemlich gut. Ich schmiede die Pläne. Die Jacky und Sonia haben die Tickets organisiert, Flo die Tour gebucht und Frida hat isch um Unterkunft gekümmert. 

Um 1 Uhr nahmen wir den Bus richtung Tupiza im Süden des Landes. Gut 15 Stunden wird die Fahrt dauern. Wir wollen die Salzwüste, die Salar de Uyuni besuchen. Die meisten steuern dafür den Touristenort Uyuni an, wir haben gehört, dass es von Tupiza besser sein soll, weil man zu anderen Zeiten an den Orten ist, wie die grosse Masse aus Uyuni und die Tour spannender aufgebaut ist. Wir werden sehen. Erst gehts jetzt mal durch das Bolivianische Plateau, dass in seiner Schönheit mit den Steppen der Mongolei und später mit der Hochebene Tibets konkurrieren kann, der Sonnenuntergang haut uns mit seinem Rot dann alle weg. Der Local-Bus (Scheiss auf den teuren Touribus) ist herrlich Rustikal und natürlich funktioniert drinnen gar nichts. So ist es entweder heiss, wenn die Sonne scheint, oder saukalt, wens friert. Die Toilette geht auch nicht und das Essen an der Raststätte macht mir angst, nachdem ichs gegessen habe. Uff. Ich war lange nicht mehr krank vom Essen - Bolivien soll es jedoch wieder in sich haben. 

Wir werden um gut 4 Uhr Morgens ankommen und dann direkt wenige Stunden später mit der Tour starten. Viel Zeit im Bus kommt auf uns zu. 4 Tage soll der Trip dauern. Ich bin froh, dass was geht und habe das Gefühl mit den Mädels in guter Gesellschaft zu sein. 

Samstag, 26. Januar 2013

Schag dir die Birne ein, Weib.

20. Januar 2013 - La Paz

Die kämpfenden Cholitas sind eine Gruppe von Weiblichen Lucha Libre Ringerinnen, zu vergleichen mit dem Proffessionellen Show Wrestling in den USA und Mexico. Eines Tages kam Juan Mamami, einem Kämpfer der Reise-Lucha-Gruppe "Titans" die Idee, wie man die eigene Show aufpeppen könnte. Die ersten Frauen wurden trainiert. Als absolutes Highlight gilt jedoch die Wöchentliche Show in El Alto, einem dieser berüchtigten Vororte La Paz'. Der Eintrit kostet 10 Bolivianos und zieht hunderte von Zuschauern an. Dieses Wochenende auch uns =)

Die Kämpfergilde besteht hauptsächlich aus Aymara und Quecha's also der Indigenen Bevölkerung, die ihre Haare traditionell zu 2 Zöpfen geflochten Haben. Bauklötze gestaunt haben wir dann vollends, als die Frauen in ihren traditionellen Trachten in den Ring marschierten und damit zum Kampf antraten - daher der Name Cholita. Ich habe ja immer meine Vorurteile und behaupte, dass jede Frau hier ab 15 einfach Dick wird. Seit heute bin ich mir sicher, dass es sich dabei um nichts anderes als Muskeln hangeln muss. 

Auf dem Vorplatz der Sporthalle tummeln sie Marktschreier und viele andere, die ihre Dinge feil bieten. Mir springt sofort eine reihe selbst gebastelter Kickerkästen ins Auge, auf denen ich mich im Laufe des Nachmittages noch mit ettlichen Bolivianern meisterlich duelliere. Ebenfalls nicht die Finger lassen, konnte ich von einer original Lucha Libre Wrestling Maske, wie Ray Mysterio und viele andere Latinostämmige Ringer sie tragen. Als grösstes Übel gilt es, seinen Gegner zu demaskieren, so lasse ich sie gleich den ganzen Tag auf. 

Auf einem grossen Plakat tummeln sie sich alle, El Alto, el Matator, Ramiro, der böse Schiedsrichter, Demolido oder Pepino, der Clown, der seine Gegner mit Sprühschaum bespritzt. Allen vor an die Cholitas, die sich mit Namen wie El Diabolica, Sarita la Romantica oder Angela la Folklorista nennen. Allen über steht jedoch Martha, el furiosa. Sie ist der Star hier in el Alto, dem Vorort von La Paz. Die Kämpfe der Männer sind zwar kreativ, jedoch etwas langweilig. Pepito zum beispiel rennt einfach nur 30 Minuten von sienem Gegner davon. Viel Show, aber doch eher nach dem *Das könnte ich auch"-Faktor. Ich erinnere mich als Kind, musste mir meine Mutter immer auf RTL2 nachts das WWF-Wrestling aufzeichnen. Seither bin ich fasziniert davon, hauptächlich von der Choreografie und der Akrobatik und eigentlich ist es einer meiner grössten Wünsche, einmal in so einem Ring zu stehen.  Fas ganze hat sich mit dem Auftreten eines Schweizers in der grössten Liga der Welt, nicht geändert. Eher umgekehrt. Antonio Cesaro, oder Claudio Castagnoli, wie er früher in der SWF (Swiss Wrestling Federation) noch hiess. Der hats geschafft. Von der Provinz auf die hoch Bezahlte World Wrestling Entertainment Liga - Seine Ricola-Bomb geht um die Welt. 

So dachten wir uns, wenn nicht hier, wenn dann wo. Während einer Ringpause stürmen Jacky und ich hinauf und legen in unseren Masken einen kurzen Schaukampf aufs Parkett. Was für ein Gefühl in so einem Ring zu stehen. Dabei ist es egal, ob einige Kumpels in La Paz den gebaut haben, oder ob er die Grossen Bretter der Welt bedäudet, ist so was von Egal, den 100erten von Bäuerlich gekleideten Bolivianos gefällt das kurze Zwischenspiel - Und ich hab das Foto meines Lebens. 

Von nun an bin ich Feuer und Flamme was passiert und ich gehe zur grossen Unterhaltung meiner Begleiter mit vollem Herzblut mit. Aber auch zurecht. Als Martha, the Furiosa den Ring betritt, merkt man, dass etwas spezielles passiert. Diese Frau kommt aus einem Bauerndorf hier oben in Bolivien. Wie sie zum Ringen kam, ich weiss es nicht, kann es mir nicht vorstellen. Aber die Pummelige Frau in ihrer Schwarzweissen Tracht hat unglaublich Ausstrahlung, die nicht nur mich, sondenr auch den Rest der anwesenden mitreisst. Zum ersten Mal erleben wir Tempo und klasse im Ring. Martha schläudert ihren Gegner, einen Mann durch die Luft, legt ihn mit Suplex von den Ringseilen ausser Refecht und als sie zur Kopfschäre ansetzt, wobei man dem stehenden Regner vorwärts auf dem Buckel sitzt, sich mti den Beinen einhängt, nach hinten fallen lässt, um ihn dann überkopf auf die Bretter zu befördern... Da hällts mich nicht mehr auf dem Stuhl und schreiend vor Freude spring ich auf und schrei laut vor Freude durch die Halle - Als Einziger... Ups, schnell wieder hinsetzen :D

Den ganzen Abend kann ich mich kaum beruhigen. Endlich hat mein kaputtes Knie mal was gutes. Denn wäre das nicht, hätte ich mich sofort angeschlossen mit dem Ziel ein Mitglied zu werden von den "Titans del Ring" in El Alto, Bolivien. 

Den ganzen Abend bin ich etwas Müde und niedergeschlagen und gehe früh zu Bett.